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Weiterbildung ist Pflicht
Exkursion von Nebenerwerbslandwirten aus Nordsachsen
Autor: Roland Freiherr von Fritsch
Pressemitteilung vom 09.07.2009


Mittlerweile zur Tradition geworden ist die Exkursion von Nebenerwerbslandwirten aus Nordsachsen zu interessanten Betrieben als Abschluß der Winterschulung. Bauern im Nebenerwerb, darunter Mitglieder des Rinderzuchtvereins Mockrehna und Mitglieder des Verbandes der Landwirte und Grundeigentümer Sachsen (VDL) wollen auch erfahren, wie ihre Berufskollegen in anderen Regionen mit der Milchkrise umgehen.

Erstes Reiseziel war das Landgut Chursdorf bei Penig, Mitglied im Erzeugerzusammenschluss (EZZ) Muldental w.V. Unser Interesse galt der Herde Wasserbüffel (bubalus bubalis) des Betriebes. Der Chef Manfred Thiele begrüßte uns mit leckeren Proben vom Büffel – Schinken, Wurst, Käse und Milch. Ein interessant und leidenschaftlich gehaltener Vortrag über die Büffelhaltung in Deutschland, Europa und der Welt - natürlich mit Bildern - gab uns einen kleinen Einblick in die Risiken und Chancen der Wasserbüffelhaltung. Die Tiere sind nicht sehr fruchtbar. Die Trächtigkeit dauert einen Monat länger als beim Rind. Es sind keine Zwillingsgeburten bekannt. Dafür gibt es wenige Ausfälle durch Krankheiten und sie sind kälteunempfindlich. Dann konnten wir einige dieser ruhigen und gutmütigen Tiere auf der Weide besichtigen.



Stark, stur, urig und intelligent wirkten die Tiere auf uns. Der Verkaufsraum für eigene und Produkte der EZZ ermöglicht durch eine große Glasscheibe einen Blick in die Molkerei.



Der Kunde kann also dem Produzenten auf die Finger sehen. Das schafft Vertrauen. Die exzellente Produktqualität wird auch beachtet: das Testzentrum Lebensmittel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hat das Unternehmen Landgut Chursdorf mit zwei Silber-Medaillen für die hervorragende Qualität seiner Produkte ausgezeichnet. Die Zielstellung, auf teilweise nassen Weidestandorten mit vielen Bächen mit den Büffeln Gewinn zu erwirtschaften, wurde erreicht.

Weiter ging unsere Reise Richtung Chemnitz. Unmittelbar an der Anschlussstelle Glauchau-Ost zur Bundesautobahn A4 ist die Biogasanlage des Kartoffelveredlungswerkes FRIWEIKA zu sehen.



Ein Mitarbeiter der Vertriebsabteilung berichtete stolz über die Erfolgsgeschichte des ostdeutschen Unternehmens, eine der größten Anlagen dieser Art in Deutschland.





Über 20 landwirtschaftliche Betriebe aus dem Umland liefern im kontrollierten integrierten Vertragsanbau die Kartoffeln und sind auch Miteigentümer der FRIWEIKA. Beim Rundgang durch die Hallen konnten wir zuerst die Annahme- und Einlagerungstechnik zur schonenden Einlagerung der Knollen sehen. Danach folgte die moderne Wasch-, Sortier- und Fraktioniertechnik. Für uns beeindruckend die neue hochmoderne optoelektronische Sortiertechnik für die Erdäpfel. Diese werden auf schmalen Bändern in hoher Geschwindigkeit durch eine ringförmige Leuchte transportiert, rundherum optisch begutachtet und dann selektiert. Fotos waren nicht erwünscht. Außer Speisekartoffeln werden bis zu 30.000 t/Jahr Kartoffelveredlungsprodukte hergestellt. Wir konnten uns von deren Qualität und Frische überzeugen. Die anfallenden Rückstände wandern in die Biogasanlage mit 4.300 m3 Reaktorvolumen und einer max. Leistung von 500 kWh. Die produzierte Energie wird zur Strom- und Dampferzeugung genutzt und am Standort verbraucht.

