• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

LPG-Lamento
Von Dieter Tannberger
Pressemitteilung vom 31.07.2008


DBV(LPG)-Verbände im Osten greinen in ihrer Presse derzeit wegen der jüngst stark gestiegenen Bodenpreise der BVVG. Dabei war doch gerade die noch von der Kohl-Administration eingesetzte „Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft der eigentliche Geburtshelfer des Fortbestehens der kommunistischen LPG-Strukturen in den neuen Bundesländern. Die flächenarmen DDR-kollektivierten Altbauern zwischen Ostsee und Erzgebirge fürchten seit nunmehr 18 Jahren die BVVG wie Teufel und Beelzebub in den biblischen Gleichnissen, da das „Treuhandderivat“ sie in ihren Erwartungen als Opfer der Zwangskollektivierung und Enteignung nicht angemessen und vorrangig an der billigen Verpachtung bzw. am subventionierten Verkauf der 1990 staatlich sanktionierten kommunistischen Enteignungen zwischen 1945/49 beteiligt hatte. Über 70% der ca. 2,5 Millionen Hektar enteigneten Landes zwischen Elbe und Oder blieben bei den LPG-Nachfolgern, die die industriemäßigen DDR-Strukturen nach der Wende mit Westtechnik und grandiosen Flächenprämien und ohne jede Obergrenzen kapitalistisch zu kultivieren wußten.

Seit Herbst 2007 haben sich die Boden- und Pachtpreise der dem Finanzminister unterstellten BVVG nun stark erhöht, teilweise um bis zu 50%. Allerdings ist das Ausgangsniveau auf ausgesprochen niedrigem Level und mit Boden- und Pachtpreisen im Westen nicht vergleichbar. So zahlten LPG-Pächter bis Mitte des Jahrzehnts an unbedarfte frühere LPG-Mitglieder, Bodenreformerben und zerstrittene Hoferben Niedrigstpreise von teilweise unter 50 € bis 80€ pro Hektar LF und teilweise sogar auch nur die Grundsteuern von unter 20 €/ha. 12 und 18-Jährige Landpachtverträge knebeln eine bildungsarme Landbevölkerung, deren Althöfe verfallen. Die LPG-Chefs und auch einige wenige clevere Wessis haben sich damit wohlig eingerichtet. Eine gigantische Subvention, die zu den staatlichen und EU-Subventionen noch hinzukommt - die Verarmung der ostdeutschen Landbevölkerung und die gewärtige Landflucht sind Indiz dafür.

Wenn nun die BVVG ihre LPG-Großpächter bei Pachtablauf zwingt, ihre seit DDR-Gedenken zwangskollektivierten Großflächen auch zu kaufen oder aber zu verlieren bzw. diese dann auf dem freien Bodenmarkt regional öffentlich ausgeschrieben werden, so sehen dies die VDL-Verbände der ostdeutschen Privatbauern als Chance, nun endlich selbst im Landerwerb zum Zuge zu kommen. Trotz gestiegener Preise ist der Landkauf im Osten immer noch ein Schnäppchen. (etwa 100 € je Bodenpunkt, d.h. 1 ha „fünfziger“ Boden kostet ca. 5000 €) – nur bisher kommt i.d.R. nur der LPG-Pächter mit Vorkaufsrecht zum Zuge.

Der früher so stolze und freie Bauernstand ist in Ostdeutschland doch noch nicht untergegangen. Zwar ist die preußische Bauernbefreiung von 1810 1989 in der Nachwendezeit der Konterrevolution der neuen Blockparteien zum Opfer gefallen. Aber Rechtsstaat und freie Marktwirtschaft haben seit 1990 auch bewirkt, daß ökonomisch solide, privathaftende und in Generationen denkende Bauernfamilien in Mitteldeutschland wieder entstanden sind - trotz offenbar illiquider LPG-Strukturen!

zurück