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Massenproteste der Milchbauern
Mehr als 20.000 Milchbauern haben in ganz Deutschland vor Molkereien für eine Erhöhung der Erzeugerpreise demonstriert. Sie fordern 40 Cent pro Kilogramm Milch - bisher müssen sie sich im Schnitt mit 27 Cent begnügen.
Pressemitteilung vom 10.05.2007


Laut „Die Welt“ vom 10.5.2007 habe es insgesamt Demonstrationen an 110 Standorten gegeben, darunter vor Milchwerken der größten deutschen Molkereikonzerne Nordmilch, Humana Milchunion und Müller-Milch, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber der „Welt“. Schwerpunkt sei Bayern gewesen. Eine zentrale Forderung des BDM ist ein Erzeugerpreis von 40 Cent je Kilogramm, der in den vergangenen zehn Jahren von 35 auf 27 Cent gesunken ist - obwohl sich die Betriebskosten der Bauern erheblich erhöht haben. "Wir brauchen unbedingt höhere Preise", sagte der BDM-Vorstandsvorsitzende. Die Lage der Milchbauern sei so prekär, dass manche schon nicht mehr das Futter bezahlen könnten. Viele gäben wegen der schlechten Ertragslage ihre Höfe auf - die Zahl der Milchbetriebe sank allein in den letzten zwei Jahren um 17 000 auf nur noch 100 000.

Mit den Demonstrationen begleiten die Bauern die turnusmäßigen Preisverhandlungen zwischen Molkereiwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel, die nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes kurz vor dem Abschluss stehen. Nach derzeitigem Stand können die Molkereien mit Erhöhungen um 15 bis 20 Prozent rechnen. Nach Angaben des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg sind erste Ergebnisse bereits erzielt worden. Danach soll es eine Preiserhöhung für die Molkereien um etwa acht Cent pro Liter geben.

"Für uns ist die Situation völlig undurchsichtig", beklagte dagegen Bauernvertreter Schaber. Er forderte die Molkereiwirtschaft auf, die Bauern an den Preiserhöhungen teilhaben zu lassen. "Wir lassen uns nicht wieder mit einem oder zwei Cent Erhöhung abspeisen", sagte er. Notfalls werden die Landwirte im Herbst ihre Milch zurückhalten und die Molkereien trocken legen, drohte er. Auch der Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes Baden-Württemberg, Peter Kolb, forderte die Molkereien auf, erzielte Preiserhöhungen an die Bauern weiter zu geben.

Der Weltmarkt hat sich für Milch und Milchprodukte innerhalb des vergangenen Jahres deutlich verändert. Milchseen und Butterberge sind deutlicher kleiner geworden. Die immense Nachfrage aus Asien habe den Markt förmlich auf den Kopf gestellt, sagte ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. "Es ist unglaublich, was China ansaugt." Diese Situation versetze die Molkereien in die Lage, erstmals seit Jahren deutliche Preiserhöhungen beim Handel durchzusetzen. Vor allem die Discounter wie Aldi und Lidl hatten in den vergangenen Jahren mit Ladenverkaufspreisen von weniger als 50 Cent pro Liter H-Milch das Preisniveau gedrückt.

Wie „Die Welt“ berichtet war der viel beschworene und beschimpfte EU-Butterberg, Menetekel der europäischen Subventionspolitik, 2003 noch 223.000 Tonnen schwer – heute steht er bei null. 194.000 Tonnen Magermilchpulver füllten noch im Jahr 2003 die Interventionslager der EU. Heute ist alles aufgebraucht. Seit April 2006 ist der Preis für Magermilchpulver um 50 Prozent gestiegen; der Weltmarktpreis, vor einigen Jahren noch bei 1200 Dollar pro Tonne, liegt nun bei mehr als 4000 Dollar. "Milch ist zu einem gefragten Rohstoff geworden", sagt Erhard Richarts, Milchexperte der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle ZMP.

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