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Pro Kuh zwei Dollar Zuschuss täglich
Thilo Bode erklärt, warum die Einigung der Welthandelsorganisation WTO den Wahnsinn der Agrarsubventionen nicht einmal im Ansatz beendet
von Thilo Bode
Pressemitteilung vom 12.08.2004


Auf der Karibikinsel Jamaika gab es einst eine florierende kleinbäuerliche Milchwirtschaft. Heute sind die meisten Bauern ruiniert. Der Grund: In jedem jamaikanischen Lädchen stapelt sich Trockenmilch aus Europa, mit deren Preis die einheimische Landwirtschaft nicht mithalten kann. Diese Milch ist so billig, weil die europäischen Steuerzahler ihre Herstellung subventionieren. Jede Kuh in Europa wird mit zwei Dollar pro Tag bezuschußt - das ist mehr als die meisten Asiaten und Afrikaner täglich zum Leben haben. Insgesamt geben die Industrieländer mehr als 300 Milliarden Dollar im Jahr für die Unterstützung ihrer Landwirtschaft aus. Das ist mehr als die 50 ärmsten Länder der Welt zusammen als Bruttosozialprodukt erwirtschaften.

Eine gesunde Landwirtschaft ist die Voraussetzung jedweder wirtschaftlichen Entwicklung in der Dritten Welt. Die Agrarpolitik der Industrieländer verhindert diese Entwicklung. Mit Recht kritisieren die Entwicklungsländer deshalb seit Jahrzehnten die Industrieländer. Diese predigen zwar das hohe Lied der Liberalisierung und der Globalisierung, scheren sich aber in der Agrarpolitik einen Dreck um diese Prinzipien. Die gut organisierte Agrarlobby, vorneweg der Deutsche Bauern- und Raiffeisenverband, hat es noch dazu geschafft, weniger Subventionen für ihre Klientel als "Zugeständnisse" der Industrieländer zu verkaufen. Der Subventionswahnsinn ist jedoch überhaupt nicht im Interesse der Industrieländer und seiner Bürger. Einen Durchschnittshaushalt kosten die Agrarhilfen 1000 Dollar pro Jahr: Geld, mit dem zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen, aber nicht eine umweltschädliche Massenproduktion konserviert werden sollte.

Letzte Woche haben sich Industrie- und Entwicklungsländer nach langem Ringen auf Grundsätze für die Agrarverhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) geeinigt.

Diese Verhandlungen sollen endlich die Subventionen der Industrieländer merklich abbauen. Doch die Einigung betrügt die Entwicklungsländer ein weiteres Mal - und damit auch die europäischen Verbraucher. Die Industrieländer wollen zwar zukünftig von den besonders schädlichen Hilfen lassen, die die Exporte direkt verbilligen. Doch dies ist nur ein verschwindend geringer Teil der Subventionen. Das große Geld fließt weiter, es wird lediglich umgeschichtet und umbenannt. Die europäische Agrarpolitik schadet dem Allgemeinwohl noch in anderer Hinsicht. Armut in der Dritten Welt ist ein globales Sicherheitsrisiko. Eine verarmte Jugend, ohne Hoffnung auf Arbeit und Zukunft, bietet das beste Rekrutierungspotential für Terroristen. Die europäische Agrarpolitik leistet dieser Entwicklung Vorschub und ist damit selber ein Risiko. Mit Entwicklungshilfe, die gerade mal ein Sechstel der Agrarsubventionen beträgt, läßt sich der Schaden, den die Agrarpolitik der Industrieländer verursacht, nicht beheben. Die europäischen Steuerzahler und Verbraucher sollten sich diese wahnsinnige Politik nicht mehr gefallen lassen!

Thilo Bode ist Geschäftsführer der Verbraucherorganisation "foodwatch" (http://www.foodwatch.de)

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