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    Bundesverband
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Vertragsnaturschutz - Versprechen ohne Garantie
Landwirte verabschieden Protestresolution an Minister Flath
Pressemitteilung vom 30.08.2001


Der Verband der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen e.V. (VDL) hat vergangene Woche in Planitz-Deila, Gemeinde Käbschütztal, Kreis Meißen, auf einer Aufklärungsveranstaltung zum geplanten Naturschutzgebiet in der Lommatzscher Pflege, eine Protestresolution an den sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen Flath (CDU) verabschiedet.

Die „Täler der Lommatzscher Pflege“ und angrenzende Pufferzonen mit über 7.400 Hektar besten Ackerlandes sollen nach dem Friedewald und dem Moritzburger Teichgebiet zum zweitgrößten LSG im Landkreis Meißen ausgewiesen werden. Vornehmlich sind die Großgemeinden Ketzerbachtal, Käbschütztal, Lommatzsch, Leuben-Schleinitz, Teile von Nossen, Heynitz und Diera-Zehren betroffen.

Das geplante Landschaftsschutzgebiet hat viele Kritiker in Bauern und Grundeigentümern gefunden. Die Unterzeichner der Resolution befürchten einen dramatischen Wertverlust der unter Naturschutz gestellten Flächen sowie wirtschaftliche Einbußen durch Restriktionen und Verbote bei chemischem Pflanzenschutz und Düngemitteleinsatz. „Ackerflächen mit Bodenwertzahlen um die 80 und darüber, die mit ihren Erträgen zu den besten in ganz Deutschland gehören, dürfen nicht in das LSG einbezogen werden. Es besteht außerhalb der Tal-Lagen auf den freien Flächen keine Schutzbedürftigkeit durch Biotope oder seltene Tiere oder Pflanzen. Hier wird auf großen Flächen schon immer und mit bestem Erfolg Mais, Zuckerrüben, Getreide, Raps und Gemüse angebaut“, heißt es in der Resolution.

Die betroffenen Landwirte und Grundeigentümer forderten in Planitz-Deila Aufklärung über die tatsächliche naturschutzrechtliche Planung im Kreis Meißen und über die Novelle des Naturschutzgesetzes mit ihren gravierenden Eingriffen in das bäuerliche Grundeigentum. Der Landkreis Meißen wurde vertreten durch den Dezernenten für Bau und Umwelt Andreas Herr, der die Sorgen der Landwirte bei weitem nicht ausräumen konnte. Das Staatsministerium für Umwelt- und Landwirtschaft war vertreten durch den Juristen Niclas Meves und durch die Referentin für Strukturfondsförderung Petra Dörfel. Anwesend waren die Bürgermeister Klingor und Beger sowie der Amtsleiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft Großenhain Uwe Mildner. Auch der Kreisvorsitzende des Sächsischen Landesbauernverbandes Siegfried Hasler war der Einladung des VDL gefolgt.

„Wir, die Landwirte und Bauern des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer in Sachsen (VDL) stellen uns nicht gegen den zunehmend von der Gesellschaft anerkannten und geforderten Natur- und Umweltschutz. Im Gegenteil, wir Bauern waren schon immer und sind die zuerst berufenen Schützer und Bewahrer der Schöpfung. Die rot-grüne Novelle zum Naturschutz, die Zwangsmaßnahmen der EU bei Flora, Fauna, Habitat, das Bestimmen des Umfangs von Grenzen der Landschaftsschutzgebiete mit Zirkel und Lineal am Schreibtisch - ohne das tatsächlich Biotope, schützenswerte Tiere und Pflanzenarten vorhanden sind - das sind solche Ausuferungen, gegen die wir heute protestieren!

Wo seit Jahrzehnten durch die Großraumwirtschaft der LPG eine ausgeräumte Agrarlandschaft entstanden ist, ist es vielmehr geboten, die alten Wegeverhältnisse, Flurgrenzen und Abmarkungen durch staatlichen Mitteleinsatz sinnvoll wieder herzustellen. Es müssen wieder Feldwege und Raine angelegt, Sträucher und Hecken angepflanzt werden, die die ausgeräumte Agrarlandschaft strukturieren. In diesen viele kilometerlangen Rainen, Straßen- und Wegerändern könnten sich wahre Lebensbahnen für Pflanzen, Insekten, Lurche und Kleingetier dauerhaft entwickeln.

Die einzigartige Landschaft in der Lommatzscher Pflege sollte nur dort unter Schutz gestellt werden, wo Trockenhänge und Bachläufe es nachgerade erfordern. Nicht aber generell die hügelige Agrarlandschaft in großen Teilen der Lommatzscher Pflege, denn sie hat keine besondere schützenswerte Fauna und Flora. In den Trockengebieten allerdings, wo seltene Pflanzen wie Kuhschelle oder Hügelmeister wachsen und Stileichen, Schlehen und Eschen stehen, an Hängen, wo viele Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken, wie die seltene Rote Keulenschrecke leben und an Bachläufen gar der seltene Biber zu finden ist - dort soll man die Natur durch uns Bauern schützen lassen!

