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Thalheim über die Zukunft der genossenschaftlichen Landwirtschaft
VDL kritisiert einseitige Parteinahme für Kollektivbetriebe
Pressemitteilung vom 06.04.2000

Berlin. Der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Dr. Gerald Thalheim (SPD) hat in der Pressemitteilung Nr. 85 des BML "die Landwirtschaft in der Rechtsform einer Pro-duktivgenossenschaft als zukunftsträchtig für die neuen Länder" bezeichnet. Zu Beginn habe viel Skepsis geherrscht hinsichtlich der Zukunft von Produktivgenossenschaften in der Land-wirtschaft. Heute seien die Agrargenossenschaften wirtschaftliche Unternehmen, die sich am Mark behaupten. Die Mitglieder seien hoch motiviert und die Vorstände und Geschäftsführer müßten sich dem Wandel der Marktgegebenheiten stellen. "Die Agrargenossenschaften wer-den sich weiter zu rechtlich und wirtschaftlich gefestigten, unabhängigen Unternehmen entwi-ckeln, die auch im europäischen Vergleich der Unternehmen bestehen könnten", so Thalheim. Allerdings zeigten die Einkommensergebnisse des Agrarberichtes, dass die Genossenschaften auch im Wettbewerb mit anderen Rechtsformen in Deutschland weitere Anstrengungen unter-nehmen müßten. Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen müßten auch die Agrarge-nossenschaften künftig noch mehr auf den Erfolg am Markt und weniger auf staatliche Hilfen setzen. "Marktorientierung und unternehmerisches Handeln ist die Devise", betonte der Staatssekretär.

In den neuen Ländern gibt es derzeit 1218 Agrargenossenschaften. Davon sind 822 dem Deut-schen Raiffeisenverband angeschlossen. Im Durchschnitt haben die Unternehmen heute 470 Mitglieder, von denen über ein Drittel neben Kapital und Boden auch ihre Arbeitskraft in den Betrieb einbringen. Der VDL bezweifelte die Richtigkeit dieser Angaben. Es läge hier wohl ein Schreibfehler vor, denn 470 Mitglieder im Durchschnitt jeder Agrargenossenschaft sei ein Unding.

VDL-Präsident Dieter Tanneberger kritisierte die Lobeshymnen und verwies auf die noch immer andauernden Probleme bei der Vermögensauseinandersetzung mit den LPG-Nachfolgern auch in der Rechtsform der eG. Er wünschte, dass sich Thalheim mit gleicher Vehemenz den Sorgen und Problemen der Wieder- und Neueinrichter privater Bauernhöfe widmete. Thalheim werde es nicht entgangen sein, dass besonders die Agrargenossenschaften sich derzeit in Kapitalgesellschaften umzuwandeln beginnen, was mit seiner Analyse über die "Zukunft der genossenschaftlichen Landwirtschaft" wohl nicht zu vereinbaren sei. Die Agrar-genossen seien nicht mit privaten Bauern zu vergleichen. Während die Melker und Traktoris-ten in den früheren LPG´s nur Lohnarbeiter mit geringem Lohn seien, die man morgen entlas-sen könne, seien private Bauern vollhaftende Unternehmer. Daran ändere auch nichts, dass die Politik versuche, über die Wortschöpfung von den "Mehrfamilienbetrieben" über den Bruch in der deutschen Agrarverfassung hinwegzutäuschen, der mit den kollektivistischen Betriebs-formen in den neuen Bundesländern eingetreten sei.

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