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Naturschutzgebiete in der Lommatzscher Pflege? VDL gegen Ausuferung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten
Pressemitteilung vom 17.05.2001


Wie die Sächsische Zeitung berichtet soll im Kreis Meißen ein weiteres Landschafts-Schutzgebiet (LSG) ausgewiesen werden. „Täler der Lommatzscher Pflege“: Mit über 5000 Hektar (nach anderen Angaben von der Naturschutzbehörde, Herr Tomeit, sogar 7.400 Hektar) soll es nach „Friedewald und Moritzburger Teichgebiet“ das zweitgrößte im Landkreis sein. „Vornehmlich geht es um Ketzerbach und Käbschützbachtal. Aber das Gebiet schließt auch weiträumig Pufferzonen mit ein“, so Michael Tomeit, Leiter Naturschutz und Landschaftspflege im Landratsamt Meißen. Im Herbst soll der Entwurf öffentlich ausgelegt werden. Anfang 2002 sei die Beschlussfassung im Kreistag vorgesehen.

Auch Schutzstatus der Europäischen Union
Eine einzigartige Landschaft in der Lommatzscher Pflege würde dann unter Schutz gestellt. Tomeit rechnet dazu vor allem Trockenhänge und Bachläufe, aber auch generell die typische hüglige Landschaft mit ihrer besonderen Fauna und Flora. In den Trockengebieten wachsen solche seltenen Pflanzen wie Kuhschelle oder Hügelmeister. Stileichen, Schlehen und Eschen sind hier heimisch. Viele Schmetterlinge und Käfer haben an den Hängen ihren Lebensraum, ebenso Heuschrecken, wie die seltene Rote Keulenschrecke. An den Bachläufen ist der Biber zu finden. Mit dem neuen Landschaftsschutzgebiet im westlichen Drittel des Meißner Landes will der Landkreis zugleich eine Lücke schließen. Tomeit: „Das linkselbische Gebiet westlich von Elbtal und Triebischtal wurde bislang beim Natur- und Landschaftsschutz etwas stiefmütterlich behandelt. Das soll sich damit ändern.“ Im Blick nicht nur des Landkreises, sondern auch des Freistaates, stehen besonders die Trockenhänge im Ketzerbach und Käbschützbachtal. Sie sollen sogar den Schutzstatus der Europäischen Union „Natura 2000“ erhalten. Doch das geplante Landschaftsschutzgebiet hat nicht nur Befürworter. Bauern und Pächter in den Territorien von Lommatzsch, Leuben-Schleinitz, Diera-Zehren, Ketzerbachtal und Käbschütztal befürchten dann einen Wertverlust der Flächen sowie wirtschaftliche Einbußen. „Das ist für mich eine schleichende Enteignung“, wettert Bauer Stefan Börner, der etwa 60 Hektar bei Görna bewirtschaftet. Neben dem „Gigantismus des Landschafts-Schutzgebietes“ leuchtet dem Bauer partout nicht ein, warum „Ackerflächen in Top-Lagen, die mit ihren Erträgen zu den besten in ganz Deutschland gehören“, einbezogen werden sollen. „Dann sind Einschränkungen u.a. bei Düngung und Pflanzenschutz zu erwarten. Auch bei einer Kreditaufnahme habe ich Nachteile. Banken bewerten doch im Landschafts-Schutzgebiet Flächen geringer“, sagt Börner, der 1991 aus Mittelfranken in den Osten kam und hier Mais, Zuckerrüben, Getreide und Raps anbaut. Einen geplanten Gemüseanbau mit Beregnung der Fläche könnte er dann in die Esse schreiben, so der 63-Jährige, zumal im LSG eine Bebauung der Flächen erschwert sei.

Bürgerinitiative wird gebildet
Bauer Börner ist jetzt dabei, eine Bürgerinitiative zu bilden. Neben Landwirten würden auch Häuslebauer und weitere Grundstücksbesitzer mitmachen. „Solche Orte wie Mauna und Leutewitz werden doch vom LSG geradezu eingeklammert. Da wird künftig eine Wohnbebauung an den Außenrändern schwer möglich sein“, sagt Börner, der nicht generell gegen das Landschafts-Schutzgebiet sei, wohl aber gegen dessen Auswüchse. Auch im Gemeinderat Käbschütztal gibt es dazu Pro und Kontra. „Für die einen überwiegen die Argumente der Bauern, andere sehen Landschaftsschutz-Belange stärker“, sagt Rat Bernhard Eichler. Er selbst möchte nicht, dass wirtschaftliche Interessen dominieren. „Das Naturschutzgesetz wurde schließlich für die Allgemeinheit gemacht“. Gemeinderat Hans-Joachim von Zahn sieht u.a. in einer besseren Information Wege zu einem Kompromiss.

Der VDL Sachsen prüft derzeit eine landesweite Initiative gegen die Ausuferung der Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Ende Juni soll im Landgasthof Krögis oder in der „Alten Schmiede“ in Planitz-Deila eine Bürgerversammlung einberufen werden, so VDL-Präsident Dieter Tanneberger.

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