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Die Flutopfer
Die verheerenden Überschwemmungen zerstörten Existenzen, hinterließen Milliardenschäden und forderten 20 Menschenleben. Fünf Menschen werden immer noch vermisst
Pressemitteilung vom 29.08.2002


Dresden, 12. August:
Beim Wasserschöpfen in ihrem Haus versagte das Herz einer 68-jährigen Frau.

Pirna, 12.August:
Ein 81-jähriger Mann ging in den Keller des Seniorenheims, um Wäschestücke zu holen. Innerhalb weniger Minuten war der Keller überflutet. Der Rentner ertrank.

Pirna-Zuschendorf, 12.August:
Feuerwehrmann Frank Köckritz,35, führte am Seil die Hausfrau Irena G., 40, durch die gurgelnden Fluten. Ein abgetriebenes Auto schoss auf den Feuerwehrmann zu, drückte ihn unter Wasser. Frank Köckritz ertrank, die Frau wurde gerettet.

Olbernhau, 13. August:
Im Kreiskrankenhaus brachen ein Mann, 65, und eine Frau, 77, zusammen. Sie hatten sich über das Hochwasser zu sehr erregt. Todesursache: Herzversagen.

Reichstädt, 13. August:
Manfred Z., 70 versuchte bei seinem Sägewerk „Buschmühle“ das Abtreiben von Holzstämmen zu verhindern. Er versank in den Fluten und ertrank.

Freital, 13. August:
Ein Hubschrauber zog Hedwig Kampa, 76, an einer Winde aus ihrem vom Wasser umspülten Haus. Die Frau rutschte aus dem Gurt und stürzte in die Tiefe.

Wilsdruff,13, August:
Der 51-jährige Wolfgang Boy versuchte vor seinem Haus Gegenstände aus der schäumenden Wilden Sau zu bergen. Dabei ertrank er.

Dresden-Plauen, 14. August:
Auf einem Firmengelände fanden Arbeiter zwischen Treibgut und Firmenzaun eine männliche Leiche, etwa 35 Jahre alt. Der Mann ist noch nicht identifiziert. Todesursache: Ertrinken.

Köttewitz, 14. August:
Am Ufer der Müglitz entdeckten Soldaten die abgetriebene Leiche eines Mannes, Alter unbekannt. Todesursache: vermutlich Genickbruch. Der Tote ist noch nicht identifiziert.

Grimma, 14. August:
Im ersten Stock seines Hauses versuchte ein 52-jähriger Mann Mobiliar zu sichern. Dabei stürzte er vermutlich und ertrank.

Pirna,14. August:
Unmittelbar nach der Evakuierung griff sich ein Mann, 70, in der Turnhalle an die Brust und brach tot zusammen.

Dresden, 16. August:
Das Haus sollte evakuiert werden. Besitzer Holger Dietrich wollte noch schnell eine Pumpe im Keller einschalten. Nach 20 Minuten alarmierte die Frau die Feuerwehr. Rettungskräfte fanden den 58-Jährigen im Keller. Todesursache: Ertrinken.

Waldenburg, 17. August:
Auf einem Feld schwemmte die Mulde eine männliche Leiche an. Es war der vermisste 44-jährige Lutz D. Mit einem Schlauchboot und drei Freunden war er ins Katastrophengebiet gepaddelt. Das Boot kenterte. Lutz D. wurde abgetrieben, seine Freunde gerettet.

Pirna, 18. August:
Nach der Evakuierung kehrte eine 77-jährige Frau nochmals in ihre Wohnung zurück. Auf der Terrasse erlitt sie einen Schwächeanfall und starb.

Glashütte,18. August:
Bei Ausräumungsarbeiten entdeckten Arbeiter die Leiche eines 50-Jährigen Mannes. Er war von den Hochwasserfluten der Müglitz mitgerissen worden.

