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Die Schnecke - Albtraum jedes Gärtners
aus: www.br-online.de
Pressemitteilung vom 14.07.2005


Ihr Anblick auf einem keimenden Salatpflänzchen weckt Killerinstinkte selbst in friedfertigen Menschen: Durch ihre Gefräßigkeit macht sich die spanische Wegschnecke zum Feind wohl jeden Gärtners. Oft wird ihr Schicksal durch Schneckenkorn, Gartenschere oder Bierfalle besiegelt. Strategien gegen den Schneckenfraß gibt es viele. Doch auf ein Patentrezept warten die Gartenbesitzer bisher vergebens.

Eingeschleppt in Obstkisten
Alles begann vor etwas mehr als 20 Jahren. Damals, so vermuten die Schneckenexperten, wurden Eier der spanischen Wegschnecke in Gemüsekisten von der Iberischen Halbinsel nach Deutschland eingeschleppt. Die meisten der rund 50 in Mitteleuropa heimischen Nacktschneckenarten haben es gar nicht auf Gemüse abgesehen, sondern ernähren sich zum Beispiel von abgestorbenen Pflanzenteilen. Doch die spanische Wegschnecke ist ein Feinschmecker. Seit den 80er-Jahren hat sie sich in Deutschland rasant vermehrt und scheint inzwischen sogar einheimische Schneckenarten zu verdrängen. 200 bis 400 Eier legt eine Wegschnecke auf einmal.

Finger weg von Bier
Im Kampf gegen den nächtlichen Kahlfraß im Gemüsebeet lassen sich verzweifelte Gartler einiges einfallen. Lange bekannt ist die Vorliebe der Nacktschnecken für Bier. Doch der Schuss kann leicht nach hinten losgehen, wenn man die Schnecken durch Bierfallen zu dezimieren versucht. "Die Masse der Schnecken, die wird einfach nur angelockt, so dass wir nachher eine viel größere Schneckendichte um die Schneckenfalle haben als zuvor", warnt Thomas Schuster, der für die Regierung von Oberbayern Erwerbsgärtner berät. "Eine Schneckenfalle ist dann angebracht, wenn sie innerhalb eines Schneckenzauns aufgestellt wird."

Der richtige Mix führt zum Erfolg
Die Experten sind sich einig: Wer eine reiche Ernte ohne Schneckenfraß erreichen will, sollte mehrere Bekämpfungsmethoden kombinieren. Um das Absammeln der Tiere kommt man trotz Schneckenzaun und Abschreckungspasten nicht herum. Mehr als von Schneckenkorn halten Naturschützer von naturnahen Gärten, damit in ihnen die natürlichen Feinde der Nacktschnecken wie Igel, Spitzmaus, Erdkröte, Lauf- und Leuchtkäfer Verstecke finden. Allerdings scheint die spanische Wegschnecke Igel & Co. nicht so gut zu schmecken wie die harmlosen, einheimischen Schnecken. Nur bei indischen Laufenten stehen sie regelmäßig auf dem Speiseplan. Doch nicht jeder kann in seinem Garten Enten halten.

Ein Cocktail wie im Hustenbonbon
Seit winigen Jahren ist ein Mittel auf dem Markt, das die Schnecken mit einer Kombination von zwölf verschiedenen ätherischen Ölen vergrämen soll. Steckt man "Schneck-weg", eine Scheibe mit etwa fünf Zentimetern Durchmesser, in eine Regentonne, gibt sie die Öle im Laufe des Sommers an das Gießwasser ab. Ein ätherisches Öl allein wirke oft wie ein Lockmittel, erklärt der Erfinder des Produkts aus dem Bayerischen Wald, Josef Schwarzkopf. "Aber alle zwölf zusammen machen genau das Gegenteil." Schneckenexperten haben noch andere Anregungen parat: "Mindestens acht Tage vor der geplanten Saat sollte man an einem trockenen Tag 200 bis 300 Gramm Kalkstickstoff pro zehn Quadratmeter Beet einarbeiten", empfiehlt Oskar Kress von der Bayerischen Gartenakademie.

Was gegen Schnecken helfen soll
Schneckenzaun: Der etwa 20 Zentimeter hohe Zaun aus Edelstahl oder Kunststoff ist so abgewinkelt, dass ihn die Schnecken nicht überwinden können. Wichtig ist, dass von außen nicht einmal ein Grashalm über den Zaun wächst, den die Schnecken als "Leiter" benutzen können. Außerdem ist regelmäßiges Absammeln im Zaun notwendig.

Schneckenkorn:
Es gibt Mittel mit drei verschiedenen Wirkstoffen. Präparate mit Methiocarb, einem Nervengift, wirken sehr schnell - allerdings auch gegen Vögel, Igel und andere Gartentiere. Gängigster Wirkstoff ist Metaldehyd, das laut verschiedener Tests unschädlich gegen andere Tiere sein soll. Metaldehyd ist auch für ökologisch wirtschaftende Gärtnereien zugelassen. Doch Vorsicht: Bei Hunden kann das Mittel Gesundheitsschäden hervorrufen. Ebenfalls ziemlich harmlos ist Eisendreiphosphat. Es schädigt den Darm von Schnecken, die dann nach wenigen Tagen aufhören zu fressen. Nachteil: Man muss regelmäßig nachstreuen. "Eine große Schnecke braucht mindestens 20 Körner, um einzugehen", so Thomas Schuster. Egal welcher Wirkstoff - zumindest bei der ersten Anwendung sollte man die vorgeschriebene Körnerzahl pro Quadratmeter auszählen, um ein Gefühl für die richtige Dosierung zu bekommen.

Schneckenpaste enthält Duftstoffe, die zwar ungiftig sind, aber von Schnecken nicht überwunden werden können. Anwenden kann man sie an Beeteinfassungen oder Gartenmäuerchen.

Eierschalen, Kalk und Sägemehl haben nur einen kurzzeitigen Effekt.

Laufenten haben sich als sehr effektiv gegen Schnecken erwiesen. Allerdings müssen dazu ausreichend Platz, ein Teich und ein gegen Marder und Füchse geschützter Stall vorhanden sein. Und: Auch Laufenten können ab und zu Appetit auf knackigen Salat bekommen.

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