Weiter ging die Reise zum Rößler-Hof nach Burkhardtsdorf bei Chemnitz, mittlerweile wieder als Familienbetrieb geführt mit eigener Direktvermarktung, Schlachthaus und eigene Hofkäserei, in der nach alter Tradition im Kupferkessel viele Käsevariationen hergestellt werden. Mit der fachkundigen Anleitung der Jungbäuerin haben wir im Wintergarten des Hofladens unseren Käse selber ansetzen können. Ein spannender Moment, wenn ein Pferdezüchter und ein Ackerbauer mit einem Tuch den Käse-Bruch aus dem Kessel heben.



Die Familie arbeitet mit 70 Milchkühen, Mastbullen, Mastschweinen auf etwa 120 ha LN. Saisonweise werden noch Masthähnchen und Gänse gehalten, die alle in der eigenen Schlachterei verarbeitet und im Hofladen vermarktet werden. Zusätzlich werden im Umland Wochenmärkte beliefert. Entscheidend für die Rentabilität des Betriebes ist allerdings die 100kW Biogasanlage des Rößler-Hofes, die durch stabile Stromerzeugung zur Zeit die Liquidität absichert.

Unser nächstes Ziel wäre die Molkerei in Prag gewesen. Leider wurden wir ohne Begründung wieder ausgeladen. Wir wollten nicht protestieren wie im März Bauern aus acht EU-Ländern in Prag gegen die Brüsseler Agrarpolitik. Die Preise für den Milchankauf verfallen auch in Tschechien, zudem erhalten die Landwirte aus den neuen EU-Ländern teilweise nur halb so viel Geld aus Brüssel wie jene aus den alten EU-Ländern und das mindestens bis 2013 – dies ist so in den Beitrittsverträgen festgelegt. Die Bauern in Tschechien, Polen, der Slowakei und weiteren neuen Mitgliedsländern halten das für falsch. Diese Meinung vertritt auch Herr Novotny, der Chef des Unternehmens Zemedelska spolecnost in Zaluzany. Er zeigte uns die moderne und großzügig angelegte Rinderzuchtanlage dieses als (geschlossene) Aktiengesellschaft organisierten Landwirtschaftsbetriebes. Dank an das Reisebüro, welches kurzfristig diese Begegnung als Ersatz zur Molkereibesichtigung arrangierte. 51 Aktionäre, die auch Beschäftigte sind, wirtschaften auf etwa 2000 ha LN. 300 Rinder der Rasse Holstein und 240 Kreuzungstiere werden in der Anlage gehalten. Die Milchproduktion sei nicht rentabel. Bei Produktionskosten von etwa 8 Kronen je Liter wird von der Molkerei etwas über 5 Kronen gezahlt. Die Verluste der Milchproduktion müssen durch Gewinne aus anderen Aktivitäten ausgeglichen werden. Mit Erfolg wurde die Rasse des Normannen-Rindes eingekreuzt, eine Zweinutzungsrasse, deren Milch reich an Fett und Proteinen ist. Die züchterischen Erfolge zeigen sich durch den höheren Anteil an verkäsbarem Protein (B-Variante des Kaseins) in der Milch. Die Molkerei zeigt großes Interesse an der Qualität der Milch, denn ihre Verwertung in der Käseherstellung ermöglicht eine Mehrproduktion von netto 3%. Auf uns beeindruckend wirkte der zweijährige Normannen-Bulle, der mit in der Herde lief, durch seine Gutmütigkeit.
Im Gespräch, welches leider nur mittels unserer tschechischen Dolmetscherin möglich war, wurde großes Interesse an der zukünftigen Entwicklung der Milchviehbetriebe in Sachsen deutlich.



Bestrebungen, alternative Einkommensquellen zu erschließen, sind auch in tschechischen Landwirtschaftsbetrieben aktuell. Biogas- und Windkraftanlagen werden in wenigen Jahren, wie bei uns in Sachsen, die betriebliche Existenz absichern.

Wir haben aber nicht nur Kühe und Kartoffeln besichtigt. Bei strahlendem Wetter spazierten wir durch die sehr schön restaurierte Prager Innenstadt und die Prager Burg. Zum Schluß ein Dank an die Mitarbeiter der Außenstelle Mockrehna des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie für die perfekte Organisation der Reise.

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