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Elektrozäune - meistens falsch geerdet
Pressemitteilung vom 28.07.2005


Eine leichte Bergtour kann ins Krankenhaus führen und schließlich im Gerichtssaal enden, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat. Ein Wanderer erstritt kürzlich vor Gericht den Anspruch auf Schmerzensgeld, nachdem er vor zwei Jahren beim Überqueren einer Weide im Werdenfelser Land von einer Kuh angegriffen worden war und in die Klinik geflogen werden musste. Ein elektrischer Weidezaun war kurz vorher entfernt worden. Tiere aus derselben Herde hatten schon früher Wanderer verletzt.

Wirkungslos trotz voller Batterie
Elektrozäune gelten heute als probates Mittel, um Weidetiere in Schach zu halten - vorausgesetzt allerdings, der Bauer hat nichts falsch gemacht. "80 Prozent der Erdungen in Deutschland, die es irgendwo an Weidezaungeräten gibt, sind katastrophal", schätzt Agraringenieur Günther Herkert, ein Spezialist für Elektrozäune. Doch ohne Erdung kann ein elektrischer Weidezaun nicht funktionieren.

Unterbrochener Stromkreislauf
Bei der Berührung eines Elektrozauns fließt Strom aus dem geladenen Draht durch den Tierkörper in den Boden. Von dort sucht er sich über so genannte Erdungsstäbe den Weg zurück in das Weidezaungerät. Die Rolle der Stäbe würde beim Bau eines Zauns häufig unterschätzt, wie Herkert oft feststellt. Fehlen sie, kann sich der Stromkreislauf nicht schließen. Die Erdungsstäbe sollten ein bis zwei Meter lang sein, möglichst feuerverzinkt und gegen Rost geschützt. Je nach Zaun empfehlen Fachleute ein bis drei solcher Stäbe, die im Boden versenkt werden müssen.

Einen Universalzaun gibt es nicht
Wie effektiv ein Zaun wirkt, hängt von weiteren Faktoren ab. Berührt zum Beispiel Gras oder anderer Bewuchs den Draht, geht dadurch Energie verloren - daraus folgt: Je mehr Kontakt der Zaun zu Gräsern hat, umso stärker sollte die "Impulsenergie" des so genannten Weidegeräts sein. Ebenso eine Rolle spielt die Länge des Zauns und für welche Tiere er gedacht ist. Als leicht zu halten gelten zum Beispiel Rinder und Pferde. Mehr Leistung ist nötig, um Schafe, Ziegen oder Wild im Zaum zu halten.

Hochspannung auf der Weide
Der Elektrozaun sollte auf seiner ganzen Länge eine Spannung von mindestens 2.000 Volt besitzt, an keiner Stelle aber mehr als 10.000 Volt. Dass diese Anforderungen erfüllt werden, dafür sorgen moderne "Elektrozaungeräte". Diese werden durch eine geeignete Energiequelle gespeist. "Es gibt prinzipiell drei Möglichkeiten", sagt Fachmann Günther Herkert. Die günstigste Variante ist eine normale 230-V-Steckdose mit Wechselstrom. Teurer kommt den Landwirt ein Zaun, der mit 12-V-Akkus betrieben wird. Der Energiepreis lässt sich allerdings langfristig durch die Anschaffung von Solarzellen senken, die den Akku an Sonnentagen speisen. Am unrentabelsten ist der Betrieb mit Einwegbatterien, die nach dem Gebrauch als Sondermüll entsorgt werden müssen. Auf jeden Fall zahlt es sich aus, vor dem Kauf einen Fachmann zu befragen.

Gefährlich für den Menschen?
Die Spannung an einem Elektrozaun kann stellenweise bis zu 10.000 Volt betragen. Die Stromstärke und die Dauer des Stromimpulses sind aber so berechnet, dass sie gesunden Menschen normalerweise nicht schaden. Trotzdem sollten gerade Kinder nicht direkt mit dem Zaun in Berührung kommen. Gefährlich kann es werden, wenn sie auf einem gut leitenden Untergrund stehen und an den Zaun fassen - auf Metall etwa oder durchnässtem Boden. Warnschilder müssen an Elektrozäunen überall dort angebracht werden, wo sie an öffentlichen Wegen entlangführen.

Quelle: br-online

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