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Fragwürdige Würde von Till Backhaus
Mecklenburgs Agrarminister promovierte unter dubiosen Umständen
Pressemitteilung vom 24.04.2003


Der Mann will hoch hinaus, berichtet der FOCUS (16/2003,S.198). Gerade wurde Till Backhaus, seit 1998 Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern, als Nachfolger von Ministerpräsident Harald Ringstorff zum SPD-Landeschef gewählt. Nun gilt der 44-Jährige als Ringstorffs Kronprinz. Auf den Weg nach oben mache sich ein Doktortitel ganz gut, dachte sich der gelernte Agraringenieur Backhaus. Am 11. Oktober 2001 war es so weit: An der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Berliner Humbold-Universität legte er die Doktorprüfung mit „Summa cum laude“ ab. Seine 160-seitigen „Betrachtungen zur Getreideproduktion in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1900 und 2000“ brachten Backhaus den stolzen Titel „Dr. rer. agr.“ ein.

Seine Promotion behandelte der zielstrebige Minister stets wie eine geheime Kommandosache. Selbst Ministerpräsident Ringstorff erfuhr erst am Tag vor der Prüfung in Berlin davon. Die dezente Zurückhaltung des Agrar-Genossen war angebracht: Die Doktorwürde erlangte er unter fragwürdigen Umständen. Als Betreuer, Gutachter und Prüfer wählte Backhaus den zum damaligen Zeitpunkt bereits seit fünf Jahren emeritierten Pflanzen-Experten Norbert Makowski aus Rostock. Der Professor war allerdings noch sehr aktiv. Er erhielt 2000 und 2001, also zur selben Zeit, als Backhaus sich an den Erwerb des Doktorhuts machte, von der Landwirtschaftlichen Beratungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern / Schleswig-Holstein (LMS), zwei Beraterverträge, die mit rund 13500 Euro dotiert waren – bezahlt vom Agrarministerium des Till Backhaus. Abgezeichnet wurden die genehmigungspflichtigen Anträge im Ministerium vom Abteilungsleiter Gerhard Rudolphi, der als enger Vertrauter des Ministers gilt.

Experten sind sich einig, dass Makowski es seinem Prüfling sehr leicht gemacht hat. „Das Machwerk ist substanzlos und entspricht weder inhaltlich noch formal wissenschaftlichen Ansprüchen“, so der Pflanzenbau-Experte Wilhelm Römer, Professor an der Universität Göttingen. Backhaus nenne oftmals keine Quellen und belege von ihm aufgestellte Behauptungen nicht. Tabellen seien fast ausnahmslos abgeschrieben. Und die Literaturliste weise so viele Mängel auf, „dass wir sie nicht einmal von einem Diplomstudenten akzeptieren würden“, so ein anderer Hochschuldozent.
Höchst merkwürdig finden es Experten auch, dass Backhaus mit seinen drei Prüfern eigens an die Humboldt-Uni nach Berlin gegangen ist, anstatt das Verfahren in Rostock zu durchlaufen. Backhaus bestreitet jeglichen Zusammenhang zwischen Dissertation und Vergabe der Verträge an seinen Doktorvater. Die LMS habe die Beraterverträge an Makowski ohne Kenntnis von dem Promotionsverfahren vergeben. Auch der Expertenkritik widerspricht Backhaus: „Die Promotion hat ein ordnungsgemäßes Prüfungsverfahren durchlaufen mit entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten.“ Die Humboldt-Uni habe er bewusst gewählt, „um möglichen Spekulationen vorzubeugen“.

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