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Fachexkursion für Nebenerwerbslandwirte als Abschluss und Höhepunkt der Winterschulung 2007/2008 des AfL Mockrehna
Von Freiherr Roland von Fritsch, VDL Vizepräsident
Pressemitteilung vom 14.08.2008


Die Reise ging in den Spreewald vom 13.6. bis 15.6.2008
Dieses Jahr beteiligten sich Mitglieder des Rinderzuchtvereins Torgau an der mittlerweile traditionellen Bildungsreise der Nebenerwerbslandwirte. Es war der Abschluß der jährlichen Winterschulung. Wir starteten Freitag früh am AfL Mockrehna mit einem modernen Reisebus. Unser erstes Ziel kam schnell in Sicht. Etwa 72 Meter hoch ragen die Gebäude und Silos der DEUKA in Herzberg über den Horizont (Foto 1).



Hier konnten wir sehen, wie unsere Körnerfrüchte in riesigen Silos aufgenommen, weiterverarbeitet und veredelt werden. Es ist möglich, zur Ernte in Spitzenzeiten bis zu 2000 to Getreide täglich aufzunehmen. Beeindruckend für uns war unter anderem der computergesteuerte Leitstand. Von dort wird die Produktion der verschiedensten Futtermittel gesteuert, aber auch eine unmittelbare Kontrolle der beteiligten Transportsysteme, Mischtrommeln und Mahlwerke mittels Bildschirmen ausgeübt (Foto 2).



In zwei Schichten werden täglich entsprechend den Kundenwünschen etwa 350 to Futtermittel hergestellt, wobei diese Leistung bis 800 to gesteigert werden kann. Ungefähr 60% der Endprodukte werden als "Pellets" ausgeliefert. Um die mehlförmige Mischung in diese Form zu bringen, sind so genannte "Pelletpressen" erforderlich. Dabei wird das Produkt mit Hilfe von Dampf und verschiedener Flüssigkeiten vorkonditioniert und gelangt dann in drehende Matrizen zur Formgebung. Der dazu erforderliche Pressdruck wird mit zwei bzw. drei Pressrollen erreicht, die sich innerhalb der Matrize befinden. Die bei diesem Prozess entstehende Wärme wird durch eine sich anschließende Kühlung wieder abgeführt. Die gesamte Technik benötigt Energie, die dann u.a. monatlich etwa 80 tausend Euro Stromkosten verursacht.

Wir fuhren weiter bei strömendem Regen nach Züllsdorf zur Agrargenossenschaft, ein Betrieb mit Milchvieh- und Mutterkuhhaltung. Bewirtschaftet wurden etwa 2.100 ha Fläche, 650 Rinder, 24 AK. Der Betriebsleiter zeigte uns, wie man in typisierten Betonbauten, die zu DDR-Zeiten eigentlich für die Industrie entwickelt und gebaut wurden, erfolgreich Kühe halten kann. Mit besonderem Stolz wurden die beiden Zuchtstiere vorgeführt, wobei einer aus eigener Zucht stammt (Foto 3).





Das nächste Ziel war die Besichtigung des historischen Weinberges in Schlieben mit anschließender Weinverkostung in einem historischen und detailgetreu wieder hergerichteten Weinkeller (Foto 4).



Ein Südhang an einem kleinen Hügel, die Bezeichnung „Berg“ wirkt übertrieben; ein Weinberg, der zuerst im Mittelalter von durstigen Mönchen angelegt wurde, aber später verfiel. Als Projekt der Stadt nach der Wende anfangs zur Beschäftigung von Arbeitslosen gedacht, entwickelte sich ein rühriger Verein, der auf einer Fläche von etwa einem Hektar hervorragenden Wein kultiviert. Die bisherige Höchstmenge von 2.030 kg Trauben wurde im Jahre 2002 geerntet. Danach legte man mehr Wert auf Qualität. Davon konnten wir uns bei einer zünftigen Weinprobe im historischen Kellergewölbe überzeugen.

Weinlese und Winzerfest sind in Schlieben wieder zu einer regionalen Tradition geworden, die sich positiv auf den regionalen Tourismus auswirken.

