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Dritter BSE-Fall in Sachsen
196 von 1000 Tieren müssen in Großbetrieb getötet werden
Pressemitteilung vom 16.08.2001


DW. In Sachsen ist der dritte BSE-Fall getestet worden. Ein fünf Jahre altes Tier aus einem Agrarbetrieb im Landkreis Kamenz wurde positiv getestet. Das Rind, das aus einer Herde von rund 1000 Tieren stammt, sei wegen auffälligen Verhaltens getötet worden. Danach wurde routinemäßig eine Gehirnprobe entnommen, bei der am Dienstag ein Schnelltest positiv ausgefallen ist. Die Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen bestätigte am Freitagabend den BSE-Verdacht. Nach dem schweizer Vorbild der Kohortentötung werden nunmehr 196 Rinder getötet, nämlich alle Verwandten und die des gleichen Geburtsjahrganges. In Sachsen war die erste BSE-Erkrankung im Februar im Weißeritzkreis aufgetreten. 160 Tiere wurden damals geschlachtet. Anfang Mai wurden in Chursdorf (Landkreis Mittweida) 262 Tiere nach Ausbruch der Seuche getötet. Mit dem Rind aus Kamenz steigt die Zahl bestätigter BSE-Fälle bundesweit auf 98. Das Bundeskabinett hat inzwischen einem Entwurf des 3. Gesetzes zur Änderung des Fleischhygienegesetzes zugestimmt. Es bestimmt, wie sichergestellt werden kann, dass kein infektiöses BSE-Material mit dem Fleisch gesunder Tiere in Berührung kommen kann.

Münchener Forscher entwickeln neuen, schnelleren BSE-Test
Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried haben inzwischen ein neues Verfahren entwickelt, das zum schnelleren Nachweis von BSE bei Rindern geeignet ist. Die bisher üblichen Testverfahren basieren darauf, dass das fehlgefaltete, krankhafte Prionenprotein (PrPSc) im Gegensatz zum normalen PrPC gegen das proteinabbauende Enzym Proteinnase K resistent ist. Auf diesem Unterschied beruht der heute routinemäßig bei Rindern durchgeführte BSE-Test. Die Forschergruppe unter Leitung von Jörg Tatzelt hat nun eine Methode entwickelt, die zusätzlich zur Proteinase-K–Resistenz auch die Verklumpungsneigung von PrPSc nutzt. Durch die Nutzung der beiden typischen biochemischen Eigenschaften von PrPSc ist das Verfahren weniger anfällig für Messfehler. Außerdem erlaubt der Test es, eine große Anzahl von Proben schnell zu analysieren. Ein weiterer Vorteil der neuen Methode ist die Möglichkeit, größere Mengen von Körperflüssigkeiten wie zum Beispiel Urin zu untersuchen und somit lebende Rinder auf BSE zu testen. Erst vor kurzem gelang es Wissenschaftlern der Universität Jerusalem, PrPSc im Urin von BSE-kranken Tieren und an Creutzfeldt-Jakob erkrankten Menschen nachzuweisen. Aber die Münchener Prio-nen-Forscher sind auch an Wirkstoffen für die Therapie interessiert, die die Bildung von Prionen hemmen oder deren Abbau veranlassen können. Und mit Hilfe von infizierten Zellkultursystemen konnten bereits mehrere solcher Anti-Prionen-Substanzen entdeckt werden. Überraschende Erfolgsmeldungen kommen auch aus Kalifornien. Dort behandelte der Prionenforscher Stanley Prusiner eine 20-jährige Britin, die an der neuen Variante der Creutz-feldt-Jacob-Krankheit erkrankt war, mit einem neuen Medikament. Ihr Zustand verbesserte sich deutlich. Sie könne nun wieder sprechen und ohne Hilfe gehen. Ein Sprecher des britischen Gesundheitsministeriums nannte die ersten Testergebnisse der Arznei „ermutigend“.

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