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Landwirte im Nebenerwerb - Ziele, Wünsche, Verantwortung:
von Dr. Werner Kuchs, Kirchheim unter Teck
Pressemitteilung vom 21.08.2008


Das Dorf lebt, wenn die dort lebenden Menschen mit ihren Familien ein menschenwürdiges Auskommen haben. Der enorme Bevölkerungsrückgang seit 1990 in Folge von Geburtenrückgang und Abwanderung auf der einen und der große Anteil veralteter, verfallener, abbruchreifer Altbausubstanz auf der anderen Seite, belasten im Osten Deutschlands heute schon enorm große und kleine Städte, Dörfer und den gesamten ländlichen Raum. Mit Weiterentwicklung dieser Standortmerkmale werden diese Belastungen in den nächsten Jahrzehnten noch weiter zunehmen. Die finanziellen Mittel zur Sanierung oder Entsorgung der Altbausubstanz nebst den dazugehörigen Anlagen fehlen heute schon. Dieser Mangel wird sich verstärken, zumal die Entsorgungskosten, auch die des Wohnungsabbruchs, keine Rentabilität erwarten lassen, eine Kapitalrückgewinnung nicht in Sicht ist, dieses Geld vielmehr auf Dauer verschwindet.

Mehr nachhaltig rentable Arbeitsplätze sind so nicht zu erwarten. Landwirte im Nebenerwerb sind auf nachhaltig rentable Haupterwerbsarbeitsplätze außerhalb ihrer Nebenerwerbslandwirtschaft angewiesen (!), sofern eine Aufstockung zum Haupterwerb, wie immer wieder angestrebt, zumindest im Generationenwechsel nicht gelingt.

Die vor 1990 im Osten Deutschlands zwangsweise geschaffenen Großbetriebsstrukturen haben sich bisher aufgrund jährlicher Millionen Subventionen zu etwa 50 % erhalten.

Das mit den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zerstörte Dorf wurde ab 1990 zunächst zumindest zu einem Teil wieder mit Leben erweckt in der Hoffnung, dass Menschen in Freiheit ihr persönliches Umfeld positiv gestalten können.

Diese Hoffnungen haben sich als Trugschluss erwiesen und wurden oft bitter enttäuscht, während sich die einst zwangsweise geschaffene LPG-Wirtschaft dank staatlicher Förderung und Fortbestand der LPG-Mentalität auf allen staatlichen Ebenen auf Kosten der Allgemeinheit, des Steuerzahlers und der Benachteiligung der privaten Bauern im Haupt- und Nebenerwerb fortsetzt.

Diese Benachteiligungen beginnen bei der Landpacht durch die BVVG und setzt sich mit der Beratung und Förderung der LPG-Betriebe, (heute Genossenschaften, GmbHs, KGs oder Aktiengesellschaften), der staatlichen Tolerierung der von den LPGs und ihren Nachfolgern verweigerten Vermögensauseinandersetzung nach LwAnpG, obgleich diese Fördervoraussetzung war und ist, der Förderung der LPG-Betriebe trotz zu einem hohen Prozentsatz gescheiterter, rechtsunwirksamer Gesamtrechtsnachfolge im Sinne LwAnpG, dem oft unkorrekten Einsatz von ABM-Kräften bei diesen landwirtschaftlichen Großbetrieben, der Entlassung einiger Arbeitnehmer in den Wintermonaten und damit zeitweise Finanzierung mit Arbeitslosengeld aus der Kasse der Allgemeinheit, einer weit überhöhten Subventionierung aus den Kassen des Staates und der EU, letzteres vor allem bei den Direktzahlungen, fort.

Die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. In jedem Dorf und jeder Stadt, denn auch dort gibt es Landwirtschaft, lassen sich hierfür praktische Beispiele finden. Und diese sind den Menschen zunehmend bekannt und bewusst mit der Folge, dass vor allem junge Menschen in ihrer Heimat wenig Chancen sehen und abwandern, in der Mehrzahl jüngere Frauen, wie die Bevölkerungsstatistiken der Landesämter beweisen.

Bei 1,4 Kindern je Frau und der gesunkenen Frauenzahl liegt der Bevölkerungsbestand, auch wenn weitere Abwanderung nicht angenommen würde, was unrealistisch ist, in ein bis zwei Jahrzehnten bei weniger als 50 % von 1988, denn ab 1989 hat ja bekanntlich der Strom der Abwanderung begonnen.

Politische, vor allem auch agrarpolitische Verantwortung, macht es erforderlich, diese LPG-Mentalität abzustreifen, die Benachteiligung der privaten Bauern im Haupt- und Nebenerwerb zu beenden und die unverantwortliche Fortsetzung der staatlichen Finanzierung der aus DDR-Zeiten übernommenen LPG-Unrechtsbetriebe zu beenden, zumal diese die Fördervoraussetzungen gemäß Förderrichtlinien zum Großteil ab 1990/1991 nie erfüllt haben und ihre Förderung mit den Haushaltsordnungen der Länder nie vereinbar war.

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