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Tanneberger fordert Stasi-Überprüfung des DBV-Vorstandes
Angriff Schilys auf die Gauckbehörde / Helmut Kohl siegt in erster Instanz
Pressemitteilung vom 19.07.2001


Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit (BStU), Marianne Birthler, hat Ende Juni von Bundesinnenminister Schily (SPD) die Weisung erhalten, die Stasiakten über Personen der Zeitgeschichte, hier aus aktuellem Anlass die Akten über Altkanzler Helmut Kohl, nicht an Journalisten und Historiker herauszugeben. Der Klage hatte sich auch Katharina Witt angeschlossen, die ebenfalls befürchtet, es könnten Stasi-Vorgänge aus ihrer Eislaufkarriere bekannt werden. Frau Birthler setzte sich aber vorige Woche über ein Ultimatum des rechtsaufsichtführenden Innenministers hinweg und verwies auf das noch nicht rechtskräftige erstinstanzliche Urteil. Unterdessen bekommt Birthler Unterstützung von früheren Bürgerrechtlern und selbst Bundesfinanzminister Eichel (SPD) ist gegen den Maulkorberlass seines Kabinettskollegen, der die Gauckbehörde zahnlos machen würde. Das aber ist von den Prominenten der früheren Westparteien wohl parteiübergreifend so gewollt, weil aus den USA die Rosenholz-Dateien mit den Klarnamen von CDU-, SPD-, FDP- und Grünen-Politikern demnächst eintreffen und eine Staatskrise bei deren Veröffentlichung ausbrechen könnte. Sogar die CDU-Vorsitzende Angela Merkel (in der Zeit ihres Studiums an der Uni verantwortlich für Agitation und Propaganda) hat sich für ein 20-Jähriges Wegschließen der Stasiakten ausgesprochen. Gegen Schily selbst sind nun aus seiner Zeit als Rechtsanwalt und Verteidiger der RAF-Terroristen belastende Stasiakten aufgetaucht, berichtete die Welt am Sonntag.

Gerüchte müssen aufgeklärt werden
Nun hat auch Dieter Tanneberger, als Redakteur der LANDPOST, nach jetzt noch geltendem Recht, die journalistische Verwendung von BStU-Unterlagen über Personen der landwirtschaftlichen Zeitgeschichte, insbesondere über den DBV-Vorstand bei der Gauck-Behörde beantragt. Seit der Wende gibt es Gerüchte über angebliche Stasi-Verstrickungen von hochrangigen deutschen Bauernführern. Zu schnell wurden die ostdeutschen LPG-Verbände 1991 in den Deutschen Bauernverband (DBV) aufgenommen, als dass man nicht nach den Hintergründen fragen müsste. Aus Angst, die LPG-Nachfolgebetriebe könnten sich – als Konkurrenz zum DBV – eigenständig organisieren, fuhr Präsident Heereman direkt nach der Wende zur Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), deren Spitzen (ZK-Mitglied Fritz Dahlmann) er gut kannte, und fädelte den raschen Zusammenschluss zwischen DBV und LPG-Verbänden (unter Ausschluss der privatbäuerlichen VDL-Verbände) ein. So die offizielle Version des DBV. Andere Quellen sprechen jedoch von Erpressung durch die Stasi. Im Frühjahr 1990 übernahmen im thüringischen Suhl DDR-Altkader unter aktiver Mitwirkung von Heereman und Born den reichen VdgB/SED-Verband „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“.

Nach der Währungsunion verfügte der DBV-Ost über 25 Mio. DM Barvermögen plus Grundstücke und Immobilien im Wert von ca. 100 Mio. DM aus dem zentralen VdgB-Vermögen in Berlin. Das dezentrale Millionenvermögen nicht mitgerechnet. Die parteigeschulten SED-Leiter der LPG-Nachfolgebetriebe stellen mit dem DBV-Vize Frank Rentzsch (in Sachsen 3000 Hektar, 2000 Milchkühe, lt. OLG Dresden kein LPG-Rechtsnachfolger, jetzt vor der Liquidation durch den BGH - er wurde lt. Spiegel 1989 als Modrow-Nachfolger der SED-Bezirksleitung Dresden gehandelt) und Klaus Kliem ( DBV-Chef von Thüringen, musste 1997 alle Ämter in Bonn und Brüssel niederlegen, nachdem der BGH die 4500 Hektar-LPG „ADIB“ (Agrar-, Dienstleistungs,- Industrie- und Handelsgesellschaft) in Aschara in die Liquidation schickte) die schillernsten Figuren.

