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Schönbohm hat Recht
Er müßte aber auch mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht gehen
Von Dieter Tanneberger
Pressemitteilung vom 11.08.2005


Jörg Schönbohm, der vormalige hohe General der Bundeswehr ist ein verdienstvoller und höchst sittlich denkender Mensch. Er war es, der die Volksarmee der DDR unaufgeregt in die Bundeswehr integrierte. Seit langem ist er im Kabinett von SPD-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck Innenminister in Potsdam. Und nun seine Äußerungen über die Ursachen von Gewalt und Werteverfall im Osten anläßlich des neunfachen Mordes an Neugeborenen in Brandenburg. Der Linkspartei kam es gerade recht. Die Wahlkämpfer der Ost-CDU sind entsetzt. Schönbohm wird nun vorgeworfen, er habe dem CDU-Wahlkampf geschadet. Aber auch ohne sein Interview hätte die CDU die Stimmen dieser Linksparteigänger nicht erhalten.
Die Proletarisierung in der DDR in einen Zusammenhang mit der Tötung von Säuglingen zu stellen war wohl ein Gefühlsausbruch. In "wilder Wehmut" stellte Schönbohm einen Kontext her zur Verrohung und Gleichgültigkeit in großen Teilen des Ostens als Folgeschäden von Jahrzehnten Diktatur. Er mag an Cottbus 2004 gedacht haben, als Eltern einen 4-Jährigen verhungern ließen; an Potzlow, wo entmenschte Jugendliche einen Altersgenossen in einen Schweinetrog beißen ließen und auf den Kopf traten bis er tot war. Aber warum ist die Kindstötung im Ost dreimal höher als im Westen, muß man den Gutmenschen Pfarrer Schorlemmer fragen, der wie immer die üblich Verdächtigen im Westen sucht.
Haben staatliche Bevormundung, Zwangskollektivierung und Enteignung mit einhergehender Entchristlichung etwa keine tiefen psychischen Spuren bis in unsere Zeit hinterlassen? Wer durch die verödeten Dörfer Ostdeutschlands fährt fühlt die Menschen- und Seelenleere ganzer Landstriche, besonders in Brandenburg.

Gezielte Verarmung als Hauptursache gesellschaftlicher Entgleisungen
Die Werte der Bürgerlichkeit haben die Kommunisten in besonderer Weise und systematisch den preußischen Stammlanden ausgetrieben. Das ostelbische Junkertum wurde ersetzt durch postkommunistische LPG-Strukturen. Hier wächst auch nichts nach, trotz oder gerade wegen jahrelanger SPD-Regierungen oder heutiger großer Koalition und trotz aller Milliarden an West-Hilfen. Die Proletarisierung, die gezielte DDR-Verarmung als Hauptursache gesellschaftlicher Entgleisungen zu benennen ist wichtig und richtig, wenn auch nicht gerade glücklich in Wahlkampfzeiten.
Die DDR wollte ein Staat der Arbeiter und Bauern sein, mit der SED in der führenden Rolle. Die Kommunisten waren es, die die bürgerliche Gesellschaft vernichtet haben. Das wollen wir doch mal festhalten! Mit ihr verschwanden bürgerliche Werte, Lebensweise, Stil und Bildung. Es verschwanden Freiheit, Individualität und nicht zuletzt demokratisches und marktwirtschaftliches Denken.

In jedem Dorf stehen bis heute gelbe Wohnblocks
Wie das Bürgertum traf es auch die freien Bauern. Auf dem Land regierte die „Arbeiterklasse“. Die „Bodenreform“ enteignete 45/49 zuerst alle Höfe über 100 Hektar, dann 1960 mit der Zwangskollektivierung auch die restliche freie Bauernschaft. Die sogenannten Maschinen-Traktoren-Stationen als Zentren der Arbeiterklasse auf dem Land, steuerten die politischen und technischen Abläufe. Privatbauern, die sich widersetzten bekamen keine Düngemittel, kein Saatgut, von Traktoren, Maschinen und Geräten ganz zu schweigen; viele wurden eingesperrt, manche nahmen sich das Leben - Zahntausende flohen über Westberlin in die Freiheit. Die großen Rittergüter wurden zu volkseigenen Gütern (VEG), in denen der Arbeiter ein „Bauer“ sein sollte. In jedem Dorf stehen bis heute gelbe Wohnblocks, mit 12 oder 24 Wohneinheiten (WE). Diese häßlichen Wohnsilos, meist am Ende der Dörfer, zeugen von der Menschenverachtung der roten Zeit. Sie gehen auf eine direkte Weisung Ulbrichts zurück, um junge Genossen in den Dörfern anzusiedeln un d die bäuerlichen Klassenfeinde zu verdrängen.

