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Gedanken zum 10jährigem Bestehen der Heideland Agrar – Aktiengesellschaft Bad Düben
von Eckard Meyer, Mitglied des VDL-Landespräsidiums, Wiedereinrichter in Durchwehna
Pressemitteilung vom 29.03.2001


Im April 2001 jährt sich zum zehnten Mal der Tag der Gründung der Heideland Agrar AG Bad Düben. Bis Anfang 1991 existierte in der damaligen Kooperation Authausen eine LPG Pflanzenproduktion mit zirka 6500 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, 5 LPG Tierproduktion und eine Zwischengenossenschaftliche Einrichtung der Tierproduktion. Die Tierbestände umfassten 2200 Kühe, 2500 Jungrinder, 1000 Mastbullen und 2000 Schweine sowie eine Nerzzucht. Mit etwa 800 Beschäftigten zählte die Landwirtschaft damals im Bereich zu den größten Arbeitgebern.

Durch die Wende 1990 mit ihren vielen politischen und ökonomischen Umwälzungen waren die Vorstände und vor allem die LPG–Vorsitzenden der Kooperation Authausen völlig überfordert. In kommunistischer und stalinistischer Manier ausgebildet und geprägt, wirkten sie hilflos und klammerten sich an jeden Strohhalm, der in Form von windigen Beratern und Anwälten nach dem Osten herüberschwappte. Das erlassene Landwirtschaftsanpassungsgesetz war wie ein Gummigesetz und war eigentlich völlig unvollständig und ungeeignet zur juristisch sauberen Umwandlung einer LPG–Ost in eine Agrargenossenschaft nach Bürgerlichem Recht. So war den in der Zwischenzeit sich immer mehr anpassenden LPG–Vorsitzenden in Zusammenarbeit mit ihren dubiosen Anwälten eigentlich Tür und Tor geöffnet, um sich entsprechend ihrer Ideen umzuwandeln, ohne dass dabei bundesdeutsche gesetzliche Bestimmungen beachtet wurden und dass die wirtschaftliche Macht der ehemaligen LPG´n in ihren Händen blieb und die ehemaligen Bauern leer ausgingen. Hinzu kam dabei die Duldung dieser rechtswidrigen Umwandlung und ihre Eintragung durch die Registergerichte.

Die dubiosen Anwälte setzten sich zusammen mit den ehemaligen LPG–Vorsitzenden an die Spitze dieser neu gebildeten Aktiengesellschaft und glaubten damit ihre „Felle“ gerettet zu haben. Ab dem Zeitpunkt der Gründung der Aktiengesellschaft mit ihren zahlreichen Tochterunternehmen in Form GmbH´s setzte eine Entlassungswelle der viel zu vielen Mitarbeiter ein und alle berechtigten Forderungen der ehemals zwangskollektivierten Bauern bezüglich Auszahlung ihres damals eingebrachten Inventars wurden in einer arroganten und nicht zu beschreibender Frechheit mit Hilfe des dubiosen Anwalts Herrn Fischer-Nordmann abgeschmettert. Angeblich wären alle LPG-Mitglieder Aktionäre geworden. Die wenigen Bauern, die es wagten schriftlich ihre Forderungen geltend zu machen, erhielten regelrechte Drohbriefe vom besagtem Anwalt. Möglich war dies jedoch alles mit Duldung der Landwirtschaftsämter im Bereich bis hin zu den staatlichen Stellen in Dresden.

Das staatliche Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Dresden ließ 1992 sogar Umwandlungsüberprüfungen durchführen und bestätigte die ordnungsgemäße Umwandlung in Form von sogenannten „Persilscheinen“. Ich frage mich, welche Dilettanten müssen diese Überprüfung durchgeführt haben? Oder waren es Helfer dieser sich entwickelnden Großagrarier, der „Roten Barone“?, Die großflächige Landwirtschaft im Osten erwies sich unter marktwirtschaftlichen Bedingungen als ideal, doch sie beruht auf beispiellosem Betrug am Vermögen der zwangskollektivierten Bauern.

