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Gemeinsame Stellungnahme von VDL und den Sächsischen Ökoverbänden zum neu zu erstellenden AUW-Programm in Sachsen ab 2014
Pressemitteilung vom 11.04.2012


Ziel: Die Agrarlandschaft in Sachsen muss in Zukunft vielfältiger und strukturierter gestaltet werden mit dem Ziel, dem Artenschwund von Flora und Fauna entgegenzuwirken.

Der Unterteilung von sehr großen Schlageinheiten > 20 ha und dem Anbau von Blühstreifen und Zwischenfruchtgemengen kommt dabei eine sehr große Bedeutung zu.

Durch geeignete Bodenbearbeitungsmaßnahmen, eine ausgeglichene Humusbilanz, die durch Zwischenfruchtanbau, Vielfalt in der Fruchtfolge und den Anbau von kleinkörnigen Leguminosen erreicht werden kann, soll der Erosion und dem Abbau der Bodengare und Hochwasserereignissen entgegengewirkt werden.

Der Anbau von Hauptfruchtleguminosen (grob- und feinkörnige Leguminosen außer Gemüse) muss ein Bestandteil in den Fruchtfolgen der sächsischen Landwirtschaftsbetriebe einnehmen. Die humusaufbauende Wirkung dieser Pflanzen und deren Fähigkeit, Stickstoff in das System einzubringen, hat vor allem aus klimarelevanter Sicht und der Schonung endlicher Ressourcen eine enorme Bedeutung. Zudem ist der Import von Soja aus Übersee unverantwortlich (Regenwaldabholzung – Klimarelevanz, Flächenbindung in Ländern mit Anteilen an Hunger leidender Bevölkerung).

Der Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln (Round Up), muss für alle am AuW-Programm teilnehmenden Landwirtschaftsbetriebe verboten werden. Es gibt mehrere Untersuchungen weltweit, dass das genannte Pflanzenschutzmittel und die darin enthaltenen Bestandteile negative Auswirkungen auf die Agrarökosysteme, Grundwasser und Gesundheit von Mensch und Tier haben.

Der ökologische Landbau gilt durch seine grundsätzliche Wirtschaftsweise mit vielfältiger Fruchtfolge, dem Anbau von Leguminosen und regelmäßigem Zwischenfruchtanbau sowie dem Verzicht auf den Einsatz chem-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel als die nachhaltigste aller landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen.

Der ökologische Landbau bietet ein hohes Potential und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Klima, Boden und Gewässer, dem Schutz von Biodiversität und zur Schaffung, bzw. Erhaltung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum. Er bildet ein kohärentes System, welches ständig wissenschaftlich und praktisch weiterentwickelt wird. Dazu gehört auch ein Kontrollsystem, das weitere Bürokratiekosten überflüssig macht.

Im Landesentwicklungsplan des Freistaates Sachsen war das Ziel einer Steigerung der ökologisch bewirtschafteten Anbauflächen bis 2010 auf 10 % gesteckt worden. Dieses Ziel wurde nicht mal zu 50% erfüllt. Eine wichtige Ursache liegt in einer vergleichsweise geringen Differenz zwischen der Förderung für ökologischen Landbau und den Fördermaßnahmen für konventionelle Landwirtschaftsbetriebe.

Der ökologische Landbau muss deshalb in der nächsten Förderperiode prioritär gefördert werden! Die Förderung der Ökologischen Landwirtschaft muss auch in Zukunft an eine Bewirtschaftung des gesamten Betriebes gebunden sein.

Konventionelle Flächen, die durch bestehende Ökobetriebe über Zupacht oder Kauf in diese integriert und umgestellt werden, müssen im vollen Umfang in die Öko- Förderung aufgenommen werden, unabhängig vom Umfang der bisher bewirtschafteten Fläche des jeweiligen Betriebes.

Die Förderung von Agrarumweltmaßnahmen für konventionell wirtschaftende Unternehmen muss in Zukunft an Fördervoraussetzungen geknüpft werden, die die Verwirklichung oben genannter Ziele ermöglichen.

