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„Die Muslime verhöhnen unsere Werte“
Heimo Schwilk bespricht das neue Skandalbuch von Oriana Fallaci
Europa in Gefahr: Der Westen drohe vom Radikalislam unterwandert und besiegt zu werden
Pressemitteilung vom 15.08.2002


Die ganze Welt fürchtet sich vor einem Krieg der Kulturen. Oriana Fallaci nicht. Die 72-jährige italienische Star-Journalistin und Bestseller-Autorin („Brief an ein nie geborenes Kind“) ruft den Westen vielmehr zum Kreuzzug gegen den Islamismus auf, der angetreten sei, „Unsere Kultur, unsere Kunst, unsere Wissenschaft, unsere Moral, unsere Werte, unsere Freuden zu zerstören“.

Im Italien erreichte sie mit ihrer provokanten Streitschrift in wenigen Monaten eine Millionenauflage, ab 19. August liegt das im Münchener List Verlag erscheinende Buch „Die Wut und der Stolz“ (195 Seiten, 18 Euro) in deutscher Übersetzung vor. Der politisch korrekte Aufschrei der „Luxus-Zikaden“, wie Oriana Falaci die Linksintellektuellen spöttisch nennt, dürfte auch hier zu Lande programmiert sein.

Zehn Jahre lang hat die in New York lebende Schriftstellerin geschwiegen und an einem großen Romanprojekt gearbeitet – jetzt bricht es aus ihr heraus, der ganze Ekel über die westliche Dekadenz angesichts eines zu allem entschlossenen islamischen Fundamentalismus. „Aufstehen, Leute, aufstehen! Wacht auf! Gelähmt wie ihr seid, da ihr befürchtet, gegen den Strom zu schwimmen oder für Rassisten gehalten zu werden... Ihr begreift nicht oder wollt nicht begreifen, dass der Jihad gewinnen wird, wenn wir uns dem nicht entgegenstellen, wenn wir uns nicht verteidigen, wenn wir nicht kämpfen... Macht ihr euch nicht klar, dass Leute wie Usama Bin Laden sich für berechtigt halten, euch und eure Kinder zu töten, weil ihr Wein oder Bier trinkt, weil ihr keine langen Bärte oder keinen Tschador bzw. keine Burkah tragt, weil ihr ins Theater oder ins Kino geht, weil ihr Musik hört und Schlager singt, weil ihr in Diskotheken oder zu Hause tanzt, weil ihr fernseht, weil ihr Miniröcke oder Shorts tragt.“

Am 11. September wurde Falaci Augenzeuge, wie die Türme des World Trade Centers nach den beiden Flugzeug-Attentaten zu Staub zerfielen. Selbst von einem langen Krebsleiden gezeichnet, stürzte die frühere Kriegsreporterin, wie sie im Vorwort schreibt, „so wie ein Soldat, der aus dem Schützengraben auftaucht und dem Feind entgegenstürmt.“ Inzwischen wird zurückgeschossen, in Italien und Frankreich hagelte es Proteste antirassistischer Vereinigungen, die so gar Prozesse anstrengten, um das Buch verbieten zu lassen. Am 7. Oktober entscheidet ein Pariser Gericht, ob das auf Platz zwei der französischen Sachbuch-Bestenliste stehende Pamphlet weiter verkauft werden darf.

Schon die aggressive Diktion von „Die Wut und der Stolz“ sorgt für Polarisierung.

Fallaci stellt Muslime als eine bärtige Fanatikerhorde dar, die sich „wie die Ratten“ vermehrten und die kulturträchtigen Plätze der italienischen Städte verschmutzten, die Bewohner belästigen. Den Einwanderern fehle jeder Respekt vor der europäischen Kultur, ja sie verhöhnten deren Werte, weil es der Politik an Mut fehle, sie zurechtzuweisen. Oriana Fallaci, die den Nahen Osten vielfach bereist hat und als Journalistin mit Männern wie Arafat, al-Gaddafi und Khomeini zusammenkam, will sich mit dieser Missachtung nicht abfinden. Die kulturelle Identität Italiens vertrage auf Dauer keine Immigrationswelle, „mit der Menschen hereinströmen, die auf die eine oder andere Weise unsere Lebenswelt verändern wollen“.