Aufgrund der erneuten Bestätigung der „ordnungsgemäßen“ Umwandlung sogar vom Landwirtschaftsministerium wurden nun der Vorstand der Heideland Agrar AG in Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Fischer-Nordmann immer dreister und überheblicher. Sie bewilligten sich Löhne, Gehälter und Zuwendungen, die in keinem Verhältnis zu der Wirtschaftlichkeit ihrer Unternehmen standen.

So führte Herr Fischer-Nordmann, der als Vorsitzender des Aufsichtsrates gleichzeitig mehrere Kanzleien besaß, hemmungslos Rechtsstreitigkeiten durch. Die jährlichen Anwalts- und Gerichtskosten der Heideland Agrar AG beliefen sich auf 100 bis 125 TDM. Es war ja fremdes Eigentum, was hier verprasst wurde, da spielt es doch keine Rolle, ob man verliert oder gewinnt. Gleichzeitig begann man 1993 damit, das Unternehmen von andersdenkenden ehemaligen Bauern und auch Geschäftsführern zu säubern. Geschäftsführer die Bedenken am Führungsstil und an der zukünftigen Wirtschaftlichkeit des Unternehmens anmeldeten, waren dieser Führungsclique natürlich ein Dorn im Auge. Man stellte solche Geschäftsführer geschickt ins Abseits. Da wurden beim staatlichen Amt Anzeigen bezüglich kleinerer Vergehen der eigenen Tochter-GmbH gemeldet, notwendige Investitionen gesperrt und kleinere Sabotageakte in den Ställen durchgeführt. Vor allen Dingen wurde durch die zentrale Buchhaltung die Wirtschaftlichkeit von GmbH´s heruntergerechnet, um eben solche Geschäftsführer zu entlassen. Getreu nach dem kommunistischem Prinzip: „ ...und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich dir den Schädel ein!“. Der Vorstandsvorsitzende bekannte sich offen dazu, dass er nach wie vor ein Kommunist sei, wörtlich: „Ich bin und bleibe ein Linker und es kommt nur auf meine Intelligenz an, wie lange ich die Bauern hinhalte.“ Damit waren die Bauern gemeint, die berechtigte Forderungen an das Unternehmen hatten.

Durch dieses Missmanagement des Unternehmens war natürlich die Wirtschaftlichkeit und vor allem die Liquidität äußerst kritisch. Die vorhandenen Tochter-GmbH´s wurden durch ständige Umgründungen, Fusionen usw. so geformt, dass aus der Aktiengesellschaft, die zu Beginn als Holding zugedacht war, eine „Wirtschaftsleitung“ wurde. Die immer weniger werdenden Geschäftsführer wurden immer mehr in die Abhängigkeit der Muttergesellschaft gedrängt. Bezüglich Kreativität und ordentlichem Management war aber der Vorstand der AG und der Aufsichtsrat ebenfalls völlig überfordert. Vom Abschöpfen bis der Topf langsam leer wird, verstanden aber alle etwas. Als der Verfasser (der aus einem alten Bauerngeschlecht stammt, dass nachweislich schon über 400 Jahre im Ort ansässig ist) Ende 1995 den Entschluss fasste als Wiedereinrichter zu beginnen, schlug die Aktiengesellschaft abermals zu. Es wurde in einer Art gegen verpachtungswillige Bauern vorgegangen, dass gesagt wurde:

„ ... wer ab Herbst 1995 an Herrn Meyer verpachtet bekommt den Pflichtinventar nie zurück“ (die Laufzeit vieler Pachtverträge endete 1995).

Dies war eine regelrechte Erpressung, dadurch sprangen einige verpachtungswillige Bauern ab. Weiterhin wurden 9 ha Getreide von der AG abgedroschen, obwohl kein Pachtvertrag vorhanden war. Anzeigen erfolgten gegen den Verfasser. Die größte Frechheit war ein Hausdurchsuchungsbefehl der aufgrund einer Denunziation durchgeführt wurde mit der Begründung, dass der Verfasser als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft ein illegales Waffenlager im Hause besitzt. Alles gesteuert vom Rechtsanwalt Herrn Fischer und dem Vorstand der Heideland Agrar AG.