Dresden-Leuben, 18. August:
Zwischen Baumstämmen und Geröll bargen Feuerwehrleute die zerschundene Leiche eines 52-jährigen Mannes. Todesursache: noch nicht geklärt.

Mühlbach, 19. August:
Ein Leichenspürhund stöberte im Schotterbett der Müglitz eine weibliche Leiche auf. Die Frau, etwa 50, konnte noch nicht identifiziert werden. Die Todesursache müssen Gerichtsmediziner jetzt feststellen.

Strehla, 21. August:
Mit seinem Radlader versuchte ein 35-Jähriger Bauarbeiter, Rettungskräften zu Hilfe zu kommen. Im Hochwasser stürzte die schwere Maschine in das 2,40 Meter tiefe Loch einer weggespülten Straße. Der Mann starb im Krankenhaus an seinen schweren Kopfverletzungen.


Bulle 20 km in der reißenden Flöha

Die Brüder Marco und Heiko Ihle in Nennigmühle, Nummer 19, haben nahe am Wasser gebaut. Das betrifft nicht nur das Wohnhaus, sondern auch mehrere Stallungen für Tiere der verschiedensten Art. Die Flut vom 12. August hatte deshalb für die Tierliebhaber noch eine zusätzliche Tragik, denn vor der Rettung von Hausrat und persönlichen Sachen stand die Verantwortung für sieben Rinder, fünf Ferkel, acht Schweine, über 50 Gänse und Enten, zwei Deutsche Doggen, für Fasane, Wachteln und Kanarienvögel. Alle Tiere wurden von den Fluten bedroht und waren in heller Aufregung. Verwandte, Nachbarn und Freunde wurden alarmiert. So nahm zum Beispiel der Lengefelder Landwirt Frieder Zacher die Schweine auf, das Geflügel konnte vor dem heranbrausenden Wasser gerettet werden und die fünf Ferkel fanden in der unmittelbaren Nachbarschaft Unterschlupf. In all der Hektik konnten die Kühe und Kälber, die flussabwärts auf der Weide grasten, nicht rechtzeitig auf einen höher gelegenen Platz gebracht werden. Als Marco Ihle nach ihnen Ausschau hielt, waren sie bereits so verstört, dass kein Zureden mehr half. Drei rannten den Berg hinauf, die anderen wurden von der Flut erfasst.
In der Zwischenzeit war das Grundstück der Ihles völlig überflutet. Mühlgraben und Flöha hatten es in die Zange genommen und die Bewohner mussten um ihr eigenes Leben bangen. Erst einen Tag später war eine Rückkehr möglich.
Die Bilanz war niederschmetternd. Zwar waren fast alle Tiere gerettet worden, Haus, Garten und Stallungen glichen allerdings einem Schlachtfeld. Die Kanarienvögel hatten das Weite gesucht. Auch die Wachteln von Heiko Ihle waren nicht mehr aufzufinden. Keiner wusste etwas über das Schicksal der Rinder. In diese Situation platzten nacheinander die Meldungen über die lebend gefundenen Großtiere. Eines stand nicht weit entfernt auf dem Bahndamm. Die drei auf den Berg Geflüchteten hatten alles richtig gemacht und konnten nach Hause getrieben werden. Ein halbwüchsiger Bulle namens Stefan war in Pockau mitten auf dem überschwemmten Fußballplatz auf einer Insel gelandet und so verstört, dass er bis heute in einer fremden Herde in Pockau lebt und sich nicht einfangen lässt. Den weitesten Weg hatte allerdings dessen Zwillingsbruder zurückgelegt. Das Tier heißt Frieder und wurde fast 20 Kilometer flussabwärts in Leubsdorf von der Feuerwehr aus dem Wasser gefischt. Es kam vorerst bei einem Bauern im dortigen Pauli-Gut unter und wurde an hand der Ohrmarke identifiziert. Zwei Tage später beendete die Rückfahrt per Viehwagen die Odyssee. Nur ein Kalb überlebte die Flut nicht. (Frei nach Presseberichten)

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