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Gedenken an den Bau der Mauer vor 45 Jahren
Pressemitteilung vom 17.08.2006


Mit Andachten und Kranzniederlegungen erinnern Opferverbände und Politiker an die Errichtung des Bollwerks und die Opfer der deutschen Teilung.

Berlin - Mit Mahnungen gegen das Vergessen und Kranzniederlegungen haben Politiker und Opferverbände an den Bau der Mauer vor 45 Jahren erinnert. An der zentralen Gedenkstätte Bernauer Straße in Berlin legten Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie der Berliner CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger Kränze zum Gedenken an die Opfer der deutschen Teilung nieder.
Zuvor war mit einer Andacht in der Berliner Kapelle der Versöhnung im früheren Todesstreifen an menschliches Leid und Widerstand erinnert worden. Die DDR hatte am 13. August 1961 mit der Abriegelung der Grenzen zum Westteil Berlins begonnen und damit die deutsche Teilung besiegelt, die erst mehr als 28 Jahre später am 9. November 1989 mit dem Fall der Mauer zu Ende ging.

Mahnungen gegen das Vergessen
Das SPD-Präsidium erklärte, die Mauer dürfe als Sinnbild der Gewaltpolitik nicht vergessen werden, auch wenn die Spuren der Geschichte schon zum großen Teil verschwunden seien. Die Aufarbeitung der Vergangenheit sei notwendiger denn je. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Geschichte der Mauer habe gezeigt, dass Freiheit und Selbstbestimmung stärker als Gewalt und Unterdrückung seien. Die unmenschliche Mauer habe Familien auseinander gerissen und Millionen Menschen ihrer Freiheit beraubt.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) forderte, die Geschichte der DDR stärker im Schulunterricht zu behandeln. Neben dem Alltag in der DDR müssten auch die Repressalien des Staates aufgezeigt werden. Auch am Berliner Mahnmal für den Flüchtling Peter Fechter, der 1962 von DDR-Grenzern angeschlossen worden war und verblutete, sowie an den Kreuzen nahe dem Reichstag wurden die Toten mit Blumen geehrt. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) mahnte auf der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam, einem Symbol der Teilung, die Opfer der Mauer nicht aus dem Bewusstsein zu verlieren.

Sonderausstellung
In der Gedenkstätte Deutsche Teilung auf dem Gelände des früheren Grenzübergangs Marienborn-Helmstedt in Sachsen-Anhalt ist eine Sonderausstellung eröffnet worden. Unter dem Titel „Gegenansichten“ dokumentiert sie die Entwicklung der Opposition in den früheren Ostblockstaaten. Der Bogen wird dabei von den sechziger bis in die achtziger Jahre gespannt. Der Leiter der Gedenkstätte, Joachim Scherrieble, sagte, die Ausstellung erlaube einen guten Einblick in die Welten der kulturellen und politischen Alternativszenen in der Sowjetunion, in Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und der DDR.

Auf der Veranstaltung wurde auch das zehnjährige Bestehen der Gedenkstätte Deutsche Teilung gewürdigt, die sich auf dem Gelände des früheren deutsch-deutschen Grenzübergangs Marienborn-Helmstedt befindet. Seit ihrer Eröffnung besuchten mehr als 1,3 Millionen Menschen aus dem In- und Ausland die Gedenkstätte. „Das einstige Bollwerk des Grenzregimes“ habe sich zu einem Ort des Erinnerns, Trauerns, der Begegnung und der historisch-politischen Bildung entwickelt, sagte Scherrieble. Die Gedenkveranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung am Grenzdenkmal in Hötensleben. Dort ist ein 350 Meter langer Abschnitt der einstigen Sperranlagen an der DDR-Grenze erhalten.

Zentrale Gedenkstätte in Berlin gefordert
Der Forschungsverbund SED-Staat an der Berliner Freien Universität forderte eine zentrale Gedenkstätte in der Hauptstadt. „Es muss neben der Bernauer Straße einen Ort geben, der so zentral liegt, dass er für jeden Besucher gut zugänglich ist“, sagte der Projektleiter vom Forschungsverbund, Jochen Staadt. Die Mauer sei ein wichtiger Teil der Geschichte Berlins. Dies müsse durch eine zentrale Gedenkstätte im Herzen der Hauptstadt zum Ausdruck kommen.

Nach neuen Erkenntnissen des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam starben zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer 125 Menschen – weniger, als bisher angenommen. Der Verein Arbeitsgemeinschaft 13. August geht dagegen von mehr als doppelt so vielen Toten an der Berliner Mauer aus. Vereinsvorsitzende Alexandra Hildebrandt appellierte an die Politik, die Opferzahl des DDR- Grenzregimes nicht herunterzuspielen.

Die Berliner Mauer in Zahlen und Fakten
Die Berliner Mauer war mehr als 28 Jahre lang das Symbol der deutschen Teilung. Das Bollwerk umfasste eine Gesamtlänge von rund 155 Kilometern. Die innerdeutsche Grenze von der Lübecker Bucht im Norden bis zur deutsch-tschechoslowakischen Grenze bei Hof im Süden war knapp 1400 Kilometer lang.

Die Mauer durchquerte im Berliner Stadtgebiet 24 Kilometer Wasserwege und trennte auf 30 Kilometern Waldgebiet. Die Grenze unterbrach acht S-Bahnlinien, vier U-Bahn-Stränge sowie 193 Haupt- und Nebenstraßen.

Die Grenzanlagen wurden rund um die Uhr massiv gesichert. In Berlin spähten bewaffnete Soldaten von 300 Beobachtungstürmen nach „Grenzverletzern“. Die Sperranlagen hatten zuletzt meist mehr als 100 Meter Breite. Diese befestigte Grenzzone war der so genannte Todesstreifen.

Außer der vier Meter hohen Mauer aus Betonsegmenten gab es meist eine Hinterlandmauer sowie Signalzäune und Gräben, darunter auch tiefe Kfz-Sperrgräben, um ein Durchbrechen von Autos zu verhindern. Auch Scheinwerferanlagen und Hunde sollten ein Überwinden der Mauer unmöglich machen. Trotz der tödlichen Bedrohung versuchten DDR-Bürger immer wieder die Flucht in den Westen. Nach neuen Recherchen des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam starben 125 Menschen an der Berliner Mauer, weniger als bisher angenommen. Der Verein Arbeitsgemeinschaft 13. August geht dagegen von mehr als doppelt so hohen Opferzahlen aus.

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