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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Früher mit Pampe gesund gepflegt
Von Roswin Finkenzeller
Pressemitteilung vom 19.04.2001


Früher ließ die Maul und Klauenseuche, mochte sie auch für viele Bauern ein Schicksalsschlag sein, den größten Teil der bayerischen Bevölkerung kalt. Ebenso wenig regten sich die Leute auf, wenn sie erfuhren, dass irgendwo ein Hof abgebrannt sei oder der Hagel ein paar Dutzend Felder verwüstet habe. In den sechziger Jahren, als die Seuche zum letzten Mal wütete, hätte der Bayerische Rundfunk einem bei Vilisbiburg lebenden Schaf mit Bindehautentzündung und Eiter an den Klauen nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Jetzt aber berichtete er ausführlich über Blutproben und Nasenabstriche, über die Abriegelung eines niederbayerischen Einödhofes und seiner 1350 Schafe zählenden Herde sowie über die Tübinger Untersuchungen die schließlich ergaben, dass ein erkranktes, sofort eingeschläfertes und in einen Polizeihubschrauber verfrachtetes Tier zwar an einer Krankheit gelitten hatte, nicht aber an MKS.
Seit 1946 hatte sich der bayerische Landtag immer wieder der Landwirtschaft angenommen. Als Bayern noch als Agrarland galt, war sie ein Thema, erst recht, als dieses Agrarland sich in einen Industriestaat verwandelte. Lang und breit über die Maul- und Klauenseuche zu debattieren fiel den Abgeordneten trotzdem nicht ein, wiewohl es gerade in der CSU-Fraktion an Landwirten nie gefehlt hatte. Wenn die Seuche die Regierung etwas anging, dann den Landwirtschaftsminister und nicht einen Verbraucherschutzminister, den einzusetzen vor BSE keinem Bayern als notwendig erschienen war. Auf einem Bauernhof in Oberschönberg, Landkreis Augsburg, ist der derzeitige Landwirtschaftsminister Miller aufgewachsen. Er vermag sich zu erinnern, dass die Seuche in den fünfziger Jahren den elterlichen Hof heimgesucht hatte. Er erinnert sich jedoch nur dunkel, am deutlichsten noch an den erfreulichen Befehl, ein paar Wochen lang der Schule fernzubleiben. Offenbar durfte niemand den Hof verlassen, womit, so kombiniert Miller, nur die Bewegungsfreiheit von Personen eingeschränkt war, die von der Mobilität heutigen Stils ohnehin noch keine Ahnung hatten. Aus Erzählungen weiß der Minister, dass die Rinder mit ihren Blasen im Maul nicht mehr richtig fressen konnten, weshalb einige von ihnen eines natürlichen Todes starben, die anderen jedoch überlebten, zwar abgemagert, aber doch mit der Aussicht, wieder zu Kräften zu kommen.
Dieser Bericht deckt sich im wesentlichen mit einer Schilderung, wie es früher in einem anderen deutschen Landstrich zuging, in der Magdeburger Börde. Die Seuche erzeugte Gerüchte, offenkundig rückte sie näher, und eines Tages war sie da. Zur Abschreckung von Verwandten und Bekannten wurde an die Haustür oder das Hoftor ein Schild befestigt: „Achtung! Maul- und Klauenseuche.“ Es starben vor allem die Ferkel, weil die erkrankten Mutterschweine keine Milch mehr gaben. Die großen Tiere bekamen eine Art Brei, auf mitteldeutsch „Pampe“, die an den Eiterbläschen im Maul nicht so weh tat wie das gewohnte Futter. Nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ zogen die Bauern Strohbündel erst durch erkrankte, dann durch noch gesunde Kuh- und Schweinemäuler. Wenn schon Ansteckung, dann möglichst gleichzeitig, und alles in der begründeten Hoffnung auf ebenso gleichzeitige Genesung. Niemand ordnete Massentötungen an, nicht einmal das DDR-Regime, mochte es auch äußerst rigoros absperren und abriegeln.

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