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Die Auflösung der MTS
Wie die DDR mit der Übergabe der Technik die Kollektivierung unterstützte
Von Mario Janello
Pressemitteilung vom 02.06.2005


Die zwischen 1952 und 1959 gegründeten LPG litten unter einer unzureichenden Ausstattung mit landtechnischen Maschinen und Geräten, die ihrer inzwischen erreichten Betriebsgröße nicht entsprach. Die Ursache dafür war einerseits die größtenteils vorherrschende schwache Finanzkraft der LPG für Neuanschaffungen und andererseits das Unvermögen der Volkswirtschaft der DDR, den neuen Betriebsgrößen der LPG entsprechende, vor allem mobile Landtechnik zur Verfügung zu stellen. Dieser Zustand hielt auch noch an, als nach dem „sozialistischen Frühling“ nahezu alle Bauern „freiwillig“ in LPGs eingetreten waren. Die 1959/60 im Zuge der Vollkollektivierung gegründeten LPG, insbesondere die LPG Typ I, unterschieden sich hinsichtlich ihres Mechanisierungsgrades und ihrer Technologie kaum von ehemals großbäuerlichen Betrieben. Transport- und leichtere Feldarbeiten wurden in den ersten fünf Jahren hauptsächlich mit Hilfe tierischer Zugkraft durchgeführt. In den sächsischen Agrarregionen wurden zu jener Zeit in den LPG ca. 5 Pferde je 100 ha LN gehalten.

Geringer Mechanisierungsgrad einzelbäuerlicher Betriebe
Der Gedanke, die technische Ausstattung der MTS den LPGs zu unterstellen, wurde bereits 1959 während der VI. LPG-Konferenz in Leipzig erörtert. Hier wurde auch das Ziel der Vollkollektivierung anvisiert. Die SED wußte, dass im nächsten Jahr eine Vielzahl von LPG vorhanden sein würden, die nicht über die Landtechnik verfügt, die ein normaler Großbetrieb braucht. Es war klar, aufgrund des geringen Mechanisierungsgrades der einzelbäuerlichen Betriebe, würde nur ein unbedeutender Technikbestand in die Kollektivbetriebe übergehen.

Keine Kredite für LPGs der Typen I und II
Um den LPG, zumindest hinsichtlich des motorischen Zugkraftbedarfes, aus dieser misslichen Lage zu helfen, entschloß sich der Ministerrat der DDR zum Verkauf der in den MTS vorhandenen Landtechnik an die LPG. Die Finanzierung der Technik sollte von der LPG weitgehend aus eigenen Mitteln erfolgen. Insbesondere wurde dies von LPGs der Typen I und II gefordert, die quasi noch privatbäuerlich wirtschafteten und zum Technikkauf keine langfristigen Kredite aufnehmen durften. Gleichzeitig bedeutete die Abgabe der Technikbestände die schrittweise Auflösung der MTS. Nach Auflösung der MTS und deren Umwandlung in Reparaturtechnische Stationen (RTS), gingen auch Gebäude und bauliche Anlagen der MTS in den Grundmittelbestand der größeren LPG Typ III über.

Den LPG fehlten ohnehin Unterbringungsmöglichkeiten für die mobile Landtechnik und Reparaturkapazitäten. In der Folge dieses Prozesses entstanden in den Dörfern Standorte mit großen LPG-eigenen Unterstellhallen und Werkstätten, als Technikstützpunkte bezeichnet. Im Laufe ihrer Entwicklung wurden daraus immer größere Betriebseinheiten.

