• Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

Mittelalterliche und heurige Subsistenz
Pressemitteilung vom 03.05.2001


DT. Von der mittelalterlichen Subsistenz, also der bäuerlichen Selbstversorgung, dem früheren „Bestehen durch sich selbst“ abgesehen, abgesehen auch von der heutigen Direktvermarktung in privaten bäuerlichen Hofläden, ist die moderne Landwirtschaft seit ihrer Industrialisierung im vorigen Jahrhundert zwar der tatsächlichste und gegenständlichste Teil aller Lebensmittelketten, aber auch deren Stiefkind. Gelistet oder nicht gelistet, dass ist hier die Frage. Die Forderungen der Lebensmittelketten laufen auf eine vertragliche Einbindung der Landwirtschaft in sogenannte Wertschöpfungsketten hinaus. Suggeriert werden soll ein Geldgewinn durch die Verknüpfung der landwirtschaftlichen Erzeugung mit den Betrieben der Verarbeitung und des Handels.
Eine Hauptforderung der Lebensmittelketten, die nur eine agrarindustrielle Landwirtschaft erfüllen kann, sind große Partien in Tausenden von Stückzahlen und Tonnen, einheitliche sortenreine Herkünfte aus monokulturellem und gen-gestütztem Anbau durch wenige Großerzeuger und Lieferanten. Die Erzeugergemeinschaften, als bäuerliche Hilfsorganisationen erfüllen diese Forderungen nicht oder nur zum Teil.
Schon bauen Chefs der großen LPG-Nachfolger und früheren Volkseigenen Güter (VEG), mit einer Jahresproduktion von Zehntausenden von Rindern und Schweinen eigene Schlacht- und Verarbeitungsstätten und ganze Handelsketten mit staatlicher Förderung selbst auf. Die Traktoristen, Viehpfleger und Melker erhalten einen Teil ihres Lohnes in Naturalien, gegen Kartenmarken mit Einkaufszwang im LPG-Laden. Es ist wie bei Metternichs. Zwar keine Leibeigenschaft mehr, kein Recht der ersten Nacht, aber eine feudale Gesellschaft sind die „Roten Barone“ schon.

zurück