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Bund erwägt Dürre-Hilfen für Bauern Steuerstundungen und Pachterlaß möglich / Bis zu 80 Prozent Ernteausfall in Ostdeutschland
Pressemitteilung vom 28.07.2006


Die Bundesregierung denkt über Millionenhilfen für Landwirte nach, denen die andauernde Hitze wirtschaftliche Schäden zufügt. Man werde mit den Bundesländern über ein Paket möglicher Unterstützungen reden, um die Lage zu entschärfen, erfuhr diese Zeitung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Denkbar seien die Stundung fälliger Steuern, der Verzicht auf Säumniszuschläge, der Erlaß von Grundsteuern durch die Gemeinden, die vorzeitige Auszahlung von EU-Agrarbeihilfen, die Verschiebung der Beitragszahlungen zur landwirtschaftlichen Sozialversicherung oder ein Sonderprogramm der landwirtschaftlichen Rentenbank. Für Ostdeutschland werde der Erlaß von Pachtzahlungen durch die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) erwogen, hieß es. Die Soforthilfen könnten beginnen, sofern in der nächsten Woche eine "Katastrophe nationalen Ausmaßes" festgestellt werde. Es sei denkbar, daß der Bund wie 2003 rund 36 Millionen Euro aufbringe, ebensoviel müßten dann die Länder beisteuern.

Das Ministerium habe bei der Europäischen Kommission in Brüssel beantragt, den Aufwuchs auf stillgelegten Flächen, welche die Bauern nach EU-Recht erst von September an nutzen dürfen, bereits jetzt als Viehfutter zuzulassen. Damit reagiert das Ministerium auf eine Forderung des Deutschen Bauernverbands und die Anträge von sieben Landesbauernverbänden, vor allem aus den neuen Bundesländern.

In Ostdeutschland könnte die trockene Witterung Schäden anrichten, welche die Ausfälle im sogenannten Jahrhundertsommer 2003 noch übersteigen. Nach Angaben der Landesbauernverbänden wird in einzelnen Landkreisen bis zu 80 Prozent weniger Getreide geerntet als im Vorjahr. Das betrifft zum Beispiel im Süden Brandenburgs die Lausitz, den Spreewald oder den Landkreis Teltow-Fläming. Auch die Qualität sei stark eingeschränkt, weil der Wassermangel zur Bildung minderwertigen Korns führe, sagt ein Sprecher des Landesbauernverbands - "Im Weinbau würde man sagen: Wir haben statt Trauben nur Rosinen am Stiel."

Im Durchschnitt gingen die Erträge um 40 bis 60 Prozent zurück. Der finanzielle Schaden sei aufgrund der unklaren Preisentwicklung noch nicht zu beziffern; in Brandenburg habe er 2003 rund 140 Millionen Euro betragen. Auch Sachsens Bauern klagen über die Hitze. "Für viele ist das jetzt schon schlimmer als 2003", sagt der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands, Jörg Hilger. Im Norden würden in der Maisernte Ausfälle von bis zu 80 Prozent erwartet. Bei der Wintergerste betrügen die Einbußen 15 bis 20 Prozent, beim Winterweizen 20 bis 25 Prozent, beim Raps rund 20 Prozent, bei Roggen und Tritikale (Weizen-Roggen-Kreuzung) 15 bis 20 Prozent.

Der Viehfutterrückgang erreiche 50 Prozent und gefährde die aktuelle Versorgung ebenso wie die Fütterung im Winter. Sachsen und Brandenburg haben deshalb "Futterbörsen" im Internet eingerichtet, wo Landwirte aus weniger getroffenen Gebieten ihre Überschüsse anbieten. Die Nutzung der stillgelegten Flächen kann die Knappheit nach Meinung der Verbände nicht ausgleichen.

Besorgt zeigen sich auch die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Landwirtschaft einer der wichtigste Wirtschaftszweige ist. Gefahren bestünden nicht zuletzt für Kartoffeln und Futterrüben. Die Kartoffelbauern könnten den Nahrungsmittelkonzern Pfanni nicht wie üblich beliefern, da die Knollen zu klein seien. "Auch wenn die Preise steigen, können wir den Umsatz vom Vorjahr niemals halten", hieß es vom Bauernverband.

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