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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört!
Pressemitteilung vom 08.05.2003


Dass sich das gesellschaftliche Leben in den neuen Ländern gegenüber den Jahren der untergegangenen DDR kaum verändert zu haben scheint, ergibt sich aus der bestürzenden Niederschrift einer Sitzung des Umweltausschusses des Landkreises Nordvorpommern in Bad Sülze vom 25.03.2003. Unter TOP 3 heißt es dort:

„Die Niederschrift vom 25.02.2003 wird einstimmig mit folgendem Zusatz betätigt:

„Der Leiter des Amtes für Landwirtschaft Franzburg, Herr Besekow, äußerte im Verlauf seines Vortrages, dass er stolz darauf sei, dass kaum einer von den alten Eigentümern wieder in seinem Bereich als Landwirt angefangen hat. Einschränkend fügte er hinzu, dass das ja auch Menschen seien. Herr Besekow unterstrich seine Ablehnung jeglichen Bodenverkehrs in der Landwirtschaft.“

Die von Wilhelm Pieck mit seiner Rede in Kyritz vom 02.09.1945 unter dem Slogan „Junkerland in Bauernhand“ begonnen üble Kampagne, mit denen die Angehörigen einer ganzen sozialen Klasse aus der sozialen Friedensordnung ausgegrenzt werden sollte, trägt bis in die jüngste Gegenwart ihre Früchte. Die PDS hat im Jahr 1994 nicht einmal erfolglos den Landtagswahlkampf mit der Parole geführt „Junkerhand weg von Bauernland“. Die CDU beeilte sich mit der Versicherung, die Bodenreform sei unantastbar, der PDS den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Demagogie in Ostdeutschland treibt neue – alte – Blüten! Diese offenbar von anderen Offiziellen des Landkreises Nordvorpommern gebilligte Meinungsäußerung des Herrn Besekow – sonst hätte man es nicht für wert befunden, diesen Nachtrag zur Sitzung vom 25.02.2003 zu protokollieren – lässt mich daran zweifeln, dass wir in dieser oder der nächsten Generation zu einer homogenen Gesellschaft zusammenwachsen werden. Herr Besekow ist stolz darauf, dass der Landkreis Nordvorpommern nahezu „junkerfrei“ ist und rechnet sich dies als sein Verdienst an. Immerhin akzeptiert Herr Besekow so gerade noch, dass die Junker auch „Menschen“ seien, welch ein beispielloser Zynismus, der an längst vergangen geglaubte Zeiten des NS-Regimes erinnert, denn früher waren die Junker „Unkraut“, welches es „auszurotten“ galt. Von diesem Makel, der noch immer auch im Bewusstsein weiter Kreise einer durch kommunistische Parolen infiltrierten Gesellschaft in den neuen Ländern auf den Betroffenen lastet, werden die Betroffenen durch eine gedankenlose Justiz nicht durch Rehabilitierung befreit, weil dies zwangsläufig zur Rückgabe von Vermögenswerten führte.

Denn die Verhängung des Unwerturteils, die Betroffenen seien die Stütze des faschistischen Systems und des Militarismus in Deutschland gewesen, also „Unkraut“, welches „ausgerottet“ werden müsse, war die ideologische Rechtfertigung für die Vertreibung aus der Heimat und die Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz.

Wer soll künftig den Idealismus aufbringen, den man benötigt, um in den neuen Ländern eine gesunde Infrastruktur, auch in der Landwirtschaft aufzubauen? Soll die Wiedervereinigung Deutschland von der Bevölkerung allein auf westdeutschem Boden vollzogen werden, weil das gesellschaftliche Klima in den neuen Ländern hoffnungslos vergiftet ist? Welch eine Gedankenlosigkeit der westdeutschen Politiker war es gewesen, den Wünschen der ostdeutschen Verhandlungsführer willfährig nachzukommen, die unerwünschten Klassen der „Junker“ und „Industriebarone“ – erstere waren nach heutigem Verständnis im Regelfall mit einem Grundbesitz von mehr als 100 ha keine Großagrarier, letztere die Inhaber überwiegend kleiner bis mittelständischer Betriebe – aus dem politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland auszugrenzen.

Früher verkündeten Gau- oder Kreisleiter der NSDAP stolz, der Gau X oder der Kreis Y sei „judenfrei“: heute ist der Funktionär Besekow stolz darauf, dass der Landkreis Nordvorpommern nahezu „junkerfrei“ ist. Wie viel DDR kann sich Deutschland leisten? Ist die zweite deutsch Diktatur aufgearbeitet?

Dr. Thomas Gertner



„Die Behörden missachten diese Menschen auf das Unwürdigste“
Aus dem Brief eines VDL-Mitglieds

„.... dürfen wir Sie als neuen Vorsitzenden vom VDL unserer Region beglückwünschen und einmal um Rat fragen. Unsere Lage hier in Sachsen ist völlig vertan und als direkt betroffene Menschen der sogenannten Bodenreform finden wir allein keinen Ausweg. Auch heute können wir uns die Situation im Lande noch nicht erklären, die Behörden missachten diese Menschen auf das unwürdigste. Zur Zeit sind wir beim Gericht, um die uns zustehende verwaltungsrechtliche Rehabilitierung zu erreichen!
Nach der Wende war unsere Familie glücklich und wir wollten den väterlichen Hof wieder schmuck herrichten mit der jüngeren Generation, aber der Hof wurde ohne unser Wissen veräußert, uns hat man jahrelang verdammt. Der Hof ist heute verfallen und wir müssen wegen der absehbaren Überschuldung die Hände davon lassen. Bleiben also noch die restlichen landwirtschaftlichen Flächen, um die wir kämpfen. Vertrieben wurden wir Ende 1945 aus T. wegen 144 ha Landbesitz.
Doch das Wesentlichste, unser Sohn und Neffe, Lutz H., ist schon Jahre auf Arbeitssuche und die Lage sieht schlecht aus. Vielleicht kennen Sie für ihn eine Nische auf dem Lande und damit einen Weg aus der Arbeitslosigkeit? (...)“

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