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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Hilflos
Pressemitteilung vom 19.04.2001


Dt. (Ostern) Zum Fest der Auferstehung des Herrn, das uns für gewöhnlich mit Ostereiern versüßt und mit putzigen Bildern von springenden Lämmchen verkitscht wird, sind die Fernsehzuschauer diesmal mit Bildern traktiert worden, die jeden österlichen Gedanken vertreiben konnten. Nur wenige Sekunden lang sah man in der Hauptnachrichtensendung ein verendendes, im Schlamm versinkendes Lamm. Die Hilflosigkeit der dem Menschen anvertrauten Kreatur war wie ein Symbol der Hilflosigkeit des Menschen selbst.

Es ist kein unabänderliches Schicksal, dass Tierseuchen sich in Europa zu nationalen Katastrophen entwickeln. Vielmehr ist es die Folge einer von Menschen gemachten Agrarpolitik, die ganz darauf ausgerichtet ist, europäische Fleisch- und Milchprodukte in alle Welt zu exportieren. Der Weltmarkt bedient sich nur aus absolut seuchenfreien Beständen. Solange es solche in anderen Regionen noch gibt, wird schon die Konkurrenz dafür sorgen, dass europäische Erzeuger, die durch Impfungen den Krankheitserreger am Leben erhalten, ausgesetzt werden. Dass deutsche Politiker im Angesicht der drohenden Gefahr nervös werden, ist verständlich. Wenn es zutrifft, dass allein Großbritannien durch den jüngsten Seuchenzug schon einen volkswirtschaftlichen Schaden von dreißig Milliarden Mark erlitten hat, dann fragt es sich in der Tat, ob solche Kosten jemals vom (Export-) Nutzen der Nicht-Impf-Politik wieder wettgemacht werden können.

Die Politiker sollten aber nicht die ersten sein, die im Augenblick der Gefahr den Kopf verlieren. Diesen Eindruck muss freilich gewinnen, wer die wechselhaften Forderungen und Appelle der Ministerinnen Künast und Höhn verfolgt. Mal ist von Notimpfungen, mal von vorbeugenden Schutzimpfungen die Rede. Mal soll Rettung von markierten Impfstoffen, mal von Ohrmarkierungen kommen. Die „Spielräume“, die die Ministerinnen in den EU-Richtlinien sehen, konnte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof nicht entdecken, der sogar einem tierpflegerischen Gnadenhof die Gnade vorbeugender Impfungen verwehrte. Durch Aktionismus ist die Situation nicht mehr zu retten. Helfen kann jetzt nur noch eine langfristig angelegte Agrarpolitik, die nicht bei der nächsten Prüfung wieder in Hilflosigkeit versinkt.

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