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Schlechte Kartoffelernte erwartet / Erzeugerpreise fallen
Billigmarken aus der Wüste verderben den Markt
Pressemitteilung vom 21.07.2005


Seit Mai sind die Erzeugerpreise für Kartoffeln um 71 Prozent gefallen. Discounter locken mit Sonderangeboten. Sie verkaufen den Zehn-Kilo-Beutel zu Preisen, bei denen Kartoffelbauern nicht mehr mithalten können. Zehn Euro pro 100 Kilogramm loser Ware sind das unterste Kostenlimit. Derzeit liegen die Erzeugerpreise aber noch 1,25 Euro darunter. Importware aus Südeuropa und Nordafrika haben den Preisverfall beschleunigt. "Nicola aus Ägypten hat den Markt platt gemacht", klagt Bauer Rienitz in der WELT. „Mit dieser Billigmarke aus der Wüste kann man keine ordentlichen Kartoffeln produzieren." Doch die qualitativ hochwertige deutsche Ware hat gegen die Billig-Importe kaum noch eine Chance. Allein aus Ägypten waren im März rund 250 000 Tonnen Kartoffeln in die EU geliefert worden - mehr als die Hälfte direkt nach Deutschland. Die zunächst eingelagerte Ware wurde Mitte Mai als "Speisefrühkartoffeln" oder "Kartoffeln aus neuer Ernte" angeboten und dominierte den Markt. Inzwischen haben sich die Lager zwar geleert.
Aus der Sicht der deutschen Kartoffelbauern ist die Situation dennoch katastrophal - zumal sie aus einem schlechten Vorjahr mit hohen Erträgen und entsprechend niedrigen Preisen in die neue Saison gestartet waren.
"Die Lage ist sehr schlecht", so auch Christoph Hambloch von der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Pflanztermine für Frühkartoffeln mußten in diesem Jahr wegen der schlechten Witterung bis Mitte März verschoben werden. Es folgte ein kühler Mai, der Juni war trocken und heiß. Das hat das Wachstum der Knollen stark gebremst, und selbst in den künstlich beregneten Regionen wuchsen die Kartoffeln nur langsam. Insgesamt rechnet auch der Deutsche Bauernverband mit "unbefriedigenden Erträgen".
Auf einer Gesamtfläche von knapp 280 000 Hektar werden in Deutschland Kartoffeln angebaut. Auf rund einem Drittel der Fläche wachsen Stärkekartoffeln, die auch für technische Anwendungen, zum Beispiel in der Papier- oder der Pharmaindustrie verwendet werden. Kartoffeln brauchen mittelschwere Böden. Sie reagieren empfindlich auf Wassermangel. So schwankt die jährliche Erntemenge je nach Witterung zwischen zehn und 13 Mio. Tonnen. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland ist seit Jahren rückläufig und liegt derzeit bei 66,8 Kilogramm im Jahr. Es werden dabei immer weniger frische Speisekartoffeln verzehrt. Inzwischen konsumieren die Bundesbürger mehr als 50 Prozent der Kartoffeln als Pommes Frites, Chips, Röstis, Reibekuchen oder Püree.

Quelle:Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP)

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