Dafür steht uns aber eine angemessene Vergütung zu. Denn wir Bauern leben von unserem Land und können die geplanten Einschränkungen nicht ohne finanziellen Ausgleich hinnehmen. Wir fordern von der EU, vom Bund und vom Freistaat Sachsen, Programme des Vertragsnaturschutzes aufzustellen und die Bauern, Landwirte, Grund- und Bodeneigentümer angemessen zu entschädigen. An die Bodenwertzahlen gebunden, müssen Entschädigungen in Höhe der Jahrespacht von 200 bis 600 DM / Hektar geleistet werden.

Und zwar für
· Verkehrswertabzüge - ein Drittel des Bodenwertes geht bei Naturschutzflächen verloren;
· Krediterschwernisse bei Investitionen - die Banken kreditieren Naturschutzflächen entweder überhaupt nicht bzw. nur zu ungünstigen Konditionen;
· Ertragsminderungen, weil durch das Verbot des chemischen Pflanzenschut-es und der Düngemittelrestriktion große Ertragsausfälle drohen.“



Große Presseresonanz

MDR Radio Sachsen berichtete vor Ort. Die Sächsische Zeitung titelte: „Versprechen ohne Garantie und die Dresdner Neuesten Nachrichten schreiben:

Wird Sachsens bester Acker zum "Naturpark"? Landwirte schicken Protestbrief an Minister Flath

Nicht nur für sächsische Bauern ist die Lommatzscher Pflege der Inbegriff ertragreicher Böden. Im Gebiet zwischen Meißen, Stauchitz, Mügeln, Rüsseina und Krögis gibt es deutschlandweit hohe und höchste Bodenwertzahlen. Nun soll ein Teil dieser Äcker, die zu den besten Sachsens gehören, zu einer Art Naturpark erklärt und damit die dortigen Grundstücke in ihrem Wert gemindert werden. Zumindest befürchten das die Eigentümer, seit bekannt wurde, dass der Landkreis Meißen auf Veranlassung des Freistaates in der Lommatzscher Pflege ein Landschaftsschutzgebiet (LSG) plant. Von einer Größe um 7400 Hektar ist die Rede.

Im Herbst soll der Entwurf im Landratsamt vorliegen und öffentlich diskutiert werden. Am Freitag folgten über hundert Landwirte einer Einladung des Verbandes der privaten Landwirte und Grundstückseigentümer Sachsens (VDL) nach Planitz-Deila, um Genaueres zu erfahren. 86 von ihnen entschieden sich dort mit ihrer Unterschrift, mit einem Schreiben an Sachsens Umweltminister Steffen Flath (CDU) gegen die jetzigen Schutzgebietspläne zu protestieren. "Ich sehe in den LSG-Plänen einen Angriff auf unser Eigentum", sagt Landwirt Stefan Börner, Eigentümer von reichlich 60 Hektar Land in Görna bei Krögis. Von seiner Bank wurde ihm bestätigt, dass ein solcher Schutzstatus für ihn mit einem Wertverlust in Höhe von einer halben Million Mark verbunden wäre. "Dabei bin ich kein Gegner des Naturschutzes", sagt Börner und betont, dass zu seinem Besitz auch sieben Hektar nicht zu bewirtschaftendes Land gehören. Dessen Pflege koste ihn im Jahr 2500 Mark. Im Interesse der Natur habe er hier nur Wald- und Obstbäume gepflanzt.

Nein, auch Wolfgang Grübler, Geschäftsführer des Agrarunternehmens Lommatzscher Pflege Striegnitz e.G., hat nichts gegen den Naturschutz in den Tälern und Auen. Darüber könne man jederzeit reden. Doch hält er es für ein Kuriosum - entgegen dem Landesentwicklungsplan vom grünen Tisch aus, ohne mit den Betroffenen zu sprechen - Acker mit über 50 Bodenpunkten unter Schutz zu stellen. Zwar hatte Andreas Herr, der zuständige Dezernent im Meißner Landratsamt, auf der Veranstaltung am Freitag versichert, in einer sogenannten „Pufferzone“ gebe es weder Restriktionen beim chemischen Pflanzenschutz noch beim synthetischen Düngemitteleinsatz. Doch überzeugen konnte er damit nicht so recht. Wozu dann ein Landschaftsschutzgebiet, wenn alles bleibt, wie es jetzt ist?, fragen sich die Bauern.

Herr hat die Bedenken nicht ausgeräumt, bestätigt Siegfried Hasler, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Elbe-Röder. Auch Hasler ist der Meinung, die LSG-Pläne müssten noch vor ihrer Veröffentlichung als Entwurf mit den Landwirten abgestimmt werden. Und wenn Herr ankündigte, bei einer freiwilligen Einschränkung im Einsatz von Chemie gebe es Ausgleichszahlungen, würden die Bauern mit Recht auf fehlende Garantien und die leeren Kassen des Freistaates verweisen. So sieht das auch VDL-Präsident Dieter Tanneberger: "Wir wollen den Status Quo erhalten, aber wenn er verändert wird, muss klar sein, wer das bezahlt."

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