• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

Neues zur Pferdepensionshaltung
Pressemitteilung vom 14.07.2005


Umsatzsteuer. Die Finanzverwaltung (BMF) hat dem Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen auf Einzelfragen hinsichtlich der umsatzsteuerlichen Behandlung der Umsätze von Pferdepensionen geantwortet. Leider blieben Zweifelsfragen offen oder wurden einschränkend behandelt. In dem Schreiben heißt es:
Bei der Beurteilung der Einheitlichkeit der Leistung ist das Wesen des Umsatzes zu ermitteln, um festzustellen, ob der Unternehmer mehrere selbständige Hauptleistungen oder eine einheitliche Leistung erbringt. Von einer Nebenleistung ist dann auszugehen, wenn sie für den Leistungsempfänger keinen eigenen Zweck besitzt, sondern das Mittel darstellt, um die Hauptleistung unter optimalen Bedingungen in Anspruch zu nehmen. Dabei ist auf die Umstände des konkreten Einzelfalles abzustellen. Wird die Leistungserbringung tatsächlich auf mehrere Unternehmen aufgeteilt, so sind die steuerlichen Folgen für jeden Unternehmer gesondert zu prüfen.
Eine einheitliche Pferdepensionsleistung liegt demnach vor, wenn der Unternehmer dem einzelnen Leistungsempfänger ein Gesamtkonzept zum Einstellen und Betreuen von Pferden zur Verfügung stellt. Dabei ist es nicht von entscheidender Bedeutung, ob der Unternehmer (Pensionswirt) in diesem Rahmen sämtliche Leistungen erbringt (Unterstellen, Fütterung und Pflege). Insbesondere spricht es nicht gegen das Vorliegen einer Pferdepensionsleistung, wenn sich der Pensionswirt darauf beschränkt, die Pferdebox zu überlassen, Stroh bzw. Teile des Futters bereitzustellen und den Weidegang sowie die Nutzung einer Reithalle unabhängig von deren Ausstattung zu ermöglichen, und der Pferdebesitzer weitere Tätigkeiten selbst durchführt (z.B. Entmisten, Einstreu der Box, Fütterung, Pflege).
Jeweils gesondert zu beurteilende Einzelleistungen, die nicht als Pferdepensionsleistungen zu beurteilen sind, können nur vorliegen, wenn sich der Unternehmer auf die Erbringung eines Minimums an Leistungen beschränkt (z.B. bloße Überlassung der Box und des Futters bzw. bloße Nutzungsüberlassung einer Weide). In diesen Fällen gilt das Folgende:
Die dauerhafte Vermietung einer Box ist eine steuerfreie Grundstücksüberlassung.
Die Überlassung einer Sportanlage (hier: Reithalle) an einen Endverbraucher stellt unabhängig von deren Ausstattung eine einheitliche steuerpflichtige Leistung dar. In den Fällen der Zwischenvermietung ist die Leistung „Überlassung einer Reithalle“ – unabhängig davon, ob es sich um eine so genannte reine Bewegungshalle handelt – aufzuteilen in eine steuerfreie Grundstücksüberlassung und in eine steuerpflichtige Vermietung von Betriebsvorrichtungen.
Die Nutzung einer Weide stellt eine steuerfreie Grundstücksüberlassung dar.
Sofern im landwirtschaftlichen Betrieb selbst erzeugtes Futter geliefert wird, unterliegt die Lieferung bei einem pauschalierenden Landwirt der Durchschnittsatzbesteuerung, bei einem optierenden Landwirt dem Steuersatz von 7 %
Damit stellt das BMF heraus, dass zunächst zu prüfen ist, ob eine einheitliche Pferdepensionsleistung vorliegt. Sollte dies der Fall sein, können weder der ermäßigte Steuersatz noch die umsatzsteuerliche Pauschalierung angewendet werden.
Es ist jedoch möglich, Einzelleistungen zu erbringen. Beschränkt sich der Landwirt z.B. auf die Vermietung einer Box und die Lieferung von Futter, liegen eine umsatzsteuerfreie Grundstücksüberlassung sowie eine Futterlieferung vor, die gegebenenfalls unter die Pauschalierung fällt. Sobald jedoch die Überlassung einer Reithalle hinzu kommt, unterliegt die gesamte Leistung der Regelbesteuerung. Eine Aufteilung auf mehrere Unternehmer, z.B. unter Einschaltung eines Angehörigen, ist jedoch möglich. In diesem Fall sind jedoch neben steuerlichen auch weitere, z.B. sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen zu beachten.
Auf diese Rechtsgrundsätze kann sich der Landwirt auch für vor 2005 erbrachte Pferdepensionsleistungen berufen. Dies kann in Ausnahmefällen günstig sein, wenn z.B. größere Investitionen getätigt wurden.
Die steuerliche Behandlung der Zuchtpferde wird nicht berührt, d.h. die Zuchtpferdehaltung unterliegt entweder der Pauschalierung bzw. bei optierenden Betrieben dem ermäßigten Steuersatz.

Quelle: DLG-Mitteilungen 07.2005 (VDL ist Mitglied der DLG)

zurück