Am Sonnabend begrüßte uns Herr Petschick als Vertreter des Landesumweltamtes Brandenburg und berichtete uns über das Biosphärenreservat Spreewald. In der Kulturlandschaft des Spreewaldes leben etwa 50.000 Menschen in 37 Dörfern und den Städten Lübbenau, Lübben und Vetschau. Der Spreewald erstreckt sich nordwestlich von Cottbus auf einer Länge von 55 Kilometern und einer Breite von maximal 15 Kilometern und berührt dabei die drei Landkreise Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße. Die Reservatsverwaltung hat ihren Sitz in Lübbenau. Zwanzig Mitarbeiter und 15 Naturwächter arbeiten hier. Im Jahre 1990 wurde der Spreewald auf einer Fläche von 480 Quadratkilometer zum "Biosphärenreservat-Spreewald" erklärt. Ein Jahr danach wurde dieser Status dann von der UNESCO bestätigt; der Spreewald wurde in vier Schutzzonen eingeteilt:

Kernzone I: ca.3 % des Biosphärenreservates bezeichnet man als Totalreservat-Urlandschaft. In dieses Gebiet darf nur zu wissenschaftlichen Zwecken eingedrungen werden.

Zone II: Diese Zone hat den Status eines Naturschutzgebietes und schirmt die Kernzone ab. Sie dient zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt. Der Artenschutz steht hier im Vordergrund. Dieser Anteil beträgt ca. 18 %. Zone-III: Die dritte Zone nimmt mit über 80% den größten Teil des Biosphärenreservats ein. Die gesamte Zone wurde zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Die traditionelle Nutzung des Spreewaldes (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gewässernutzung) sollen geschützt werden. Zone IV: wird auch als Regenerierungszone bezeichnet. Durch unsachgemäße und monostrukturierte Bewirtschaftung wurde ein Teil der ursprünglichen Kulturlandschaft geschädigt und muss wiederhergestellt werden.

So ganz nebenbei gedeihen in diesem Reservat auch die Spreewaldgurken. Etwa 40 tausend Tonnen (!) wurden 2007 im größten deutsche Gurkenanbaugebiet geerntet. Wir besichtigten die Traditionsfirma RABE-Gurken in Boblitz. Sehr informativ ist die betriebseigene Ausstellung zur historischen und modernen Produktion von Gurkenkonserven und Würzmitteln.

Beeindruckend für uns war nicht nur die Menge von 3.500 to jährlich zu verarbeitenden Gurken, sondern auch die 50 to Dill und Fenchel und die 100 to Zwiebeln, die mit in die Gläser müssen. Obwohl nach der Wende eine hohe Arbeitslosigkeit herrschte ( bis 26%) gibt es Mangel an Arbeitskräften, besonders in der Saison Juli bis September. Die polnischen Spezialisten fahren durch nach Frankreich und Spanien, wird uns berichtet.

Das Thema Marketing wurde im Gespräch mit der äußerst kompetenten RABE-Gurken-Expertin ausgiebig strapaziert, die uns übrigens in regionaltypischer mit Blaudruck verschönter Kleidung empfing (Foto 5).



Dieser Betrieb wie auch andere, mußte sich zunehmender Markenpiraterie erwehren. Nach langwierigen Mühen auch mit Hilfe der brandenburgischen Landesregierung konnte ein für die Europäische Union gültiger Markenschutz für das Spreewaldgebiet erreicht werden. Die Spreewald-Produkte müssen zu 80% aus der Region stammen bzw. erzeugt werden. Für unsere Leute aus der Dübener Heide war das eine bemerkenswerte Geschichte, denn für diese nordsächsische Region scheint der Markenname „Dübener Heide“ auch interessant. Die Gurkenprodukte konnten von uns ausgiebig getestet werden und im anschließenden Werksverkauf wurde kräftig Umsatz gemacht.

Weiter führte uns das Programm zu einem anderen Nutzer des Reservates, zu Herrn Fritz Buchan aus Raddusch (Foto 6).



Er führt einen Herdbuchzuchtbetrieb Dt. Angus mit etwa 350 Tieren auf 500 ha extensiver Haltung. Etwa ein Drittel der Herde ist ganzjährig draußen. Wie man meinen könnte, ist dies eine traditionelle Nutzung, die gemäß Klassifizierung als Reservat in der Zone III problemlos möglich sei. Herr Buchan berichtete aber von manchem Verdruß mit den Behörden. Ein eigenes Schlachthaus als wichtige Voraussetzung zur Direktvermarktung des vorzüglichen Fleisches ist vorhanden. Leider fehlt in dieser Region die Kaufkraft für hochpreisige Lebensmittel. Wir hörten auch von den schwierigen Bedingungen auf den Weideflächen wie z.B. hoher Wasserstand über Winter bis in den April, dadurch eine empfindliche Grasnarbe, auch die wenig ergiebige Heuernte auf diesen feuchten Flächen.