Parteikritik mit Kirchengutarbeit quittiert
Zuweilen gerieten die großen Technikstützpunkte in die Kritik der staatlichen Landwirtschaftsverwaltung, wie dies im Falle eines Technikstützpunktes der LPG Kleinbautzen in Niedergurig im Kreis Bautzen Mitte der siebziger Jahre geschah. Die darauf folgenden Kritiken an der Person des LPG-Vorsitzenden quittierte dieser später damit, daß er die sozialistische Landwirtschaft verließ und in einem Kirchengut arbeitete. Es darf nicht verschwiegen werden, daß die Technikübernahme den LPG auch Schwierigkeiten bereitete. Die MTS-Bereiche der Kreise hatten in der Regel in jedem Dorfe einen Stützpunkt. Oft bestand dieser aus Gebäuden vertriebener Großbauern aus den frühen fünfziger Jahren. Mit der Landtechnik bekamen die LPG diese Stützpunkte mitübertragen. Da auch das Personal in die LPG überstellt wurde – Leitungspersonal der MTS wurde von der staatlichen Leitung und Partei meistens wieder als Leitungspersonal in die LPG delegiert – entstanden neue Probleme in den LPG.

LPGs konnten keine feste Bezahlung wie in MTS bieten
Zum einen mißtrauten die Traktoristen den LPG, in welchen sie hätten Mitglied werden sollen, da die LPG Typ III keine feste Bezahlung wie die MTS bieten konnten. Zum Beispiel in den LPG Luppa und Dahlen, Kreis Oschatz, Bezirk Leipzig, war eine stabile Vergütung der Arbeit erst ab 1969 möglich geworden. Deshalb traten diese Traktoristen damals nicht in die LPG ihres ehemaligen MTS-Bereichs ein. Zum anderen entstand für die LPG ein Problem, dass damit in Zusammenhang stand. Wie aus den Jahresabschlußberichten der LPG aus den Jahren 1960 bis 1962 hervorgeht, wurden die von den MTS berechneten Leistungen bei den LPG als eine selbständige Kostenposition im Buchwerk ausgewiesen. Die Leistungen wurden nach staatlichen gestützten, differenzierten MTS-Tarifen abgerechnet. Die Einnahmen der MTS lagen unter deren Kosten. Die LPG Typ III rangierten in der niedrigsten Tarifgruppe. Ab 1962 bzw. 1963, nach der Unterstellung, hatten die LPG plötzlich alle Technikkosten für Beschaffung, Ersatzteile, Betriebskosten u.a. in voller Höhe selbst zu tragen. Das betraf auch die Personalkosten für das ehemalige Leitungspersonal, die in den niedrigen MTS-Tarifen als Gemeinkosten mit enthalten waren.

Staat sparte Subventionen
Auf die Beachtung solcher Auswirkungen wies zum Beispiel der 1962 abgelöste Hauptbuchhalter der LPG „Eintracht“, Typ III, Luppa, Kr. Oschatz, Bez. Leipzig, während der LPG-Vorstandssitzung am 28.3.1963 bzw. 18.4.1963, bei der auch Vertreter der MTS-Traktoristen und der LPG Typ I zugeladen waren, hin. Der Vorstand hatte etwas euphorisch den VI. Parteitag vom Januar 1963 angeführt, wonach die gesamte Technik an die LPG zu verkaufen bzw. zu unterstellen sei, damit die Landwirtschaft besser und billiger produzieren könne, d. h. eine Kostensenkung einträte. In Wirklichkeit aber sparte der Staat Subventionen an die MTS ein. In der LPG Luppa wurden für das Jahr 1964 300.000 Mark der DDR, anstatt 280.000 Mark, wie noch 1963 vorgesehen, geplant. Darüber hinaus musste ein Amortisationsfonds mit 100.000 M neu gebildet werden.

Vernachlässigung der ehemaligen einzelbäuerlichen Gehöfte
Die Konzentration auf die unmittelbaren Produktionsbauten zog bei den meisten LPG von vornherein eine Vernachlässigung der ehemaligen einzelbäuerlichen Gehöfte nach sich. Als Problem zeigte sich auch der Mangel an gut ausgebildeten und qualifizierten Schlossern sowie nach technisch und technisch-ökonomischem Leitungspersonal. Aus landwirtschaftlicher Herkunft konnte auf ein solches Personal nicht ohne weiteres zurückgegriffen werden.

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