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Aminosäuren können Tiermehl ersetzen
Sichere Alternative spart Futtermittel und senkt die Stickstoffbelastung
Von Uta Müller
Pressemitteilung vom 05.07.2001


Das umstrittenste aller Futtermittel bei der Ernährung von Nutztieren ist aus heutiger Sicht vollständig austauschbar gegen ungefährliche Alternativen. Tiermehl, vermutlich Auslöser der BSE-Krise und somit auch der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen, lässt sich sicher und trotzdem günstig ersetzen: Durch die Zufütterung von industriell hergestellten Aminosäuren. Seit 1994 gilt in der EU ein unbefristetes Verbot für Tiermehlverfütterung an Wiederkäuer wie Rinder. Ende letzten Jahres war das Verbot auch auf Schweine und Geflügel ausgeweitet worden. Nach Beschluss der EU-Agrarminister wird das bisher bestehende umfassende Verfütterungsverbot zwar verlängert, einzelne EU-Staaten könnten aber wieder mit der Verfütterung beginnen, wenn die EU-Kommission ihnen Unbedenklichkeit für ihr Tiermehl bescheinigt. Die gestellten Auflagen sind zwar hoch, bergen jedoch ein Restrisiko. Die deutsche Verbraucherschutzministerin Renate Künast warnte kürzlich, der EU-Beschluss könne zu einer Verunsicherung der Verbraucher führen. Und das ohne Not, denn Aminosäuren wären eine sichere Alternative. Aminosäuren sind die Bausteine der Eiweißstoffe, die mit mehr als 20 Prozent des Feuchtgewichtes den bedeutendsten Anteil organischer Großmoleküle im Körper ausmachen. Dabei kann ein Protein aus Hunderten von Aminosäuren bestehen, ausgehend von einem Bausatz mit 20 verschiedenen Aminosäuren, der vom Einzeller bis zum Menschen zum Aufbau der Proteine dient. Diese sind im Körper überall zu finden. Dem Bindegewebe verleihen sie Festigkeit, im Muskel sorgen sie für Bewegung, und als Hormone wie auch Enzyme sorgen sie für das reibungslose Funktionieren des Stoffwechsels. Acht der 20 Aminosäuren kann der Organismus nicht selbst herstellen. Ohne diese essenziellen Aminosäuren kommt die gesamte Eiweißproduktion zum Stillstand. Aus diesem Grund müssen sie auch ausreichend in der Tierernährung vorhanden sein. Dabei braucht jede Tierart eine andere Zusammensetzung des Futters. So kommt bei Schweinen der Proteinaufbau beispielsweise zum Stillstand, wenn die Aminosäure Lysin verbraucht ist, bei Hühnern ist es Methionin. (...) Tatsächlich lässt sich durch zugesetzte Aminosäuren die so genannte biologische Wertigkeit einer natürlichen Proteinquelle wie zum Beispiel Sojaschrot oder Getreidemischungen erhöhen. So kann ein Mangel an bestimmten Aminosäuren gezielt ausgeglichen werden. Auch die Futterverwertung wird auf diese Weise verbessert: Statt fünf Kilogramm Futter für den Aufbau von einem Kilogramm Fleisch zu verwenden, sind jetzt nur drei Kilogramm notwendig.

Die bessere Futterverwertung hat aber nicht nur den Vorteil der Kostenersparnis. Aminosäurenhersteller Degussa weist besonders auf die geringere Stickstoffbelastung hin. Durch bessere Futterverwertung lässt sich der Proteingehalt des Futters absenken und damit auch die Stickstoffausscheidung der Tiere. Denn jede Aminosäure, die nicht verbaut wird, muss vom Körper als Harnstoff „entsorgt“ werden. Dabei entstehen die Stickstoffverbindungen Ammoniak und Nitrat. Mit weniger Stickstoff in der Gülle reduziert sich auch die Nitratbelastung des Grundwassers um bis zu 40 Prozent. Diesen Vorteil der Aminosäurenzufütterung sieht auch Sabine Kruse vom Landwirtschaftsministerium: „Wenn Deutschland die zulässigen Stickstoffemissionen stärker begrenzt, als es derzeit der Fall ist, wird ein verstärkter Aminosäureneinsatz zu überdenken sein.“

Der Einsatz von Aminosäuren schont außerdem die immer knapper werdenden Ressourcen. Denn Futtermittel, die regional angebaut werden wie Erbsen- oder Ackerbohnenmischungen, können vor Ort besser genutzt werden, was den Importbedarf reduziert. Europaweit werden jährlich eine Million Tonnen Fischmehl für die Tierernährung eingesetzt. Das entspricht fünf Millionen Tonnen Frischfisch. Mit allein einem Kilogramm Methionin ließen sich 54 Kilogramm Fischmehl einsparen. Auch importiertes Sojaextraktionsschrot lässt sich durch Aminosäuren ersetzen: Mit einem Kilogramm Lysin lassen sich 35 Kilogramm Sojaschrot einsparen.

Die bedeutendsten Aminosäuren für die Tierernährung – Methionin, Lysin und Threonin – werden derzeit durch chemische Synthese oder fermentative Verfahren mit Hilfe von Bakterien hergestellt. Eventuelle gesundheitliche Bedenken der Verbraucher kann Kruse zerstreuen: „Uns sind bisher keine negativen Wirkungen auf den Menschen bekannt.“ Auch Artur Müller von Degussa weist darauf hin, dass der Zusatz von Aminosäuren den Vorteil eines fest definierten Proteins ohne Risiko liefert und Aminosäuren als Futtermittel weltweit frei zugelassen sind. (...)

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