Weiter führte uns die Reise zur Agrar GmbH Göritz und zur zugehörigen Gärtnerei Fleißdorf, ein Marktfruchtbetrieb mit Gurkenanbau und Direktvermarktung. Zunächst wurden wir in der Bauernküche mit einem schmackhaften Mittagessen versorgt. Dann konnten wir Gurkenfelder besichtigen, die uns aus der Ferne wegen des hohen Unkrautes etwas seltsam vorkamen. Aus den Erläuterungen unseres Experten, Herrn Petschick, konnten wir schnell erkennen, hier haben wir ein hoch modernes Gurkenfeld vor uns: Gurkenpflanzen mit zweijähriger Nutzung auf ökologisch-abbaubarer Folie mit Tröpfchenbewässerung aus dünnen Schläuchen, die mit der Folie ausgebracht werden. Das Wasser kommt aus einem ca. 70 Meter tiefen Brunnen. In einem kleinen Container verborgen ist die computergesteuerte Pumpanlage, wo auch Flüssigdünger dem Wasser zugesetzt wird. Das Unkraut ist gewollt, dient als Windschutz für die Gurkenpflanzen und sorgt für ein gewisses bodennahes Mikroklima. Da es zwischen den Folienstreifen wächst, ist es kein Nährstoffkonkurrent der Gurke. Die Tröpfchenbewässerung optimiert den Wasserverbrauch auf dem Sandboden, der ja nichts speichern kann. Das sogenannte Unkraut soll durch solche Pflanzen ergänzt werden, die den natürlichen Feinden der Gurkenschädlinge günstige Lebensbedingungen bieten. Raubmilben wohnen im Unkraut und ernähren sich von Spinnmilben, welche die Gurkenpflanze schädigen. Trotz der relativ hohen Fixkosten je Hektar scheint sich das Experiment zu lohnen, weil Lohn, chemische Schädlingsbekämpfung und Düngung reduziert werden kann.

Danach besuchten wir einen Nutzpflanzen- und Kräutergarten in der Nähe einiger historischer regionaltypischer Bauernhäuser. Wohlgeordnet standen nicht nur alte Getreidepflanzen in Reih und Glied, auch Gift- und Drogenpflanzen gediehen prächtig. Die frühere Nutzung dieser Pflanzen ist oft vergessen. Nur Wenige wissen, daß die ersten Gutenberg-Bibeln auf Hanfpapier gedruckt wurden. Hier konnten die jüngeren Exkursionsteilnehmer über die Kenntnisse der Älteren staunen und die eigenen Wissenslücken beseitigen.

Zum Abschluß des Tages unternahmen wir eine abendliche Bootsfahrt durch den Spreewald, wegen des kühlen Wetters ohne Mücken (Foto 6). Vorwiegend gepflegte Häuser konnten wir vom Wasser aus bewundern. Wie der Bootsführer uns berichtete, haben viele Häuser Heizungssysteme mittels Erdwärme. Der hohe Wasserstand begünstigt den Einsatz von Flächenkollektoren. Überraschend für mich wurde die Frage nach den Sorben beantwortet: es gäbe keine mehr, sie seien längst verschwunden.

Am Sonntag begaben wir uns dann doch zu den Spuren der alten Sorben. Wir besichtigten die alte Slawenburg Raddusch. Sie steht an derselben Stelle, an der sich vor über tausend Jahren eine alte Fluchtburg der Slawen befand. Über sieben Meter hoch ragt der Wall über das Gelände und bietet eine wunderbare Aussicht über die Landschaft. Die Burg ist eine echte Besucherattraktion mit Ausstellung, Gaststätte und Burgladen. Im Ringwall geschickt verborgen wird die 10.000 jährige Kulturgeschichte der Lausitz mittels Funden der Braunkohlenarchäologie modern und anschaulich dargestellt. Die Slawenburg Raddusch nahe Lübbenau an der A15 ist ein guter Ausgangsort für Ausflüge in den traditionsreichen Spreewald und in die einzigartigen Landschaften der Lausitz, die durch den Braunkohlentagebau entstanden sind.

Eine erlebnisreiche Fahrt endete wieder in Mockrehna. Die Teilnehmer danken den Organisatoren aus dem Amt, nicht zuletzt den Gastgebern der beteiligten Betriebe und dem Land Brandenburg.

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