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Fischler will 5000 DM-Bauern-Gehalt einführen
Tanneberger: Pachtverträge mit LPG-Nachfolgern kündigen
Pressemitteilung vom 17.05.2001


Brüssel. EU-Agrarkommissar Franz Fischler will die fälligen Agrarreformen mit einer Grundpauschale von 5000 Mark jährlich für jeden Landwirtschaftsbetrieb über 4 Hektar ankurbeln, wenn dieser sich im Gegenzug verpflichtet, keine Flächen- oder Viehprämien mehr zu beantragen und Landschaftspflege zu leisten. Die Preisausgleichszahlungen für seine Produkte würde der Landwirt weiterhin erhalten, allerdings mit Obergrenzen versehen. Der Plan kommt der deutschen Vision von einer Agrarwende hin zur ökologischen Landwirtschaft entgegen, weil die Pauschale eine Art Bauern-Gehalt ist und besonders den kleinen und extensiv wirtschaftenden Bauern in Europa zugute käme, schreibt der SPIEGEL (20/01). Bereits jetzt würden zwei Drittel aller Agrarbetriebe in der EU von dem vereinfachten 5000-Mark-Förderschema profitieren. Sie erhalten heute schon Leistungen bis zu dieser Höhe, müssen diese jedoch über unzählige Einzelanträge anfordern. Die Pauschale würde die Agrarpolitik radikal entbürokratisieren. Fischlers Plan greift jedoch nicht bei den großen Agrarfabriken. Für sie wäre eine 5000-Mark Pauschale nicht rentabel, weshalb die Massenproduzenten weiterhin die klassischen Zuschüsse vorziehen würden. Darum will Fischler auch diese mengenbezogenen Subventionen generell limitieren, so dass sämtliche Agrargelder aus Brüssel künftig nur fließen, wenn bestimmte Öko- und Landschaftspflegestandards eingehalten werden. Über den streng vertraulichen Reformplan soll spätestens Mitte nächsten Jahres in Kommission und Agrarministerrat abgestimmt werden: Dann werden die bis 2006 vereinbarten Agrarausgaben der EU, mit 46 Prozent des Gesamtbudgets bei weitem der größte Posten im EU-Etat, einer Überprüfung unterzogen.

Pachtverträge nicht über 2005 hinaus verlängern
VDL-Präsident Dieter Tanneberger begrüßte die Fischler-Pläne. Sie seien geeignet, auch der kleinen bäuerlichen Landwirtschaft in Deutschland wieder ein Einkommen zu sichern und die Abwanderung aus den Dörfern zu stoppen. „Wenn diese Reform so durchgeht, wird das Pachtmonopol der LPG-Nachfolger und die Dominanz der industriemäßigen Agrarstruktur schon bald gebrochen werden.“ Tanneberger sieht insbesondere Einkommenschancen für junge Leute, deren Väter und Vorväter über Generationen als Bauern gelebt, gewirtschaftet und die bäuerliche Kultur in den Dörfern erhalten hatten. Eltern bzw. Großeltern sollten ihre Höfe alsbald in vorweggenommener Erbfolge an die Kinder und Enkel übergeben. Bestehende Pachtverträge mit den Agrargesellschaften sollten nicht über das Jahr 2005 hinaus verlängert werden, um dann gegebenenfalls selbst, vorerst im Nebenerwerb, ein bäuerliches Unternehmen zu gründen.

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