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BSE-Erreger auch von Mensch zu Mensch übertragbar
Neue Studien decken auf, wie anpassungsfähig Prionen sind – Übertragung über Blutkonserven möglich
Pressemitteilung vom 05.04.2001


Nach einem Bericht der „Welt“ können die Erreger der Rinderseuche BSE sich an neue Opfer wie den Menschen anpassen, wenn sie einmal übertragen sind. Das zeigen Untersuchungen britischer und französischer Wissenschaftler. Und offenbar können die Prionen auch zwischen Menschen übertragen werden. Im Tierversuch mit Rhesusaffen und Mäusen wiesen die Prionenforscher die Anpassungsfähigkeit nach. Ihre Ergebnisse bestätigen auch, dass die Erreger der „bovinen spongiformen Enzephalopathie“ (BSE) in Großbritannien wie auch in Frankreich für die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) verantwortlich sind. Zudem konnte gezeigt werden, dass es auch gelang, die Erreger auf Tiere zu übertragen, wenn infektiöses Gehirnmaterial in die Blutbahn gespritzt wurde. Dieser Übertragungsweg und die Anpassungsfähigkeit gebe Anlass zu der Sorge, dass die durch den BSE-Erreger verursachte menschliche vCJK-Erkrankung unbeabsichtigt durch Blut und Blutprodukte übertragen werden kann. „Diese Sorge wird von uns geteilt“, erklärte gestern Johannes Löwer, der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen. Beide Fähigkeiten erleichtern die Übertragung der Erreger von einem Menschen auf den nächsten.

Da Prionen im Blut vorwiegend an weiße Blutzellen binden, werden diese inzwischen aus Blutspenden entfernt. Andere Maßnahmen, zum Beispiel der Ausschluss von Spendenwilligen, die selbst einmal eine Transfusion erhalten hatten, würden derzeit erwogen. Bei einer Entscheidung sei jedoch zu berücksichtigen, dass es sich bei Blut und Blutprodukten „um lebenswichtige und daher unverzichtbare Arzneimittel“ handele und bereits heute ein deutlicher Mangel an Blutspenden bestehe. „Alle Ärzte sollen in ihrem Bemühen fortfahren, Blut und Blutprodukte nur dann einzusetzen, wenn sie unbedingt notwendig sind“, forderte Löwer. „Patienten sollten aber nicht leichtsinnig ihr Leben aufs Spiel setzen und Blut und Blutprodukte wegen eines theoretischen Infektionsrisikos ablehnen.“ Allerdings dürfte das Ansteckungsrisiko in Deutschland vergleichsweise gering sein: Während in England rund 180.000 BSE-Rinder gezählt wurden, sind hier erst 49 Kühe aufgefallen.

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