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Tanneberger: 4000 Kleinbetriebe fallen bei Tillich aus der Statistik
Agrarbericht 2006 für Sachsen wurde vorgestellt
Pressemitteilung vom 02.08.2007


Vorige Woche hat Umwelt- und Landwirtschaftsminister Stanislaw Tillich den Agrarbericht für das Jahr 2006 vorgelegt. „Die sächsische Landwirtschaft steht auf stabilen Füßen. Sie kann optimistisch den Veränderungen in der Zukunft - hin zu mehr Markt und weniger Subventionen - entgegensehen“, sagte er in Dresden.

Im Freistaat gab es im Jahr 2006 statistisch 7.117 landwirtschaftliche Unternehmen. Das sind 227 Betriebe weniger als im Vorjahr und entspricht dem Stand von 2004. Gleichzeitig aber ist die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe im Jahr 2006 um 6,8 Prozent auf derzeit 298 gestiegen. Das sind 4,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe Sachsens. Die Fläche liegt bei 23.426 Hektar und ist im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben.

Öko-Landbau
Der Minister redet sich die Welt schön: Der Freistaat bleibt das Schlusslicht beim Ökolandbau in Deutschland, so Michael Weichert, agrarpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: "In den Jahren 2003 bis 2006 wuchs die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Sachsen von 18045 auf 19215 Hektar, das ist ein Anstieg von 6,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurde der Absatz von ökologischen Lebensmitteln in Deutschland von 3,1 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro gesteigert, ein Anstieg von fast 40 Prozent."

Sein Fazit: "Der ökologische Landbau in Sachsen kann mit der dynamischen Marktentwicklung nicht mithalten. Sachsen hat in den Jahren der Koalition aus CDU und SPD sichtbar weiter an Boden verloren und bleibt das Schlusslicht beim Ökolandbau in Deutschland."

Der grüne Agrarpolitiker wünscht sich auch beim Thema der Energiepflanzen eine kritische Begleitung der Bauern. "Beim Anbau und der Nutzung der Energiepflanzen sind wir noch weit vom ökonomischen und ökologischen Optimum entfernt. Biomasse ist zu kostbar, um sie ineffizient zu nutzen."

Einzelunternehmen im Nebenerwerb
„Die Datenverfügbarkeit von Nebenerwerbsbetrieben ist äußerst gering. Die wirtschaftliche Entwicklung kann nur für 12 der insgesamt über 4.000 Betrieben dargestellt werden. Eine statistische Sicherheit ist deshalb nicht gegeben. Bei den hier abgebildeten Betrieben handelt es sich ausgehend von ihrer Flächenausstattung um relativ große Betriebe. Die Betriebsgröße eines durchschnittlichen Nebenerwerbsbetriebes in Sachsen liegt nur bei 14 ha. Auf eine weitergehende Auswertung wird insofern verzichtet“, so der Bericht.

VDL-Präsident Dieter Tanneberger kritisierte diese Aussage. Sie zeige vom Desinteresse des Ministers für die kleinbäuerliche Landwirtschaft. „Auch wenn die Durchschnittsgröße bei „nur“ 14 Hektar liege - immerhin 56.000 Hektar in über 4000 Betrieben - passen die Kleinbetriebe in Sachsen wohl nicht in das Konzept der agrarindustriellen DDR-Strukturen. Gerade ein Umweltminister sollte aber sein besonderes Augenmerk auf deren Förderung legen. Hier wird im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft weitgehend ökologisch produziert – ohne Nitrat-, Herbizid-, oder Pestizideinsatz - auch wenn diese Betriebe formal keine Öko-Betriebe sind.

Die soziale Funktion kleinbäuerlichen Wirtschaftens, der Eigenversorgung und Selbstvermarktung sollte staatlicherseits zumindest moralisch besser gewürdigt werden. Aber 4000 ehemals größere, im DDR-Jargon „mittelbäuerliche Höfe“ mit Ställen und Scheunen in ca. 5.000 Dörfern fallen in Sachsen durch die Statistik! Eine feine Verwaltung.

Und was ist mit der sozio-kulturellen Erfahrung, die auf den Höfen von Ziegen und Schafen, Schweinen und Rindern hier aufwachsenden Kindern vermittelt werden? Was ist mit den tausenden von Altenteilern, die ihre Höfe und den ländlichen Raum trotz 40-Jähriger LPG-Zwangswirtschaft ihren Nachkommen erhalten haben und die Dörfer Sachsens bis heute prägen“, fragte der Verbandspräsident.

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