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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Die Spitze der Unvernunft in der Landwirtschaft
Pressemitteilung vom 18.07.2002


Die Großbetriebsstruktur im Osten Deutschlands wird zusammenbrechen, wenn im Zuge der Ost-Erweiterung der EU die hohen Subventionen nicht mehr gezahlt werden. Der den Landpostlesern bekannte Professor Dr. Walter Schaefer-Kehnert, Remagen, antwortet auf einen Artikel in der FAZ vom 18.Juni 2002 unter dem Titel „Ohne Fördergelder kein Überleben“:

„Der Artikel beleuchtet schlaglichtartig den heutigen Schwachsinn der deutschen Agrarpolitik, die das Geld der Steuerzahler mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft. Dieser Schwachsinn stammt in seinen Grundzügen schon von der bürgerlichen Vorgängerregierung, ist aber von der jetzigen rot-grünen Regierung zur sogenannten „Agrarwende“ hochstilisiert worden. Betrachtet man die Zahlen des Beispielbetriebes in Mecklenburg-Vorpommern genauer, so wird hier ein ehemals „Volkseigenes Gut“ (VEG) mit rund 4000 Hektar Land und 5000 Rindern von einem aus Westdeutschland zugezogenen Veterinär bewirtschaftet, der von den ehemals etwa 300 Belegschaftsmitgliedern 88 vom Hundert entlassen hat, wie das im Gebiet der ehemaligen DDR nach der Wende üblich war. Man stelle sich vor, die verteufelten „Junker“, denen das Land 1945 entschädigungslos weggenommen worden war, hätten bei einer rechtsstaatlich gebotenen Rückgabe ihres Landes nach der Wende ein solches „Bauernlegen“ veranstaltet.
Der Betrieb setzte 2001, als noch die D-Mark zählte, in ökologischer Wirtschaftsweise rund sechs Millionen um, wovon etwa die Hälfte, also drei Millionen DM, staatliche Fördermittel waren. Nimmt man nach Durchschnittszahlen an, dass ein Viertel des Umsatzes auf das Lohnkonto entfiel, so wurde nicht nur die gesamte Belegschaft auf Steuerzahlers Kosten durchgehalten, sondern mit gleichem Aufwand obendrein ein Luxusprodukt subventioniert, das mit weit geringeren Kosten aus Ländern, die hochwertiges Rindfleisch im Überfluss produzieren, wie zum Beispiel Argentinien, hätte bezogen werden können. Dem Schwachsinn wird noch dadurch die Krone aufgesetzt, dass Kälber, die zwangsweise in der Milchproduktion anfallen, mit „Schlachtprämien“ – beseitigt werden, damit Rindfleisch, das mit ihrer Hilfe hätte erzeugt werden können, den Markt nicht noch mehr belastet. Ihr Gegenstück sind die „Mutterkuhprämien“, mit denen die oben beschriebene Fleischrinderproduktion gefördert wird, die ohne diese Prämien unter den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas völlig unwirtschaftlich wäre. Sie funktioniert ohne Subventionen nur in Gebieten, in denen die Mutterkühe, die jährlich ja nur ein Kalb erzeugen, das ganze Jahr über auf der Weide gehalten werden können und dabei keine Winterfütterung benötigen, wie das in Süd- und Mittelamerika, den südlichen Vereinigten Staaten, Teilen Australiens und in Neuseeland möglich ist.“
Die Spitze der Unvernunft ist, dass in der Landwirtschaft der östlichen Bundesländer Betriebe mit Lohnarbeitsverfassung wie der genannte am Leben erhalten werden, die in modernen Industriestaaten, und zwar vor allem denen, die die größten Agrarexporteure auf dem Weltmarkt sind – Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland - , längst verschwunden sind. Daher ist zu erwarten, dass die jetzige Großbetriebsstruktur im Osten Deutschlands zusammenbrechen wird, wenn im Zuge der Ost-Erweiterung der EU die hohen Subventionen nicht mehr gezahlt werden können. Eine ganz anders geartete „Wende“, als die derzeit propagierte, wäre daher in der Agrarpolitik dringend geboten.

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