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Kollektivierung für Niedergang verantwortlich
Proletarische Landbevölkerung als Befehlsempfänger der DDR-Bürokratie
Pressemitteilung vom 18.08.2005


Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm hat die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft als eine der wesentlichen Ursachen „für die Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft“ in großen Teilen der brandenburgischen Bevölkerung bezeichnet. Schönbohm, der sich bei seiner provokanten Äußerung auf den Fall der Tötung von neun Babys durch die eigene Mutter bezog, hatte danach keine ruhige Stunde mehr: Vor allem Parteifreunde gingen auf Distanz. „Eine verbale Entgleisung““, wetterte Eckhardt Rehberg, CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern. Der Thüringer CDU- Generalsekretär Mike Mohring bat Parteichefin Angela Merkel dringend, Schönbohm nach den Wahlen auf keinen Fall als Minister in eine CDU-geführte Bundesregierung aufzunehmen. Dabei liegt der ehemalige Bundeswehrgeneral eher richtig.

Die freien Bauern und das Bürgertum flohen in den Westen
Als die SED in den 50er Jahren die DDR-Landwirtschaft kollektivierte, verschwanden die freien Bauern und das Bürgertum der kleinen brandenburgischen Städte in Richtung Westen. Zurück blieben eine eher proletarische Landbevölkerung, die sich zum reinen Befehlsempfänger der DDR-Bürokratie entwickelte. „Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft ging der Verlust von Verantwortung einher“, sagte Schönbohm. Und fügt hinzu, das die ländlichen Räume im Osten „stärker verproletarisiert“ seien als ein eher städtisch geprägtes Bundesland wie Sachsen, wo ein Teil des Bürgertums die DDR überlebt habe.

Dumpfe Grundstimmung
In den ländlichen Gebieten Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts blieb eine eher dumpfe Grundstimmung zurück. Hunderte von brutalen Überfällen auf Ausländer und andere Minderheiten machten Schlagzeilen. In Potzlow wurde ein junger Deutscher von seinen Freunden mit einem Tritt ins Genick getötet und in eine Jauchegrube versenkt. Niemand vermisste den Toten. In Cottbus entdeckte man in einem Kühlschrank die halb verweste Leiche eines Sechsjährigen, der dort drei Jahre gelegen hatte. Eine drastische Zunahme der Brutalität in Ostdeutschland hat auch der Kriminologe Christian Pfeiffer registriert. „Schönbohm hat im Kern Recht“, sagt der Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover, der herausgefunden hat, dass im Osten dreimal mehr Kinder bis zum Alter von sechs Jahren von ihren Müttern getötet werden wie im Westen. Schon 1999 bezeichnete Pfeiffer die autoritäre Erziehung der DDR als den Hintergrund für die Zunahme ausländerfeindlicher Gewalttaten in den neuen Bundesländern.
Erschwerend kam hinzu, dass nach der Einheit aus den versprochenen blühenden Landschaften nichts geworden ist. Die Menschen verloren zu Hunderttausenden ihre Arbeit, viele zogen, in den Westen um, noch mehr leben nach etlichen erfolglosen Umschulungen und ABM-Jobs ohne Hoffnung in den Dörfern und Plattenbauten. König Alkohol regiert.

Große Gleichgültigkeit
Wo früher der SED-Staat und die ihm verbundenen Institutionen (wie Polizei und Stasi) streng über das Verhalten der Menschen wachten, herrscht heute große Gleichgültigkeit. Sie kennzeichnet nahezu sämtliche Fälle von mörderischer Brutalität, die in den vergangenen Jahren auch in Brandenburg registriert wurden. So zum Beispiel die Aktion von fünf jungen Männern, die in Dahlewitz bei Berlin einen Obdachlosen zu Tode quälten. „Ich wollte wissen, wie das ist, wenn man jemanden schlägt“, erklärte einer der Täter später. Und: Politik, Polizei und Sozialamt schalten sich in der Regel erst ein, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

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