Wie Feuer und Wasser
Geschichte und Hintergründe der reibungslosen Integration der industriemäßig produzierenden und 1960 zwangskollektivierten DDR-Landwirtschaft in die kleinbäuerliche Agrarstruktur im Westen (zu Lasten der flächenarm gebliebenen 12.000 ostdeutschen Wiedereinrichter) können nur verstanden werden, wenn sie historisch aufgearbeitet werden. Normalerweise besteht ein Zustand von Feuer und Wasser zwischen den LPG/SED-Chefs mit Tausenden Hektar Bodenreformland (die vielfach schon in Privatbesitz der „Roten Barone“ und ihrer Clans sind) und dem kleinbäuerlich strukturierten DBV-West. Es muss Gründe geben, wieso und warum der schwarze Baron Heereman 1991 die privaten ostdeutschen Bauernverbände opferte und sich gerade mit jenen verbrüderte, die auch ihn, bei einem anderen Verlauf der Zonengrenze, von seinem adligen Grund und Boden in Westfalen enteignet, verfolgt, vertrieben oder zu Tode gebracht hätten. Die engen Verbindungen von Heereman und Born zur VdgB, die Besuche im Jagdschloss Glienicke bei Potsdam, die Übernahme des VdgB-Vermögens durch den DBV und die bis heute vermutete Positionierung der Stasi im DBV-Vorstand, müssen aufgedeckt oder aber Vermutungen hier-über für immer aus der Welt geschafft werden.

Die Roten und Klamroth
In einer Pressemitteilung des Deutschen Landbundes vom 6. Juli 1995 über die 4. Tagung des Hilfsfonds Ost hieß es damals: „In der Sitzung kam es zu einem Eklat. Mit der Mehrheit der Stimmen im Beirat durch die fünf LPG-Verbandspräsidenten aus den neuen Ländern und den Stimmen von DBV-Präsident Heereman, Generalsekretär Dr. Born und dem konsternierten BML-Vertreter Dr. Lörken, wurde ein Eilantrag des Deutschen Landbundes auf Stasi-Überprüfung der Beiratsmitglieder abgelehnt. Überraschung löste aus, dass auch der Vertreter des Landvolkverbandes Sachsen-Anhalt, Kurt-Henning Klamroth, nicht für den Antrag auf Stasi-Überprüfung stimmte. Damit erhalten Gerüchte neue Nahrung, die eine IM-Tätigkeit der ostdeutschen Verbandsfunktionäre aus ihrer Zeit als LPG-Vorsitzende bzw. VEG-Leiter und Reisekader vermuten lassen. Jeder LPG-Vorsitzende / VEG-Direktor musste beispielsweise bei Westreisen seiner Mitglieder der Stasi berichten und hatte auch als Wirtschafts- und Parteikader enge Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit zu pflegen und schriftlich Bericht zu erstatten. Einige waren auch selbst als Reisekader in das NSW privilegiert, was einen Stasi-Kontakt voraussetzte. Die SED-Nomenklatura des LPG-Vorsitzenden Frank Rentzsch, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes, brachte ihn, nach einem „Spiegel“ – Bericht 1989 sogar in die designierte Rolle als Modrow-Nachfolger und SED-Bezirkschef von Dresden.

Heute spielt Geschäftsführer Frank Rentzsch die Rolle des Lieblings-Präsidenten von Baron Heereman im Deutschen Bauernverband. Aber auch der Thüringer Bauernpräsident Dr. Klaus Kliem bzw. die Präsidentenkollegen aus den anderen neuen Ländern waren hochkarätige SED- bzw. Blockpartei-Funktionäre, die möglicherweise ihre Gründe haben, sich der Gauck-Behörde nicht zu stellen. Die Gerüchte wollen auch nicht verstummen, dass Baron Heereman selbst Opfer einer Stasi-Erpressung geworden ist und diese auch gegenwärtig noch anhält. Genährt werden diese Spekulationen durch eine 1992 ausgestrahlte Landfunksendung des damaligen Rias Berlin. Der für seine LPG-Nähe bekannte Journalist Irion interviewte den letzten VdgB-Vorsitzenden der DDR und ZK-Mitglied Fritz Dahlmann aus dem mecklenburgischen Priborn. Dessen Schilderung der Heereman-Besuche in der DDR von vor 1989 und gemeinsamer feucht-fröhlicher Jagden entbehrten nicht der Pikanterie. Dahlmann wollte sich wohl wichtig machen. Denn die Sendung lief unter dem Titel „Politiker und Bauern“. Und so weiß man spätestens seit 1989, dass die Stasi immer und bei jedem Anlass dabei war. Schon gar bei so hochkarätigen Westbesuchern wie Baron Heereman, dessen Stellvertretern im DBV-Präsidium und Dr. Born, dem damaligen persönlichen Sekretär des Präsidenten. Wenn dann nach dem Halali der Tag mit Wein, Weib und Gesang endete, so hatten die Jünger von Erich Mielke die Ton- und Filmkassetten längst gefüllt. Das Gerede über eine IM-Verstrickung der DBV-Oberen erhielt durch die Ablehnung, sich einen Gauck-Persilschein zu holen, neue Nahrung. Jeder Bedienstete im öffentlichen Dienst, jeder Abgeordnete muss sich der Berliner Behörde stellen. Warum dann nicht die Präsidenten im Ehrenamt des Deutschen Bauernverbandes? Die politische Klasse in Deutschland kann sich künftig nicht mehr herausreden, sie habe nicht gewusst, wen sie einlädt und wer an ihrer Tafel speist. So lange die Heereman und Co. nicht bereit sind zu tun, was alle anderen auch tun, solange werden die Gerüchte nicht verstummen: sie seien selber dabei gewesen. Und so wundert sich auch niemand mehr über die LPG-Politik des DBV in den neuen Ländern.“

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