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Stiefkind Bodenschutz
Flath mahnt sorgsamen Umgang mit Naturgut Boden an / Sachsen unterstützt strengere Grenzwerte für Klärschlamm-Düngung
Pressemitteilung vom 28.06.2001


Dresden. „Der Schutz des Bodens ist eine der am meisten unterschätzten Aufgaben im Umweltschutz“ sagte Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen Flath auf den 4. Sächsischen Bodenschutztagen in Dresden. Ohne intakten Boden gäbe es kein sauberes Trinkwasser und keine gesunden Nahrungsmittel. Dass letztendlich die gesamte Lebensqualität leiden würde, dürfe laut Flath nicht länger bagatellisiert werden. „Sonst verlieren wir wirklich den Boden unter den Füßen“. Sachsen unterstütze deshalb auch den Beschluss der Agrar- und Umweltministerkonferenz, nur noch sehr schadenstoffarme Klärschlämme für Düngezwecke zuzulassen. Das sei in Sachsen aufgrund strenger Vorgaben im Programm „Umweltgerechte Landwirtschaft“ ohnehin Praxis. Nur etwa sieben Prozent der anfallenden Schlämme würden landwirtschaftlich verwertet. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 45 Prozent.

Boden ist ein leicht zerstörbares, nicht vermehrbares und kaum erneuerbares Naturgut. Bodenschutz wird sich jedoch – laut Flath – immer in einem Spannungsfeld verschiedener Interessen bewegen. Hier einen Konsens zu finden, sei vordergründiges Ziel sächsischer Umweltpolitik. Denn noch immer werden in Deutschland im Durchschnitt 120 Hektar Boden täglich, das entspricht etwa 260 Fußballfeldern, für Siedlungs- und Verkehrsflächen vereinnahmt. Sachverständige empfehlen für Deutschland eine tägliche Inanspruchnahme von höchstens 30 Hektar. In Sachsen fallen täglich etwa 8,8 Hektar – das wären 15 Fußballfelder – der Inanspruchnahme zum Opfer. Den Bodenschutz verstärkt in die Landschafts- und Bauleitplanung einzubeziehen und Brachflächenrevitalisierung sind Ansätze, die dem Raubbau am Naturgut Boden entgegenwirken. Auch die Bodenerosion ist nach wie vor ein drängendes Umweltproblem. 60 Prozent der sächsischen Ackerfläche, das sind über 430 000 Hektar, sind durch Wasser- und Winderosion potentiell gefährdet. 2,5 Millionen Tonnen wertvoller Ackerkrume werden dabei jährlich bewegt, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Das entspricht etwa der Landeskapazität von 83.300 Eisenbahnwagen (a 30 Tonnen) und ergäbe eine Zuglänge von ca. 1.000 Kilometer. Folgen der Erosion sind Schäden nicht nur auf den Äckern, sondern auch an Straßen und Gebäuden sowie die Gewässerverschmutzung. Damit nicht jeder Regenguss zum Verlust der fruchtbaren Bodenkrume führt, unterstützt Sachsen seit Jahren die Einführung bodenschonender Anbauverfahren. Im Rahmen des Förderprogramms „Umweltgerechte Landwirtschaft“ erhalten Landwirte bis zu 130 Mark je Hektar für erosionsmindernde Anbauverfahren.

Dadurch ist die Fläche, auf der Erosionsschutz praktiziert wird, seit 1995 von knapp 35.000 Hektar auf derzeit über 100.000 Hektar angestiegen. Durch die Schutzmaßnahmen konnten im letzten Jahr etwa 200.000 Tonnen Ackerboden vor der Abschwemmung bewahrt werden.

Eine weitere Maßnahme zum Bodenschutz ist die Reduzierung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Erste Erfolge gibt es in Sachsen bereits bei der Nitrat-Stickstoffbelastung der Böden, die im Jahr 1999 um 7.000 Tonnen zurückging.

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