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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Glosse
Pressemitteilung vom 21.06.2001


Wenn Gesellschafter heute aus Personen-(GbR) oder Kapitalgesellschaften (GmbH) ausscheiden, müssen sie von den verbleibenden Gesellschaftern abgefunden werden. Hierbei entsteht fasst immer ein Interessenkonflikt zwischen den verbleibenden Gesellschaftern, die sich gern arm rechnen und dem Ausscheidenden, der seinen vollen Beteiligungswert ausbezahlt haben will. Davon können besonders die ostdeutschen Wiedereinrichter und ausgeschiedene LPG-Mitglieder ein trauriges Lied singen. Hatten diese doch besonders unter dem ersten großen Vermögensraub 1990/91 zu leiden. Heute, 10 Jahre später, sind es die „Rote Ritter“ schon wieder, die nun ihre einfachen Mitgesellschafter in Gestalt der Viehpfleger und Traktoristen, überfallen. Es mehren sich die Hinweise, dass arme „rote Ritter“ gern für 5 Mark eine 50 Mark-Aktie aufkaufen. Andere „rote Ritter“, sogenannte „Raubritter“, die im Koffer viel Geld nach Luxemburg geschafft haben und denen die Euro-Einführung ab 1. Januar 2002 Sorge macht, waschen jetzt die Millionen (sie könnten von der Steuerfahndung entdeckt werden) und kaufen von ihren alten Mitgliedern die Aktien zum Nennwert 50 : 50 auf.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) lässt solche Übereinkünfte auch durchaus zu, es sei denn, dass jemand unter Ausbeutung seiner Zwangslage, seiner Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögens oder einer erheblichen Willensschwäche über den Tisch gezogen wurde und - dies auch beweisbar ist. Reine Dummheit entspricht durchaus der Vertragsfreiheit der Gesellschafter. Wenn aber die angebotene Summe die ungekürzte Abfindung um mehr als die Hälfte unterschreitet, kann das Gericht nachbessern (Verstoß gegen die guten Sitten im BGB § 138). Die inzwischen kapitalistisch gewordenen Genossen müssten die gerichtlich verfügte Nachbesserung zu 100% auszahlen. Gewisse Rechtsverdreher empfehlen daher den roten Raubrittern, sie sollten in den Gesellschaftsverträgen von vornherein Ratenzahlungen vereinbaren, denn sonst ist mit dem Ausscheiden des Mitglieds (weil ihm die Arbeit gekündigt wurde, oder weil die alten Rentner noch mal zu Ballermann nach Mallorca wollen) der gesamte Betrag sofort und zu 100% fällig.

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