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Geothermie in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
Pressemitteilung vom 26.04.2007


Unter ganz Nordostdeutschland lagert warmes, salzhaltiges Wasser. Mit Geothermie liese sich theoretisch der gesamte Strom- und Wärmebedarf Deutschlands mehrfach abdecken. Das haben Gutachten im Auftrag des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag ergeben. Im Nordosten erreicht die Temperatur des Rohstoffes zwar selten die 100 Grad, die es braucht, um daraus wirtschaftlich Strom zu erzeugen. Dennoch besitzt das Thema einen zusätzlichen ökonomischen Reiz: Die Kohlendioxid-freie Energiequelle unter Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg lässt sich als Heizwärme, aber auch als Heilwasser und damit für Gesundheitswirtschaft und Tourismus nutzen. Anders als in Süddeutschland ist das Wasser hier solehaltig.

Diese hohen Erstinvestitionen sind die größte Hürde für den Ausbau der Geothermie. "Das Land wird da unterstützen", sagt Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD), der sein Land auch mit Hilfe der heißen Bäder zum Gesundheitsland Nummer eins in Deutschland machen möchte.

Wenn das Wasser erst mal aus dem Bohrloch sprudelt, seine Wärme abgibt und über ein zweites Loch wieder zurück in den Grund gepumpt wird, hat man konkurrenzfähige Kosten und langfristige Preisstabilität. Erdwärme ist die perfekte erneuerbare Energie: Stets verfügbar und in einem Kreislauf gebunden. Schwankungen wie bei Wind- und Solarenergie, die herkömmliche Kraftwerke auffangen müssen, gibt es nicht. Je höher die Preise für Öl und Gas langfristig steigen, umso interessanter wird Erdwärme.

Die Erfahrungen mit der Erdwärme reichen in Deutschlands Nordosten bis in die DDR-Zeit zurück. In Städten wie Waren oder Neubrandenburg heizt das Wasser bereits ganze Wohngebiete. In Neustadt-Glewe südlich von Schwerin gewinnt der Energiekonzern Vattenfall in einem kleinen Kraftwerk elektrischen Strom. Ein System aus Neubrandenburg versorgt auch das Reichstagsgebäude in Berlin mit Erdwärme. Hitze aus dem Parlamentsgebäude wird zudem im Grundwasser gespeichert und im Winter nach oben geholt. Theoretisch ließe sich auf ähnliche Weise auch der Wärmebedarf von ganz Berlin decken, so Experten.

Die DDR war ständig auf der Suche nach Öl und Gas. Die Oberen ließen das ganze Land perforieren. Sie fanden aber nur vereinzelt Ölquellen, stießen aber auf jede Menge warmes Salzwasser, das im Sandstein lagert. Der Untergrund ist hier gut erkundet, das geologische Risiko fast gleich Null.

Vattenfall betreibt das älteste Erdwärme-Kraftwerk Deutschlands
Im Erdwärme-Kraftwerk Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern reicht die Röhre 2300 Meter in die Tiefe bis zu einer Schicht heißen Wassers. Damit werden seit 1994 die umliegenden Haushalte mit Wärme versorgt. Seit 2003 wird zudem im Sommer auch Strom erzeugt. Die erzielte Ausbeute an elektrischer Energie ist mit 1400 bis 1600 Megawattstunden im Jahr nicht besonders hoch. Sie deckt gerade den Strombedarf von 500 Haushalten. Das Wasser in der Tiefe des norddeutschen Beckens ist mit 98 Grad Celsius für ein Erdwärme-Kraftwerk vergleichsweise kühl, was die Energiegewinnung nicht einfacher macht. Trotzdem ist der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der drittgrößte Stromversorger in Deutschland, bei dem Projekt dabei.

Denn Erdwärme ist immerhin eine Zukunftshoffnung für die Energiewirtschaft. Anders als Wind und Sonne steht die Hitze aus der Tiefe das ganze Jahr über Tag für Tag mit gleicher Kraft zur Verfügung. Außerdem schont sie das Klima. Insgesamt rund zehn Erdwärme-Kraftwerke sind in Deutschland in der Planung, an die hundert mögliche Standorte soll es geben. Alle großen Energieversorger experimentieren damit.

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