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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Erste Schritte vollzogen
Von Maria Heubach, Bäuerin im Allgäu und Bundesvorsitzende der AbL
Pressemitteilung vom 05.07.2001


Mit schön klingenden Namen wie „Wiesenhof“ oder „Alpenmilch“ werden die Nahrungsmittel in den Supermärkten beworben. Da ist die Rede von „saftigen Weiden und glücklichen Kühen und von „der vollen Kraft der Natur“. Nicht umsonst! Denn mit diesen Namen und Sätzen wird den Menschen die Herkunft suggeriert, die sie sich für diese Produkte wünschen. Mit der BSE-Krise kam die landwirtschaftliche Produktion wieder einmal in die Diskussion und die Bevölkerung hat klar geäußert, was für eine Landwirtschaft sie sich wünscht. Grund genug für Bundeskanzler Schröder, durch einen MinisterInnenwechsel die erste Tür für eine Agrarwende zu öffnen. Doch die Agrarlobby hat mobil gemacht: „Das Fass der Agenda 2000 sollte nicht wieder aufgemacht werden.“ „Prämienkürzungen können nicht hingenommen werden.“ „Diese Groß-Klein-Diskussion werden wir nicht führen!“ So oder ähnlich lauten die Parolen, die zum Thema Modulation übers Land getragen werden.

Von der Agrarlobby ist kein Wort davon zu hören, dass jede Mark, die bei den Ausgleichszahlungen gekürzt werden, kofinanziert werden muss und diese aufgestockten Mittel der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum zu Gute kommen. Es soll eine Umverteilung stattfinden, um soziale Ungleichgewichte wenigstens in ersten Ansätzen auszugleichen. So jedenfalls sieht es die Agenda 2000 vor. Also keine Rede davon, das „Fass noch einmal zu öffnen – es geht lediglich darum die Möglichkeiten der Agenda auszuschöpfen. Die soziale Schieflage lässt sich schon seit Jahren dem Steuerzahler nicht mehr erklären. Unverständlich warum im durchrationalisierten Grossbetrieb die Arbeitsstunde mit 165 DM gefördert wird und im kleineren Gemischtbetrieb gerade mal mit 5 DM. Es gibt auch starke regionale Unterschiede, die durch diese einseitige Förderung der Landwirtschaft entstanden sind. In vielen Grünlandregionen wie z.B. dem Allgäu, wo überwiegend Milchviehbetriebe wirtschaften, sind keine oder allenfalls in sehr geringem Maße Prämien geflossen. Aber gerade der Futterbau ist in Deutschland noch bei 57,5 % der Haupterwerbsbetriebe die wirtschaftliche Grundlage. Sie liegen jedoch mit einem Durchschnittseinkommen von 45.000 bis 57.000 DM am unteren Ende der Einkommensskala. Gleichzeitig stellen diese Betriebe die Masse der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze. Eine Grünlandprämie wird von uns als AbL schon seit Jahren gefordert, um nicht ganze Regionen oder bestimmte Betriebsformen von der Einkommensentwicklung abzuhängen und eine flächendeckende Landwirtschaft zu gefährden. Durch die Modulation und Umwidmung von Geldern in die sogenannte 2. Säule bietet sich die Möglichkeit, noch vor 2006 Geldern in Grünlandregionen fließen zu lassen. Es ist die Chance, endlich auch die notwendige Unterstützung für die Höfe zu ermöglichen, die nicht zuletzt durch ihre Bewirtschaftung eine Vielfalt an landschaftstypischen Elementen besonders in unseren Naherholungs- und Urlaubsgebieten pflegen und erhalten. Hier zeigen sich erste Schritte zur Wende – für mehr soziale Gerechtigkeit und für eine Förderung der Höfe, die den Wünschen der VerbraucherInnen gerecht werden.

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