• Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Situationsbericht eines Landwirts aus dem VDL Oberlausitz
Pressemitteilung vom 10.07.2003


„Zum besseren Verständnis einige Schilderungen aus meinem Betrieb. Sie sind meiner Einschätzung nach auch zutreffend für die Situation in anderen von der Dürre betroffenen Betrieben:

Futtersituation
Der 1. Schnitt von 75 ha Grünland ergab eine Futtermenge von ca. 60% der üblichen Silagemenge. Beim 2. Schnitt habe ich von 47 ha ganze 8 Silo-Hänger bei einem Düngeaufwand von 80 kg N/ha geerntet. Normal wären 24-28 Wagen gewesen. Von 14 ha konnte ich den Schnitt nicht ernten, weil die Gülle auf Grund fehlenden Regens noch auf den Pflanzenteilen haftete um eine Gefahr für die Milchkühe darstellte. Weitere 16,- ha habe ich nicht geerntet, weil sich jeglicher Aufwand nicht lohnte. Die Wiesen waren versteppt.
Insgesamt stehen zur Zeit für die Winterfütterung aus den 1. und 2. Schnitt nur ca. 1/3 der erforderlichen Jahresfuttermenge an Silage zur Verfügung. Die Maisbestände sind durch die Niederschläge in der vergangenen Woche (23 mm/m²) vor dem totalen Zusammenbruch vorerst gerettet worden. Die Erntemenge wird sich nach meiner jetzigen Einschätzung zwischen 60-70% bewegen.
In weiter nördlichen Gebieten und schlechteren Böden sind die Bestände noch viel stärker geschädigt und die Verluste noch größer. Durch Zwischenfruchtbau sollen die Fehlmengen an Grundfutter verringert werden. Zusätzliche Kosten. Ich gehe dabei aus, dass trotzdem 50% des Grundfutters fehlen werden.
Alles anfallende Stroh wird geerntet. Stroh ist jedoch kein Leistungsfutter für Hochleistungsherden. Die Erträge bei Raps schätze ich auf ca. 15 dt/ha (normal 30 dt /ha) beim Getreide auf 25 dt/ha (normal 50 dt/ha) ein.
Die geernteten Getreidemengen werden gerade für die Fütterung reichen. Zum Verkauf bleibt wahrscheinlich nichts: Ausfall 25.000 bis 30.000 €.

Finanzielle Situation
Wiedereinrichter haben auf Grund dessen, dass sie ihre Betriebe von Null an aufbauen mussten in den wenigsten Fällen finanzielle Reserven. Der Milchpreis ist seit 2 Jahren auf ständiger Talfahrt und wahrscheinlich noch nicht unten angekommen. Ausfälle aus der Getreideernte und der Rückgang der Milchproduktion werden zu äußerst schwierigen finanziellen Situationen führen.
Wenn diese Regierung gewillt ist die privatbäuerlichen geführten Betriebe in den dürregeschädigten Gebieten zu erhalten, sind finanzielle Hilfen trotz leerer Staatskassen eine Fürsorgepflicht.
Die jüngsten Beschlüsse zur Agrarreform deuten darauf hin, dass die Milchbauern durch Interventionspreissenkung und Erhöhung Milchquote gerade auf leichten Böden (Wegfall der Roggenintervention) in die Knie gezwungen werden sollen. Milch ist hier aber noch die wichtigste Einnahmequelle. Er erscheint nur wichtig, dass an diesen Punkt massiv protestiert wird.

Arbeitslose fallen der Staatskasse zur Last
Mir ist bekannt, dass der benachbarte Großbetrieb bereits jetzt massiv Kündigungen für den Herbst ausgeschrieben hat. Diese Arbeitslosen fallen der Staatskasse zur Last. Der Gegensatz dazu die Wiedereinrichter. Sie sind Unternehmer und können sich nicht selbst entlassen. Sie entlasten damit aber die Staatskasse.“


Kommentar zum Situationsbericht
Das ist auch der Widerspruch und der gravierende Unterschied zwischen vollhaftenden privaten Bauern, Einzelunternehmen und GbR und den nur beschränkt haftenden Agrar-Gesellschaften in Gestalt juristischer Personen mit ihren abhängigbeschäftigten Angestellten und Landarbeitern. Regelmäßig sind diese zwar auch kleine Gesellschafter mit geringer Kapitalausstattung und Verpächter, aber eben keine Unternehmer. Und darauf kommt es an!

Verwirrung der Begriffe
Eine Gleichsetzung zwischen Einzellandwirten und sogenannten Mehrfamilienbetrieben ist unzulässig. Gerne wird von interessierten Kreisen, wie Bauernverband, LPG-Lobbyisten und Abgeordneten quer aller Couleur, der Öffentlichkeit ein sprachlicher Duktus aufgezwungen, der eine Verwirrung der Begriffe anstrebt. Immer nach dem Motto: Wer den Terminus bestimmt, wird auch bald das öffentliche Meinungsbild beherrschen.

VDL mit schönen linguistischen Erfolgen
Zum Glück hat die Öffentlichkeitsarbeit des VDL auch schon schöne linguistische Erfolge aufzuweisen. So die von Dieter Tanneberger in der LANDPOST geprägten und u.a. von Spiegel und FAZ übernommenen Begriffe „Rote Barone“ und „Vermögensverschiebung“. Auch der „LPG-Erlass“ von Minister Flath vom 1. März, den die BAUERNZEITUNG jüngst übernommen hat, gehört ebenfalls in diese Schöpfung.

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