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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Verpachtung von KIRCHENLAND
Pressemitteilung vom 08.08.2002


VDL-Präsident Dieter Tanneberger hat sich an das Landeskirchenamt Eisenach der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen gewandt und um mehr Transparenz bei der Neuverpachtung von Kirchenland gebeten. Am 30.09.2002 laufen viele der langfristig mit LPG-Nachfolgern abgeschlossenen Landpachtverträge aus. Flächenarme Wiedereinrichter (das sind nach VDL- Definition alle Bauern unter 100 Hektar LN) sind aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen dringend angewiesen, ihre Betriebe um weitere Pachtflächen aufzustocken.
Tanneberger reagierte mit dem Schreiben auf eine Beschwerde eines Landwirts aus Thüringen und legte gegenüber dem Kirchenamt dar, dass die LPG-Nachfolgebetriebe mit ihren Tausende Hektar großen Betrieben den Pacht- und Bodenmarkt in ganz Ostdeutschland beherrschen. „Dabei sollte die evangelische Kirche nicht mehr mitspielen. Erst dieser Tage sind durch den Jenaer Rechtsprofessor Beyer über 1.700 LPG-Umwandlungen als fehlerhaft bzw. unheilbar gescheitert in einem Universitätsgutachten festgestellt worden. Was zu gut deutsch heißt: LPG-Vermögen wurde an Altgenossen, sogenannte Rote Barone verschoben. Staatliche Einrichtungen wie die Treuhand/BVVG und die Ämter für Landwirtschaft unterstützten und unterstützen trotz dieser seit langem bekannten Erkenntnisse die Festigung der übernommenen DDR-Agrarstruktur, indem sie Pachtanträge von Wiedereinrichtern restriktiv behandelten und immer noch behandeln. So werden im Osten nur ca. 30% der landwirtschaftlichen Nutzflächen von Familienbetrieben bewirtschaftet.
Die Kirchen sollten den freien Bauern, ihren treuesten Kirchenmitgliedern, vorrangig Kirchenland zur Pacht anbieten, statt anonyme Gesellschaften mit gravierenden Geburtsfehlern zu stabilisieren. Die Kirche ist über die Jahrhunderte zu Grund und Boden gekommen durch Schenkungen gläubiger Bauern. Heute verpachtet die selbe Kirche diese Schenkungen vorrangig an LPG-Altkader und Atheisten“, so Tanneberger.
Und weiter: Vor die Entscheidung gestellt, wer bei mehrfacher Antragstellung den Pachtzuschlag bekommen soll, wird (nach VDL-Erfahrung zu oft) die LPG-Nachfolgegesellschaft dem privatbäuerlichen Antragsteller vorgezogen.. So teilt z.B. die Erzeuger-Genossenschaft Neumark e.G. in einem Schreiben an ihre Mitglieder mit, dass die e.G. über 4210 Hektar landwirtschaftlicher Flächen verfüge, davon 303 Hektar an Flächen aus dem Pfarrei- und Kircheneigentum.
Bereits 1992 hatte sich Privatbauer B. aus B. um einen Pachtvertrag über Kirchenflächen in Berlstedt, Hottelstedt, Neumark und Ottmannshausen erfolglos bemüht. Damals teilte das Kirchenamt mit, dass die Flächen der Pfarreien bereits seit dem 01.10.1990 an die Erzeugergemeinschaft Neumark verpachtet sind. In diesem Jahr zum 30.09. laufen nun die meisten der 12-Jährigen Pachtverträge aus. Bauer B. hatte sich deshalb am 30.06.2001 an das Kreiskirchenamt Gotha, Abt. Grundstückswesen gewandt und Pachtantrag für Flächen aus dem kirchlichen Grundbesitz gestellt. Die Kircheninspektorin hatte daraufhin die Pfarrer in den Kirchgemeinden Utzberg, Hopfgarten, Niederzimmern und Ottstedt a.B. sowie in Gaberndorf, Daasdorf a.B. und Tröbsdorf, ebenso die Pfarrherrn in den Kirchgemeinden Nohra (Ulla und Isseroda), in Krautheim und Haindorf, aber auch in Ballstedt, Ettersburg, Hottelstedt, Ottmannshausen, Ramsla und Stedten a.E. angeschrieben. Letztlich auch noch die Pfarrer in den Kirchgemeinden Schwerstedt, Neumark, Berlstedt, Vippachedelhausen und Thalborn. Auf keine dieser Anträge gab es bisher eine Antwort, geschweige denn eine Zusage. Nun eilt die Frist bis zum neuen Pachtjahr und auch die Sorge wächst bei Bauer B., wiederum nicht berücksichtigt zu werden.
Die kirchlichen Verwaltungsämter sollten bei Ablauf der bestehenden Pachtverträge mit LPG-Nachfolgern generell die Wiedereinrichter informieren und ihnen vorrangig die neue Verpachtung anbieten. Wer bereits mehrere Tausend Hektar bewirtschaftet, hat die 300 Hektar Kirchenland nicht auch noch nötig.

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