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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Die LPG-Multis pervertieren den Ökologischen Landbau
Pressemitteilung vom 06.06.2002


Dass „Öko“ nicht gleich „klein“ heißt, hat sich seit dem Nitrofen-Skandal herumgesprochen. 1999 wurde auf 400.000 Hektar in 10.425 deutschen Betrieben nach den Vorschriften des ökologischen Landbaus gewirtschaftet: Im Jahr 2000 waren es schon 15.468 Betriebe mit 546.000 Hektar, das sind 3,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche beziehungsweise 2,9 Prozent der Betriebe. 2001 meldeten die Öko-Verbände ein Zuwachs von knapp 13 Prozent. Unter dem Etikett „ökologisch“ darf wirtschaften und vermarkten, wer die 1991 für den Ackerbau und 1999 für die tierischen Erzeugnisse erlassenen EG-Verordnungen erfüllt. Wer sich freiwillig einem der neun Öko-Verbände anschließt, die an Ackerbau und Viehzucht noch strengere Anforderungen stellen, als sie von der EU gefordert werden, kann mit einem Siegel werben, dass ihm die Vermarktung erleichtern soll. Etwa 50% aller deutschen Öko-Betriebe haben sich inzwischen einem dieser Verbände angeschlossen.

Der Unterschied Ost-West im Öko-Landbau ist gravierend. Im Osten heißt Öko: industriemäßig produzierender LPG-Nachfolger mit mehreren Tausend Hektar und geringem Viehbesatz. Den flächenstarken Großbetrieben im Osten ist es ein leichtes unterhalb der Öko-Norm von 2 Großvieheinheiten je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zu bleiben. Im Jahr 2000 bewirtschafteten z.B. in Mecklenburg-Vorpommern 513 Betriebe, in der Mehrzahl LPG-Nachfolger, ca 95.000 Hektar nach Öko-Standards. In Bayern sind auf einer kaum größeren Fläche fast zehnmal so viele Betriebe registriert. Auch der „Hof“ in der Uckermark in Brandenburg, der zunächst in Verdacht geraten war, mit Nitrofen verseuchten Futterweizen in Umlauf gebracht zu haben, ist eine ehemalige LPG. „Die ostdeutschen LPG-Strukturen pervertieren den Ökologischen Landbau“, so VDL-Präsident Dieter Tanneberger.

Ein Bauernhof ist leicht zu kontrollieren. Die Ein- und Ausgänge der Waren sind durchschaubar, die Erträge der Äcker, die Leistungen der Tiere sind kein Geheimnis. Je mehr und je größer die Betriebe, um so schwieriger und kostenaufwendiger wird die Kontrolle. Mischfutterwerke wie GS agri, durch deren Apparaturen konventionelles als auch „biologisches“ Getreide läuft, sind kaum kontrollierbar. Jedenfalls nicht von Kontrolleuren, die zwei- bis dreimal im Jahr vorbeikommen. Oft sind die privaten Büros der Kontrolleure von den Auftragsgebern und den Bioverbänden ökonomisch abhängig. Kontrollverfahren, die früher sinnvoll waren, sind in den agrarindustriellen Strukturen überfordert, so die FAZ.

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