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Landleben: Grüß Gott, Kontrolle!
Eine Bäuerin (43 Jahre) erzählt... aus dem Allgäu
Aus Bauernstimme Juli/August 2006
Pressemitteilung vom 20.07.2006


Wie schön! Wir sind auch dieses Jahr wieder dabei! Nein, nicht bei denen, die eine Rückzahlung vom Finanzamt oder ähnliche schöne Dinge erwarten dürfen. Wir gehören nur zu den Auserwählten für die Betriebskontrolle bzw. zu den schwarzen Schafen. Eigentlich gehören wir schon seit 2003 dazu. Damals wurde in Bayern nämlich die digitale Flurstückserfassung flächendeckend durchgeführt. Auch vor unserer Tür standen eines Tages zwei "Abgesandte" des Landwirtschaftsamtes mit dem GPS-Rucksack. Guten Gewissens trabte Rainer mit ihnen sämtliche Grenzen ab. Nach der Auswertung stellte sich jedoch heraus, dass unsere Hoffläche, die mit einem Wiesenstück zusammen eine Flurnummer besaß, größer war als in unseren Unterlagen immer angegeben. Da es sich um ein kleines Flächenstück handelt, waren die Toleranzgrenzen natürlich schnell überschritten, und wir hatten somit zehn Jahre lang Subventionsbetrug begangen: Die Rückforderung betrug mit Zins und Zinseszins insgesamt um die 300 Euro und musste jahrweise überwiesen werden. Leise vor sich hin schimpfend tippte Rainer zehn Einzelüberweisungen zwischen sieben und etwa 40 Euro in den Computer.

Damit waren wir aufgenommen in den Kreis der Privilegierten. Klar wurde uns dies letztes Jahr, als sich ein Kontrolleur der neu eingerichteten "Zentralen Kontrollstelle" zur Betriebskontrolle anmeldete. Wir waren allerdings etwas erstaunt, dass sämtliche Grenzen noch einmal per GPS erfasst wurden. Die Angehörigen der neuen Kontrollstelle seien speziell geschult und ausgebildet worden, deshalb müsse alles noch einmal erfasst werden, wurde uns mitgeteilt. Irgendwie schien es das erste Team aber auch im Griff gehabt zu haben, denn zum Glück passte alles.

Auch die anderen Anforderungen schienen erfüllt: Die Bodenproben waren gezogen, das Merkheft zur richtigen Düngung fand sich nach einigem Suchen sauber abgeheftet in einem Ordner, alle Tiere hatten ihre Ohrmarken (was bei der hohen Verlustquote dieser gelben Plastikdinger gar nicht so selbstverständlich ist). Wir wollten schon aufatmen, als sich herausstellte, dass in der HIT-Datenbank ein Tier mehr gemeldet als tatsächlich gezählt worden war. Nach längerer Suche fanden wir ein Kalb, das knapp zwei Wochen vorher an eine Kälbervermarktungsorganisation verkauft worden war, die von uns bevollmächtigt war, auch die Abmeldung vorzunehmen. Leider hatte es dort eine Computerpanne gegeben, die niemand bemerkt hatte, so dass die Daten eines kompletten Marktes nicht an die Datenbank übermittelt worden waren.

Dummerweise wurden wir kontrolliert, bevor die Panne entdeckt wurde, denn diese Unstimmigkeit bedeutete für uns 100 Euro Abzug bei der Betriebsprämie und einen späteren Auszahlungstermin für die KuLaP-Prämie (Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm). "Es ist die Pflicht des Landwirts, auch bei Erteilung einer Vollmacht innerhalb einer Woche nachzuprüfen, ob alle Daten korrekt erfasst sind", wurden wir belehrt. Inzwischen machen wir unsere Abmeldungen wieder selbst, dann sind wir auch selbst schuld, wenn's nicht stimmt.

Ach ja, neulich geriet ein Kollege von uns in eine Verkehrskontrolle, als er unseren Viehanhänger zurückbringen wollte. Die Beamten verlangten das Hygienetagebuch des Anhängers… Bis zur diesjährigen Kontrolle müssen wir noch herausfinden, was es damit auf sich hat. Sonst gehören wir nächstes Jahr wieder dazu… - zu den schwarzen Schafen.

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