Grundsätzliche Fördervoraussetzungen für Betriebe die am AuW-Programm 2014 teilnehmen möchten (ausgenommen Unternehmen des ökologischen Landbaus):

Prioritäre Forderungen:
o der Ackerbau muss eine ausgeglichene Humusbilanz aufweisen,
o Ackerschläge die mit einer Fruchtart bestellt werden, dürfen nicht größer als 30 ha (Toleranz von 20%) sein,
o der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel ist im gesamten Betrieb nicht gestattet.

Zweitrangige Forderungen
o vorgeschrieben ist die Einhaltung einer Fruchtfolge von mindestens vier Fruchtfolgegliedern, eine Fruchtart darf dabei nicht mehr als 30 % Anteil an der Fruchtfolge aufweisen, Betriebe mit geringem Flächenumfang können die 4 Fruchtarten auch jährlich wechselnd auf der Gesamtfläche anbauen,
o Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen;
o der Anteil von Hauptfruchtleguminosen (außer Gemüse) muss mindestens 10 % der Fruchtfolge betragen

Wir begrüßen das sogenannte Greening von 7%.

Im Rahmen dieses Greenings verpflichten sich die teilnehmenden Betriebe auf mindestens 2-5 % ihrer Ackerfläche Maßnahmen zur Erhöhung der Bio-Diversität durchzuführen (Anlage Feldhecke, Blühstreifen-Ansaat von insektenrelevanten Blühmischungen).

Sehr wichtig ist, dass die einzelnen Maßnahmen im AuM sich gegenseitig nicht ausschließen, sondern miteinander kombinierbar sind. Ein Umstieg von G 1 auf Ö2 war bisher nur mit Rückzahlung der G 1 möglich.

Weitere Forderungen, für die sich Sachsen im Rahmen der GAP-Verhandlungen einsetzen sollte:
o Die Kommissionsvorschläge sehen einen erheblichen Kofinanzierungssatz in der 2. Säule vor. Dieses Kofinanzierungsmodell muss so geändert werden, dass die zielgerichteten Fördermaßnahmen, die den Herausforderungen der EU zum Schutz von Klima, Boden und Gewässer und dem Schutz von Biodiversität gerecht werden, durch die EU voll abgesichert sind. Ein erhöhter Kofinanzierungssatz von mind. 80% durch die EU für den Ökologischen Landbau muss festgesetzt werden.
o Bereitstellung von Forschungsgeldern für die Weiterentwicklung des Ökolandbaus.
o Die Züchtung von Leguminosen muss unterstützt und vorangetrieben werden.

Der Gemeinsame Stellungnahme zum Entwurf der EU- Verordnung über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) 2014-2020 der Gruppe Umwelt schließen wir uns an.

Unterzeichner des Schreibens:
VDL Sachsen e.V. - Dr.Manfred Probst, 01156 Dresden, Tel.: 0351/4537314,Email: manfredprobst@vorwerkpodemus.de

Bioland Landesverband Hessen/Thüringen/Sachsen-Anhalt/ Sachsen e.V. - Lena Weik, Am Pfarrberg 17, D 01623 Rüsseina, Tel.: 035242-47786, Email: Lena.Weik@bioland.de

Sächsische Interessengemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. - Roland Einsiedel, Hauptstr. 75, 04849 Kossa, Tel.: 034243/21491, Email: sigoel@web.de

Sächsischer Ring e.V. Demeter Sachsen - Anett Ramisch, Blumenstraße 9, 01465 Schönborn, Tel.: 03528/487052, Email: demeter-sachsen@gmx.de

Naturland - Herr Andreas Höfer, Dorfstr. 10, 04668 Kleinbothen, Tel.: 034384/71855, Email: a.hoefer@naturland-beratung.de

Gäa - Vereinigung ökologischer Landbau e.V. - Ulf Müller, 01099 Dresden, Tel.: 0351/4031918, Email: ulf.mueller@gaea.de

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