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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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    09526 Dittmansdorf
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Den geretteten Sozialismus subventioniert
Pressemitteilung vom 25.07.2002


Zum Artikel „Ostdeutsche Landwirte fürchten Betriebsschließungen“ in der F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 8. Juli schreibt Dr. Burchard Schliephake aus Nettetal:

Hier muss man doch etwas genauer hinsehen und fragen: wer fürchtet? Die selbständigen Landwirte oder die Agrargenossenschaften um ihre herausragende Stellung. Nach der Wiedervereinigung 1990 ging es den Parteien im Osten vorgeblich um die Rettung der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze in den riesigen ostdeutschen LPGs, den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Ihre Stimmen waren damals sehr laut. In den Augen des furchtsamen Bundeskanzlers Helmut Kohl erschienen sie offensichtlich so schwerwiegend, dass man sehr nachsichtig mit ihnen umging. Aber schnell setzten sich die Realitäten durch. Die Betriebe mussten über 80 Prozent ihrer Leute entlassen. Die Ackerbau betreibenden Produktionsgenossenschaften behielten in der Regel fast nur Traktoristen und ihre leitenden, einflussreichen Köpfe. Das wirkliche Ziel – Rettung der sozialistischen Strukturen – wurde so erreicht. Umgewandelt in Agrargenossenschaften, begann für die alten neuen Herrscher ein goldenes Zeitalter: Das auf die kleinen EU-Betriebsgrößen im Westen zugeschnittene landwirtschaftliche Subventionssystem mit seinen gestützten Getreidepreisen und Flächenstillegungen kam auch den mehrere tausend Hektar großen ostdeutschen Betrieben zugute. Es bescherte ihnen reichliche, jedoch nicht erwirtschaftete Überschüsse.

War es wieder die Furcht vor der mit Destabilisierung drohenden Ostlobby, dass man diese ins Groteske mutierte Landwirtschaftspolitik jahrelang fortführte? Wenn jetzt wieder Stimmen laut werden zur Erhaltung der „florierenden“ Ost-Landwirtschaft, jenes hochsubventionierten teure Überschüsse produzierenden Systems, dann sollte Brüssel hart bleiben und nicht einknicken wie bei den Vergünstigungen beim Landkauf für ehemalige LPGs. Man sollte gut aufpassen, nicht weiterhin den geretteten Sozialismus zu subventionieren. Wohl kaum eine Aufgabe der europäischen Landwirtschaftspolitik.

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