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„Sie nennen sich nur noch Mehrfamilienbetriebe“
Das Unreine soll verschwinden. Die schöne Bezeichnung des „Mehrfamilienbetriebes“ soll sich in die Gehirne der Brüsseler Kommissare einbrennen.
Pressemitteilung vom 14.07.2011


Der Präsident des Thüringer Bauernverbandes (TBV), Dr. Klaus Kliem hat die Katze aus dem Sack gelassen. Auch er benannte erst kürzlich in Erfurt auf einem LVB-Sommerfest die landwirtschaftlichen Großbetriebe, die LPG-Nachfolgebetriebe mit ihren tausenden Hektar, „Thüringer Mehrfamilienbetriebe“. Er reagierte mit Unverständnis auf die Pläne zur Kappung der Direktzahlungen innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Gleichfalls erklärte er, dass diese „Mehrfamilienbetriebe“ die gleichen Leistungen je Hektar wie die Inhaber kleiner Betriebe bringen und deshalb auch den gleichen Anspruch auf Vergütung hätten.

Mit dieser neuen Begriffschöpfung haben die DBV-Verbände vor, die alten Bezeichnungen für die LPG-Großbetriebe mit ihrem schlechten Ruf zu eliminieren. Brüssel soll wohl mit dieser neuen Wortschöpfung in die Irre geführt werden. Vergessen werden soll die düstere Vergangenheit in den 90er Jahren, wie die LPG-Nachfolgebetriebe die privaten Landwirte und Wiedereinrichter um ihr Inventar regelrecht beschissen haben.

Albrecht Löblein im Jahr 2007
„In den juristischen Personen, den ehemaligen LPG-Betrieben, könne aber auch schon aus einem einfachen rechtlichen Grund nicht von Mehrfamilienbetrieben gesprochen werden. In der Regel arbeitet nicht die ganze Familie in einem LPG-Nachfolgebetrieb, sondern nur eine Person aus einer Familie. Diese wiederum hat im besten Falle (so noch Landeigentümer und Mitgesellschafter) drei Rechtsverhältnisse mit dem Betrieb, nämlich ein Arbeits-, ein Pacht- und ein Kapitalverhältnis“, so Albrecht Löblein, Bundesvorsitzender des DBN. Löblein weiter: „Kein Mitarbeiter in diesen Betriebsstrukturen hat auch nur annähernd eine Verantwortung, wie sie die familienbäuerlichen Einzelunternehmer im Haupt- und Nebenerwerb zu tragen haben.“

Dieter Tanneberger im Jahr 2001
Bei der Vorruhestandsregelung von 1995/96, dem sogenannten FELEG, waren noch über 4000 LPG-Arbeiter in Sachsen z.T. in einen überdurchschnittlich gut dotierten Vorruhestand geschickt worden, während nahezu kein privater Bauer hiervon Gebrauch machen konnte. Die für Soziales im Dresdner Landwirtschaftsministerium zuständige Referentin Frau Gallasch informierte auf Anfrage, dass unter dem Begriff „Mehrfamilienbetriebe“, lt. eines internen Erlasses, nur „Gesellschaften bürgerlichen Rechts“ (GbR) und nicht juristische Personen verstanden würden. Auch im AfL Großenhain wurde einem Mitglied einer Nachfolgegesellschaft mitgeteilt, dass diese Regelung nur für Mitglieder von GbR´s gelte. Es wäre ja auch widersinnig, wenn juristische Personen zugangsberechtigt wären, weil das dann zwingend zu deren Betriebsauflösung führen müsste, so VDL-Präsident Dieter Tanneberger. Mit dieser amtlichen Klarstellung dürfte auch die Jähnichen-Begriffsverwirrung der sogenannten „Mehrfamilienbetriebe“ für beschränkt haftende LPG-Nachfolgeunternehmen vom Tisch sein. Nach dem Motto: Wer die Begriffe besetzt, bestimmt auch deren Inhalte“, hatte Jähnichen die Öffentlichkeit über den tatsächlichen Bruch in der deutschen Agrarverfassung hinwegzutäuschen versucht, der mit der Umwandlung von zwangskollektivierten „Kolchosen“ zu bürgerlichen Rechtsformen verbunden war. Dazu wurde der Begriff von den „Mehrfamilienbetrieben“ missbraucht. Das gerade die CDU daran federführend beteiligt war, macht die Sache um so tragischer.


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