• Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück


Dieter Tanneberger wird 60


Seit 11 Jahren an der Spitze der ostdeutschen Privatbauernverbände
VDL gibt Empfang zu Ehren seines Präsidenten

Freiberg. Dieter Tanneberger feiert am 4.Juli seinen 60. Geburtstag. Das Landespräsidium des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen e.V. (VDL) und der Bundesvorstand der Deutschen Landwirte e.V. (VDL) geben aus diesem Anlass am Freitag, den 06.Juli 2001, ab 16.00 Uhr, einen Empfang im Landhotel Windmühlenhof in Dittmannsdorf bei Sayda. Eingeladen sind alle Mitglieder und Freunde der beiden Verbände.

Dieter Tanneberger wird am 04. Juli 1941 als Sohn eines größeren Landwirts im Erzgebirge geboren. Die Kommunisten sahen nach 1945 in den ostdeutschen „Großbauern“, nach sowjetrussischem Vorbild, Kulaken und potentielle Klassenfeinde, die wegen ihrer Unabhängigkeit, Grund- und Bodenbindung und freiheitlichen Gesinnung nicht in die kommunistische Klassendoktrin passten und mit hohem Abgabesoll, Schlacht- und Butterverboten beauflagt und bei Rückständen bespitzelt, verhaftet und enteignet wurden.

Der Volksaufstand in Ungarn im Oktober 1956 stachelt einen noch jugendlichen Aufrührer in Dittmannsdorf bei Sayda an, in zwei Nächten an öffentlichen Gebäuden staatsfeindliche Parolen anzubringen: „Spitzbart, Bauch und Brille ist nicht des Volkes Wille“; „Pieck, Ulbricht, Grotewohl, das Volk hat die Schnauze voll!“; „Macht es den tapfren Ungarn nach!“; „Russen raus aus Budapest!“, „Ulbricht, du Hund Moskaus!“; „Freiheit!“. Die Stasi belagert das Dorf. Tanneberger wird in Nassau festgenommen, wo er bei Verwandten Zuflucht gesucht hatte, und in den Jugendwerkhof Karl-Marx-Stadt eingewiesen. Wegen Boykotthetze wird er 1957 vor das Kreisgericht Marienberg gestellt.

1962 schreibt er einen Aufsatz zur Entstalinisierung und wird von der Fachschule für Landwirtschaft in Zug bei Freiberg exmatrikuliert und für 8 Monate zur „Bewährung“ im Saalkreis interniert.

1978 wird er aus der Blockpartei DBD ausgeschlossen und aus der Aspirantur im Doktorandenseminar an der Karl-Marx-Universität Leipzig entfernt. Er erhält mehrere Berufsverbote in LPGen und 1988 am Literaturinstitut Leipzig. 1989 engagiert er sich im Neuen Forum und wird als „Demo-Sänger von Olbernhau“ und durch Rundfunkauftritte einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Im Frühjahr 1990 ruft er zu Bauernversammlungen auf und wird im September 1990 Präsident des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer in Sachsen (VDL). Tanneberger ist 1991 Gründungspräsident des Dachverbandes Deutscher Landbund und 2000 des Bundesverbandes Deutscher Landwirte.

Zur Bundestagswahl 1998 erringt er im Wahlkreis Freiberg für den Bund freier Bürger mit 7,2% über 10.000 Erststimmen. Er ist der bekannteste ostdeutsche Bauernführer und als Redakteur der Wochenzeitung Landpost die wichtigste Stimme bei der Interessenvertretung der ostdeutschen Privatbauern. Tanneberger ist auch Vorstandsmitglieder der Sächsischen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft.

Die historische Leistung des VDL

Der VDL hat unter Tannebergers Führung geradezu sensationelle Erfolge erzielt. Es bleibt sein historisches Verdienst, die agrarpolitischen Deformationen und Vermögenskonflikte der Nachwendezeit ungeschminkt aufgedeckt zu haben. Dabei ist er bis heute weitgehend ohne Unterstützung durch die politische Klasse geblieben. Er hat sich als Mahner, Akteur und Kämpfer für das Eigentum bewährt und steht für bäuerliche Sitte und Tradition. Der VDL wurde Dank Tanneberger zum Erneuerer des Berufsstandes in Ostdeutschland gegen die Verkrustung und den Filz im Deutschen Bauernverband.

Die Umsetzung des LwAnpG gegen den erklärten Willen der DBV-Verbände und gegen eine oft LPG-hörige Agrarverwaltung in Ostdeutschland, sind VDL-Verdienst. Was wäre geschehen ohne den VDL, einen VDL ohne Tanneberger? Es hätte die entscheidende dritte und vierte Novelle des LwAnpG nicht gegeben. Die Rechtsbeschwerde zu den Oberlandesgerichten wäre den kleinen Leuten auch nach 1994 genommen geblieben. Über 150 BGH-Entscheidungen, durch VDL-Anwälte erstritten, wären nicht herbeigeführt worden. Tausende Amtsgerichtsentscheide, OLG- und BGH-Urteile zur Vermögensauseinandersetzung, zum Fondsausgleich der LPG Typ I, zum Feldinventar, auf bare Zuzahlung nach § 28 (2), über den „wahren Wert“ und nicht zuletzt über die gescheiterten „LPG-Umwandlungen“ und die Bilanzanfechtungen wären nicht geschrieben worden. Die Enteignung 45/49, die russischen Rehabilitierungen, die Bundesverwaltungsgerichtsurteile zur Sachenrechtsbereinigung - alles undenkbar ohne die Entschlossenheit und Kampagnefähigkeit des VDL. Den industriellen Agrarbetrieben wären längst die Milliarden sogenannter Altschulden gestrichen worden; die Landnahme der Roten Barone wäre noch viel verhängnisvoller ausgefallen. Die großen Kundgebungen in Leipzig und in unzähligen anderen Orten wären ausgeblieben. Vor allem aber: Der privatbäuerliche Berufsstand wäre ohne geistig-moralische Führung geblieben. Mut- und Ratlosigkeit hätten sich wie ein roter Mehltau über die ostdeutschen Dörfer gelegt.

Namens des Vorstandes, des Landespräsidiums des VDL und aller Mitglieder des Verbandes wünschen wir unseren Präsidenten persönlich viel Glück, gute Gesundheit und die Kraft, die auch in Zukunft bei der Interessenvertretung des bäuerlichen Berufstandes erforderlich sein wird.

Privatdozent Dr. Dr. Winfried Schachten, Bautzen


zurück