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Flucht und Vertreibung - und kein Ende:
von Dr. Werner Kuchs, Kichheim unter Teck
Pressemitteilung vom 21.08.2008


Etwa 25 % der Bevölkerung Baden-Württembergs hat seine Wurzeln im Osten. Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Sudetenland und der sowjetisch besetzten Zone, später DDR, seit 1990 Beitrittsgebiet, waren ab 1944 die Regionen von Vertreibung und Flucht. Auch aus Ungarn und Rumänien mussten seinerzeit viele tausende ehemalige Deutschstämmige ihre Heimat verlassen und haben im freien Westen, wie auch hier Millionen ausgebombte Menschen in den Städten, bei "Null" angefangen und sich bedingungslos bemüht, im wahrsten Sinne des Wortes "wieder Boden unter den Füßen" zu bekommen.

Die Entscheidung der vier Siegermächte hat 1945 dazu geführt, dass im Osten unter dem Stalinismus der Kommunismus zwangsweise durchgesetzt wurde. Freiheit hier, Diktatur dort, spalteten Deutschland, Europa und die Welt bis 1989/1990.

Die Flucht von Menschen von Ost Richtung West wurde 1961 durch den Bau der Berliner Mauer und 1.400 km innerdeutscher Grenzabriegelung von der Ostsee bis in den Bayerischen Wald mit Todesstreifen, Schießbefehl und Selbstschussanlagen erschwert, aber nie ganz abgestellt. Rentner durften meist im Rahmen der so genannten Familienzusammenführung in den Westen. Etwa 35.000 politisch Gefangene hat die DDR gegen harte Devisen an die Bundesrepublik verkauft. Viele DDR-Bürger erreichten dank eines Ausreiseantrags auf der Grundlage der KSZE-Schlussakte von Helsinki ab 1975 den freien Westen, nachdem es von 1944/45 bis 1961 rund 3 Mio. Ostzonen- und Republikflüchtlinge waren.

Dabei handelte es sich zunächst vor und unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges um die Flucht vor dem Einmarsch der Sowjetarmee und dann um die Flucht vor dem Stalinismus, der Herrschaft der Kommunisten in den Städten und Dörfern mit allen Konsequenzen. Die Beseitigung selbständiger, eigenverantwortlicher Unternehmer und Bauern sowie die Staatssicherheit wurden zur wesentlichen Ursache des wirtschaftlichen, politischen wie auch gesellschaftlichen Untergangs der DDR in 1989.

Damit erlebte die Flucht in den freien Westen einen nie für möglich gehaltenen Ansturm. Inzwischen sind es seit Mitte 1989 bis heute wieder rund 3 Mio. Menschen, die das ca. 1/5 so große Beitrittsgebiet zur Bundesrepublik verloren hat. Vor allem jüngere Menschen, aktive Unternehmertypen, suchen ihre Chance in der gesamten freien westlichen Welt.

Der Menschenstrom aus den übrigen osteuropäischen Ländern, vor allem den EU-Beitrittsländern, läuft seit 1990 ganz ähnlich.

Dabei ist festzustellen, dass der Nachholbedarf am wirtschaftlichen Aufbau dort, wie im ostdeutschen Beitrittsgebiet, unverändert enorm ist. Trotz des inzwischen weit mehr als 2 Billionen DM/EUR Kapitalflusses von West nach Ost und ganz sicher auch vor allem des von Touristen erkannten Wiederaufbaus, liegt heute das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen im ostdeutschen Beitrittsgebiet bei 70 bis 80 % im Vergleich zu den alten Bundesländern. Wer soll dieses Gefälle auf Dauer finanzieren, wenn es nicht gelingt, eine unternehmerfreundliche Mentalität zu schaffen, die den Menschen im Osten eine reelle Chance einräumt?

Noch immer werden die ab 1945, vor allem auch nach DDR-Recht, geschaffenen Unrechtstatbestände, das nach LPG-Gesetz geschaffene Unrecht vom Erzgebirge bis zur Ostsee, als historisch gewachsen angesehen und werden als erhaltungswürdig geschützt, Bestandsschutz wird gewährt.

Die Folgen sind täglich sichtbar. Der Bevölkerungsrückgang, die einstige Flucht hat sich in freier Abwanderung gewandelt. Aus den einstigen Machthabern der Diktatur haben sich oligarchische Netzwerke entwickelt, die sich seit 1990 in nicht geringem Maße am einstigen Volkseigentum und dem Kapitalfluss West-Ost bereichern. Der Boden für weitere Abwanderungen der Bevölkerung hat sich, nicht zuletzt auch aufgrund der sich durch alle staatlichen Ebenen und die Medien ziehende DDR-Mentalität, gefestigt.

Die Konsequenzen dieser Entwicklung über Generationen hinaus hat der Moskauer ARD-Korrespondent, Thomas Roth, in seinem Buch "Russland" beeindruckend dargelegt. Auch die einstigen sowjetischen Satellitenstaaten, und die DDR war einer davon, leiden weiterhin unter den gleichen Machtstrukturen und Mentalitätsdefiziten.

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