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Auf ein Wort
Vor 40 Jahren Zwangskollektivierung
Pressemitteilung vom 13.04.2000

In diesem Frühjahr gedenken die privaten Landwirte in den neuen Bundesländern der Ereig-nisse der Zwangskollektivierung in der DDR vor 40 Jahren. Die Bundesregierung und der Deutsche Bauernverband gedenken ihrer wohl nicht sonderlich. Bundeskanzler Schröder nicht, weil er die industriemäßig produzierende LPG-Wirtschaft im Osten ohne Konsequenzen so von Kohl übernommen hat. Der DBV nicht, weil Freiherr Heereman 1990 und Präsident Sonnleitner heute, die vor den Gerichten inzwischen gescheiterten LPG-Altkader und Chefs von Agrarkonzernen wie Kliem (Thüringen) und Rentzsch (Sachsen) in den Bonner DBV-Vorstand integriert haben.

Im April 1960 überzogen Kolonnen der SED geführten "Arbeiterklasse", Abschnittsbevoll-mächtigte der Volkspolizei, Stasi-Trupps, FDJ-Aktivisten, Kreis- und Bezirksfunktionäre der SED, die damals gerade ihre Felder bestellenden und noch relativ frei wirtschaftenden Bauern in den Dörfern Ostdeutschlands mit Terror und brutaler Gewalt und trieben sie mit Stasi-Methoden in die stalinistische Zwangskollektivierung. Vorausgegangen war dem ein System der Diskriminierung und des wirtschaftlichen Drucks auf die sogenannte "Großbauernschaft". Das waren Betriebe über 20 Hektar, deren Familien mit unerfüllbaren Ablieferungspflichten überzogen wurden, zu "Selbstversorgern" deklariert, keine Fleisch- und Zuckermarken erhiel-ten, mit Hausschlacht- und Buttereiverboten belegt und durch Spitzel und Zuträger (jedes Dorf hatte seinen eigenen "Bauernschreck") überwacht, angezeigt und wegen "Wirtschaftssa-botage" vielfach verhaftet, verurteilt und eingesperrt wurden. Viele Bauern flüchteten mit ih-ren Familien damals über Nacht von Haus und Hof über das noch offene Berlin in den freien Westen. Andere, die die Heimat nicht verlassen wollten oder wegen ihrer greisen Eltern oder der Kleinkinder dies nicht konnten, bekamen Zwangspächter auf den Hof, wurden innerhalb von Stunden oft 50 km weit weg auf Viehwagen verladen und "des Kreises verwiesen". Von vielen Selbsttötungen aus Verzweiflung wurde berichtet. Die verlassenen Höfe wurden ent-eignet und in "Örtliche Landwirtschaftsbetriebe" verstaatlicht. Die Agrarproduktion der 1952 so entstandenen LPGen der Typen I, II und III sank trotz großzügiger staatlicher Beihilfen für die "Kolchosen" in Form von Düngemitteln und Saatgut und den Aufbau von Maschinenaus-leihstationen (MAS, später MTS) dramatisch. Klassenfeinde, Agenten und Spione wurden dafür verantwortlich gemacht und Schauprozesse inszeniert. Erinnert sei an das Kartoffelkä-fer-Syndrom. Der Klassenfeind aus dem Westen habe Kartoffelkäfer über die DDR abgewor-fen. Ganze Schulklassen mussten in den Sommermonaten auf den LPG-Feldern nach den Schädlingen und ihren Larven suchen. Ernst Wollweber und Kurt Viehweg, die den Irrtum der Landwirtschaftspolitik des Zentralkomitees der SED erkannt hatten, wurden als parteifeindli-che Gruppe "entlarvt" und aus der SED ausgestossen. Dagegen blühten Ende der 50iger Jahre die Höfe der noch privaten Klein- und Mittelbauern wirtschaftlich auf.

Dies erschien den SED-Gewaltigen als Bedrohung; als "Hort des Klassenfeindes". Die ver-queckten und verdistelten LPG-Felder wurden zum abschreckenden Beispiel. Der nach dem Statut "freiwillige" LPG-Beitritt wurde nun mit drastischen Maßnahmen der SED und des DDR-Staates noch bis in die 70iger Jahre hinein erzwungen.

Wenn Deutschland glücklich vereinigt ist, so ist der Preis für die 1960 Zwangskollektivierten und die 1945 bis 1949 Enteigneten der Bodenreform sehr hoch. Der bäuerliche und bürgerli-che Mittelstand hat sich bis im Osten bisher nicht erholen können. Und es fehlt an der Ent-schuldigung der herrschenden Klasse in der Politik bei den ostdeutschen Bauern.

Dieter Tanneberger
Präsident des Verbandes der privaten Landwirte
und Grundeigentümer Sachsen (VDL)

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