Die Armutsflüchtlinge aus Somalia, Tunesien, Albanien, Nigeria und Pakistan sind in den Augen der früher eher linken Publizistin Parasiten, die den Italienern auf der Tasche liegen. „Welche Arbeit tun sie? Auf welche Weise decken sie den Bedarf an Arbeitskraft, die das ehemalige italienische Proletariat nicht mehr bereithält? Indem sie in der Stadt biwakieren unter dem Vorwand, ,Waren’ zu verkaufen, Drogen und Protituierte eingeschlossen? Indem sie herumlungern und unsere Denkmäler verschandeln? Indem sie sich auf Kirchenvorplätzen betrinken und ehrwürdige Damen, die auf der Straße vorbeigehen, Obszönitäten nachrufen, ihnen an den Busen grapschen nach dem Motto Ich-kenne-meine-Rechte?“ Das Rezept, das Oriana Fallaci zur Lösung der Einwanderungsfrage bereithält, unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was Rechtspopulisten wie Le Pen oder der ermordete Pim Fortuyn forderten: Die kollektive Zwangsausweisung, notfalls mit Gewalt. Es genügt, wirft sie den „feigen“ italienischen Politikern vor, die Ausländer „von bewaffneten Polizisten oder Soldaten umzingeln zu lassen ... auf Lastwagen zu laden und zu einem Flughafen oder Hafen zu bringen und in ihr Land zurückzuschicken.“ Nicht nur an dieser Stelle verdrängt die Autorin, deren Gefühle gewiss von vielen ihrer Landsleute geteilt werden, dass zu den Grundwerten der westlichen Verfassungsordnung eben auch der Schutz vor rechtlicher Willkür gehört. Zur Gewalt hat die Italienerin, die sich als Vierzehnjährige einer antifaschistischen Partisanengruppe anschloss und über Vietnam mit dem Fallschirm absprang, ein prekäres Verhältnis. Nicht nur Osama bin Laden, dem mutmaßlichen Drahtzieher der Massenmorde, droht die militante Autorin den Tod an, auch den (inzwischen geflüchteten) afghanischen Justizminister Watil Motawakil, der die grausamen Exekutionen von Frauen in Kabul zu verantworten hat, würde sie im Falle einer Wiederbegegnung sofort umbringen. Arabischen Drogendealern und Straßendieben tritt sie sozusagen im Vorbeigehen in den Unterleib, wie sie dem Leser nicht ohne Stolz mitteilt. Die Wut über die islamische Herausforderung ist jedoch nur die Kehrseite eines unbändigen Stolzes auf die europäischen Errungenschaften, die Oriana Fallaci den muslimischen Dunkelmännern entgegenhält. Man dürfe die beiden Kulturen gar nicht auf eine Stufe stellen, dekretiert die Autorin, denn was könnte die islamische Welt Namen wie Homer, Sokrates Platon, Aristoteles, Dante, Goethe, Raffael, Michelangelo oder Verdi überhaupt entgegensetzen? Auch in der Wissenschaft hätten die „Jünger Mohammeds“ nichts Vergleichbares zu bieten: Kopernikus, Galilei, Newton, Darwin, Pasteur, Einstein werden triumphierend aufgezählt: die Erfindung des Motors, der Elektrizität, des Telefons, des Radios und des Fernsehens als westliche Spitzenleistungen genannt, die „aus der Kultur der Bartträger in Rock und Turban“ niemals hätten hervorgehen können.

Die christliche Religion sei nicht nur humaner und philosophisch bedeutender, weil sie das Erbe der Antike in sich aufgenommen habe, ihre heiligen Stätten könnten auch eine ästhetische Überlegenheit gegenüber jenen des Islam beanspruchen: „Und geben wir es doch zu: Unsere Kathedralen sind schön, meiner Meinung nach schöner als die Moscheen und die Synagogen“.

Die Botschaft des zwischen Wut, Hass, Überheblichkeit und aufrichtiger Sorge irrlichternden Buches lautet: Unser kostbares europäisches Erbe ist in Gefahr, aus falsch verstandener Toleranz riskiert der Westen, vom Radikalislam unterwandert und am Ende besiegt zu werden. Was Wunder, dass die Wahl-Amerikanerin und italienische Patriotin, die eine blutbefleckte Trikolore aus dem italienischen Einigungskrieg „wie ein Juwel“ hütet, das Loblied auf den „heroischen Mut“ der Amerikaner singt, der sich in den Tagen nach dem 11. September erneut eindrucksvoll gezeigt habe. Kann es da, fragt sich der Leser, ein Zufall sein, dass der unerschrockenen Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, einen italienischen Namen trägt? Oriana Fallacis Plädoyer für die Selbstverteidigung der westlichen Welt mündet denn am Ende auch in den Aufruf an das italienische Volk, Speerspitze zu sein beim Kampf um die Festung Europa. Sie fordert „ein Italien, das seine Werte, seine Kultur, seine nationale Identität verteidigt. Ein Italien, das sich nicht von den Söhnen Allahs einschüchtern lässt. Ein Italien, das stolz auf sich ist, ein Italien, das die Hand aufs Herz legt, wenn es die Fahne grüßt, für die wir gestorben sind ... Und wehe dem, der mir dieses Italien anrührt ... der es mir raubt, wehe dem, der es besetzen will. Denn ob es Napoleons Franzosen oder Franz Josephs Österreicher oder Hitlers Deutsche oder Usama Bin Ladens Turbanträger besetzen, macht für mich keinen Unterschied. Ob die Besatzung Kanonen oder Schlauchboote benutzt, ebenfalls nicht.“

Die arabischen Länder, die mit der Kulturhegemonie der westlichen Zivilisation konfrontiert sind, möchte man der Autorin entgegenhalten, sehen sich anderen Formen der „Besatzung“ gegenüber, deren psychologische Brisanz für das Selbstwertgefühl der Muslime meist unterschätzt wird. Samuel Huntigton hat in seinem Buch „Der Kampf der Kulturen“ auf den Überlegenheitsanspruch (Superiotät) der westlichen Kultur, wie ihn Oriana Fallaci so polemisch formuliert, längst eine maßvolle Antwort gegeben: „ein weltweiter Kampf der Kulturen kann nur vermieden werden, wenn die Mächtigen dieser Welt eine globale Politik akzeptieren und aufrechterhalten, die unterschiedliche Wertvorstellungen berücksichtigt.“

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