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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
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Überwachungswahn im Vertragsnaturschutz
Pressemitteilung vom 26.07.2001


VDL-Präsident Dieter Tanneberger hat den bürokratischen Wildwuchs im Vertragsnaturschutz als Verwaltungsfetischismus und Überwachungswahn bezeichnet, der die gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz bedrohe. Die verbesserte fachliche Betreuung und Beratung der Landwirte und die Regionalisierung des Vertragsnaturschutzes sei geboten, statt ein ausuferndes, immer schärfer werdendes Kontrollsystem aus Brüssel.

Die erhoffte Flexibilisierung ist ausgeblieben. Lediglich ein weiterer Mahd-Termin wurde zur Auswahl gestellt. Die Bewirtschaftungsauflagen werden auch weiterhin für 5 Jahre im Vertrag festgeschrieben. Die bürokratische Gründlichkeit hat nun auch das Gesamtpaket der Agrarumweltprogramme erfasst. Es zählt nur noch die Maxime: „Jeder Vertrag muss absolut sauber sein, den Rahmenbedingungen zu 100 % entsprechen und jeglichen Prüfungen standhalten.“

So ist die Praxis:
Ein Landwirt führt im Jahre 2001 vertragsmäßig die Mahd einer Fläche nach dem 15.07. durch, erhält aber die Bezahlung seiner Dienstleistung erst mehr als ein Jahr später. Begründung: Die Vertragslaufzeit ist vom 01.07. bis 30.06. des Folgejahres. Stimmt das landwirtschaftliche Flächenverzeichnis nicht mit dem des Kulturlandschaftsprogrammes überein, kann die Dienstleistung des Landwirtes nicht oder nicht in voller Höhe ausgezahlt werden. Auch dann nicht, wenn der Landwirt in seinem Verzeichnis die Flächen nur irrtümlich falsch eingetragen, falsch kodiert oder einfach vergessen hat. Bei der Ermittlung der Flächengröße können Hecken und Gebüsche zu größeren Problemen führen. Es stellt sich die Frage: Dürfen Flächen mit Hecken- und Gebüschstrukturen in ihrer Gesamtgröße angegeben werden, denn die Rinder weiden ja auch unter den Gebüschen? „Ziehen Sie besser großzügig ab, damit wir bei einer Prüfung keine Probleme kriegen“ ist die oft gehörte Antwort. Doppelter Nachteil für den Landwirt. Die künstlich verkleinerte Fläche führt zu geringerer Prämie und gestattet auch nur einen geringeren Viehbesatz.

Bei Hanglagen wird der Landwirt doppelt bestraft: die tatsächliche Fläche ist meist größer als im Kataster angegeben und wegen der Hanglage ohnehin schlecht zu bewirtschaften und dann sollen noch die Hecken großzügig abgezogen werden. Die Landwirte sind inzwischen so verunsichert, dass sie bei Problemflächen – das sind gerade jene kleinstrukturierten Flächen, die der Naturschutz so schätzt, lieber gleich einen großzügigen Abzug beim Flächenantrag vornehmen. Im Interesse der sauberen Akte wird die tatsächliche Fläche verkleinert und dem Landwirt seine Honorierung reduziert. Den bewirtschaftenden Landwirt hat die Verwaltung anscheinend völlig vergessen. Ihm wird nach erfolgter Prüfung möglicherweise Subventionsbetrug und somit Kürzung oder Rückforderung der auszuzahlenden Dienstleistung drohen, denn einer muss ja für die Fehler herhalten.

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