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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
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Eigenkapital ist die beste Versicherung
Mehrgefahrenversicherung in der Landwirtschaft in der Diskussion
VDL: LPG-Strukturen ändern statt staatlich abzusichern
Pressemitteilung vom 04.09.2003


Dresden. Das Thema Mehrgefahrenversicherung – Lieblingsprojekt des sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministers Steffen Flath (CDU) – bleibt auf der agrarpolitischen Tagesordnung. VDL-Präsident Dieter Tanneberger, sagte hierzu: „Wenn die Länder und der Bund 50% der Versicherungsprämien übernehmen würden und die Bauern die andere Hälfte, dann kann ich mir die Zustimmung des VDL und anderer Bauernverbände vorstellen. Die derzeitig diskutierte Belastung von bis zu 30 € je Hektar sind für die Bauern einfach zu hoch. Vor allem müssten Bund, Länder und Landwirte gemeinsam einen Fonds einrichten, in den unabhängig vom Jahresetat der Staat festgebundene Zahlungen leistet, ohne das Haushaltsverfallgrenzen drohen: Ein sich selbst tragender akkumulierender Mehrgefahrenversicherungsfonds! Dann fänden sich bestimmt Versicherungsgesellschaften, die dieses Risiko absichern würden. Nicht jedes Jahr wird es vergleichbare Erntekatastrophen wie 2002 Rekord-Hochwasser und 2003 Vertrocknung der Ernte geben.“
Aber können Sie ich vorstellen, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) und die Landesfürsten 50 % der Versicherungsprämien übernehmen würden? Wohl kaum.
Und warum sollte diese Bundesregierung dies also ausgerechnet für die Landwirtschaft tun, die ohnehin bei der derzeit herrschenden Couleur in Berlin nicht gerade im besten Ruf steht und obendrein ständig vom Finanzminister gerupft wird. In den DLG-Mitteilungen 9/2003 werden denn auch die in letzter Zeit wieder lauter gewordenen Rufe nach einer Mehrgefahrenversicherung aus mehreren Gründen kritisch gesehen:

- Erstens verfestigen sie bei der Bevölkerung und bei den Parlamentariern nur den Eindruck, die Bauern würden immer wieder neue Subventionen haben wollen. Damit berühren wir einen ohnehin schon wunden Punkt. Beide Gruppen stoßen wir damit noch mehr vor den Kopf.

- Zweitens lenken sie den Blick von den wirklich wichtigen Themen wie Umsetzung der Agrarreform, Reform der Sozialsysteme, Naturschutzrecht oder Agrardiesel ab.

- Und Drittens: Es gibt keine neuen Gelder zu verteilen. Das sollte mittlerweile jedem klar sein. Woher sollte also das Geld für die geforderten staatlichen Beitragszuschüsse kommen? Blauäugig ist, wer denkt, dass dies nicht an anderer Stelle (etwa der Investitionsförderung) wieder gestrichen würde.

Eine staatlich alimentierte Mehrgefahrenversicherung schadet damit den Interessen der meisten Landwirte. Gegen eine rein privat finanzierte Versicherung ist nichts einzuwenden. Doch scheinen die notwendigen Prämien hierfür zu hoch zu sein, sonst bräuchte man nicht den Staat als Finanzier.
So zynisch das auch für Betriebe klingen mag, die nicht wissen, wie sie die nächsten Rechnungen bezahlen sollen – Bauern sollten sich auf die beste Versicherung eines Unternehmens zurückbesinnen: auf ausreichendes Eigenkapital.

LPG-Strukturen ändern statt staatlich absichern
Das VDL-Präsidium hatte im Januar in Freiberg erklärt, die vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Flath (CDU) befürwortete „staatliche Assekuranz“ habe nur den Zweck, die absehbaren wirtschaftlichen Gefahren aus Missernten und Tierverlusten für die großstrukturierten Agrarbetriebe abzumindern. Dabei sollen die Strukturmängel in den LPG-Nachfolgebetrieben durch den Staat, einem Erstversicherer (Hagel) und einem internationalen Rückversicherer (Allianz) abgesichert werden. Agrar-Holdings, die tausende Hektar Ackerland unter dem Pflug haben, mit oft nur 3 Fruchtfolgegliedern, bewirtschafteten Monokulturen mit Hunderten von Hektar in einem Schlag, ohne Beachtung des natürlichen Reliefs und der guten fachlichen Praxis. Auch in der industriellen Tierproduktion, wie sie aus DDR-Zeiten übernommen und weitergeführt wurde, seien die Gefahren von Totalverlusten in Fällen von Schweinepest und Maul- und Klauenseuche strukturbedingt und kaum versicherbar.
Der Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Landwirte (VDL) Rudolf Heimer, Landwirt in Blankenhain hatte auf der Grünen Woche betont, dass die derzeit gültige Richtlinie, die ca. 12.000 EURO an Entschädigungsleistung je Betrieb bei Erntekatastrophen vorsieht, für bäuerliche Familienbetriebe ausreiche. Man müsste die LPG-Strukturen ändern, statt sie staatlich abzusichern.

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