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Editorial
Mindestlöhne den Arbeitern – Mindestpreise den Milchbauern!
Pressemitteilung vom 30.05.2008




Dieter Tanneberger, VDL-Präsident


Der jetzige Milchpreisverfall ist ein Ergebnis der Überproduktion.Mit dem geplanten Wegfall der Milchquote nach 2015 muß mit noch viel drastischeren Preiseinbrüchen gerechnet werden. So ist die zum 01. April beschlossene Milchquotenerhöhung um 2% auf 145.000 Millionen Tonnen mit ursächlich für die schon immer ansteigende sommerliche Milchschwemme. Angebot und Nachfrage bestimmten nun mal in der Markwirtschaft den Preis. Wenn die Milchquoten ganz wegfallen, wird es zu einem ruinösen Wettbewerb kommen zwischen den hochmodernen industriemäßig produzierenden Großanlagen mit Tausenden von Kühen im Osten – wie in Anlagen im mecklenburgischen Dedelow und den bäuerlichen Laufstallanlagen mit 60 bis 100 Kühen im Westen. Wenn es keine Milch-Mengenbegrenzung mehr gibt, wird es die heute streikenden kleinen Milchbauern im Westen schon bald nicht mehr geben, während sich die Kosten der Großanlagen auch noch mit 30 Cent/kg Rohmilch rechnen. Es ist auch kein Zufall, daß sich die ostdeutschen LPG-Anlagen dem aktuellen Boykottaufruf des BDM nicht angeschlossen haben. Zwar hat der Sächsische LPG-Bauernverband auch in Leppersdorf gegen Müller-Milch demonstriert, aber einen Lieferboykott wie im Westen schließt er aus. Daher werden die Ost-LPG zumindest das stagnierende Frischmilchgeschäft im Westen mit eigenen Lieferungen unterlaufen. So sieht die Solidarisierung eines gespaltenen Berufsstandes aus. Aber es ist schon technisch unmöglich, das Tagesgemelk von 500, 1000, 2000 oder gar 5000 Kühen in die Gülle zu kippen. Ganz abgesehen davon, daß nicht in den Verkehr gebrachte Milch eine dem Sondermüll gleichgestellte Substanz darstellt. Es wird daher Strafanzeigen geben. Ich kann nur warnen! Die kleinen bäuerlichen Betriebe im Westen können ihre Milch schon mal eine Woche lang in Schweine und Kälber füttern. Aber dann? Und die Kosten? Der Milchstreik wird also leider zusammenbrechen müssen, denn wer schon schüttet sein Kind mit dem Bade aus?

Wie heucheln doch DBV-Präsident Gerd Sonnleitner und Bundesminister Horst Seehofer wenn sie ihr „Verständnis für die schwierige Lage“ bekunden, selbst aber Urheber sind für die Beschlüsse zum Quotenverfall. Wenn die Politik landauf landab industrielle Mindestlöhne fordert, muß sie auch bereit sein, den Milchbauern einen Milchpreis zur Existenzerhaltung zu gewähren.

Ich lehne die Milchvernichtung auch aus ethischen Gründen ab. Das Problem kann nur politisch gelöst werden. Ein Weg wäre die Verwendung von Teilen der EU-Modulationsgelder zur Milchpreisstützung, statt sie ominös für den ländlichen Raum ausgeben zu wollen. Der BDM mit Romuald Schaber hat den ganzen bäuerlichen Berufsstand in nie dagewesener Weise solidarisiert, die deutsche Öffentlichkeit gewonnen und dem Deutschen Bauernverband vorgeführt, wie berufsständische Interessenvertretung eigentlich aussehen sollte. Dafür gebührt ihm Dank!

Ihr
Dieter Tanneberger, Präsident des Verbandes Deutscher Landwirte (VDL)

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