Verstaatlichung, Entmündigung, Verantwortungsverlust, Verwahrlosung und Sittenverfall
Das Proletariat im Sinne des Marxismus verstand sich als Avantgarde der sozialistischen Gesellschaft. Was heute wie ein Schimpfwort daherkommt war 40 Jahre lang eine Ehrenbezeichnung. Die Proletarisierung ging einher mit Besitzlosigkeit und Eigentumsverbot an Produktionsmitteln. Die damalige Verarmung zeigt bis heute die bekannten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen. Die Gleichmacherei ist in der Programmatik der Linkspartei, aber auch in der linken SPD immer noch beheimatet. Proletarisierung aber bedeutet am Ende Verstaatlichung, Entmündigung, Verantwortungsverlust, aber eben auch Verwahrlosung der Sitten.
Zur politischen Unterdrückung und wirtschaftliche Erfolglosigkeit gehört aber auch, daß die Proletarisierung der DDR auch zum Zerfall eines bedeutenden Teils der ostdeutschen Regionalkultur führte. Musische Bildung, Heimatverbundenheit, Folklore und Religion standen als reaktionäre Relikte des untergehenden Kapitalismus unter Verdacht. Dafür wurde die DDR-Lebensweise „kultiviert“, die noch immer gegenwärtig ist: Gleichheit als Tugend, Reichtum als Schande. Ist ein Ossi nach der Wende dennoch wohlhabend geworden, wird er beneidet und isoliert.

LPG-Betrug wie bei den russischen Oligarchen
Schönbohm nannte ausdrücklich die Kollektivierung der Landwirtschaft als eine der Ursachen der Verarmung der ländlichen Bevölkerung. Recht so. Hier müßte er aber auch mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht gehen. Gerade die CDU trägt schwer an der Verantwortung skrupellosen Betrug in vielen der 3500 LPG-Umwandlungen zugelassen, geduldet, ja gefördert zu haben. Die CDU war (außer in Brandenburg) in allen anderen der neuen Bundesländer an der Macht, dazu der LPG-hörige westdeutsche Bauernverband, der sich unter Heereman und Sonnleitner mit den Altgenossen verbrüderte. Es ging 15 Jahre lang in den ostdeutschen Dörfern zu wie bei der Bereicherung der russischen Oligarchen in den neunziger Jahren. Die alten LPG-Mitglieder wurden mit wertlosen Aktien abgespeist oder erhielten nur Bruchteile des ihnen zustehenden Vermögens. Ganze Heerscharen von Beratern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten bevölkerten die LPG-Büros. Die politischen Parteien schufen das skandalöse „Landwirtschaftsanpassungsgesetz“ als Bereicherungsgesetz für die Altgenossen. Es erzeigte sich als Verarmungsgesetz für die schwachen Mitglieder und privaten Wiedereinrichter. Die Vermögensauseinandersetzung blieb trotz vieler Novellen eine politische und rechtliche Mißgeburt. In Rußland unter Jelzin hieß es, wer reißt sich die fetten Bodenschätze und Fabriken des grundbuchlosen Zarenreiches unter die Nägel? Die Rolle der Treuhand, BVS, TLG, BVVG u.a. ist in Deutschland noch nicht erforscht. Aber schon jetzt ist feststellbar, daß aus dem horrenden früheren „Volkseigentum der DDR“ ein großes Bereicherungsprogramm für den Fiskus und die Nomenklaturkader aufgelegt worden ist. Wer weiß was da noch herauskommt. Die Korruption bei Daimler-Chrysler, VW, Deutsche Bank u. a. hätte auch niemand für möglich gehalten.

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