Es war ein verdammt schwerer Weg, den der Verfasser gehen musste, um auf eigener Scholle Wiedereinrichter zu werden - und das in einem bundesdeutschen Rechtsstaat. Die Bauern, die weiterhin bereit waren, an den Verfasser zu verpachten, wurden mit weiteren Schikanen tyrannisiert. Die Felder konnten im Herbst nicht bestellt werden, da sittenwidrige Laufzeiten der Pachtverträge bis 31.12. abgeschlossen waren. Etwa 40 ha mussten im Herbst brach liegen bleiben und konnten erst im Frühjahr mit Sommerkulturen bestellt werden. So begann ich am 01.04.1996 mit 90 ha Fläche als Wiedereinrichter in Durchwehna. Dazu muss betont werden, dass bis zu dieser Zeit kein Pfennig Pflichtinventarbeitrag zurückgeflossen war. Alle Ersparnisse der Familie wurden geopfert und Kredite aufgenommen, um erst einmal die grundlegendste Technik zu kaufen. Die Herren der Aktiengesellschaft brauchten dies 1991 alles nicht zu machen, denn sie wirtschafteten mit dem LPG-Vermögen, das ihnen nicht gehörte, einfach weiter.

Per Gerichtsbeschluss vom Dezember 1998, gefasst vom BGH, bekamen die Herren des Vorstandes der Heideland Agrar AG jedoch die Quittung. Die Umwandlung der 5 LPG zur Aktiengesellschaft entspreche nicht den Bestimmungen des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes und die Aktiengesellschaft ist nicht Nachfolger der damaligen LPGen. Mit anderen Worten: Die vormaligen LPGen leben in gesetzlicher Liquidation wieder auf und ein Liquidator müsste deren Eigentum versilbern und an die Mitglieder auszahlen. Dessen ungeachtet wirtschaftet die Aktiengesellschaft mit ihren Tochter-GmbH´s aber bis zum heutigem Tag weiter. Ziel ist es, mittels des Liquidators, das Eigentum der ehemaligen LPG´n zum Stand vom 31.03.1991 im Paket zu übernehmen, denn ein anderer Bieter des LPG-Eigentums wird nicht da sein, weil sämtliche Pachtverträge über Acker und Wiesenflächen sowie Milchquoten und Zuckerrübenquote den Tochterunternehmen der Aktiengesellschaft gehören. Es ist damit abzusehen, dass der Liquidator, die gesamten LPG–Werte weit unter dem Verkehrswert an die besagte Aktiengesellschaft verkaufen wird. Niemand will Ställe, Bergeräume und Technik kaufen, ohne dass Feld dazu gehört, welches ja die Grundlage jeglichen Wirtschaftens in der Landwirtschaft ist.

Über den Liquidator der LPG´n wird sicher irgendwann auch Geld an die früheren LPG-Mitglieder fließen, die ihr Inventar in die LPG einbringen mussten. Sie werden jedoch nur ein Bruchteil dessen erhalten, was ihnen nach dem LwAnpG zugestanden hätte. Von der zweistelligen Millionenzahl des LPG–Vermögens, welches 1991 noch da war, wird sicherlich nur noch ein geringer Teil über den Liquidator an die berechtigten Bauern kommen. Die Kosten der gescheiterten Umwandlung sowie die zehnjährige Misswirtschaft der Aktiengesellschaft haben den größten Teil des Vermögens verschlungen.

Mittlerweile arbeitet in der Heideland Agrar AG ein neuer Vorstand sowie Aufsichtsrat, der das Unternehmen retten will und dem der Verfasser auch weit aus mehr Kompetenz und Können zutraut. Aber niemand fühlt sich für die gescheiterte Umwandlung sowie die Misswirtschaft verantwortlich. Bezahlen werden dies alles wieder die ehemalige Bauern, die mit ihrem Vermögen unter DDR-Bedingungen in die LPG getrieben wurden und jetzt wieder fast leer ausgehen werden. Die gescheiterte Umwandlung von vielen ehemaligen LPG´n in den neuen Bundesländern sind letztendlich auch ein Beweis für die insgesamt gescheiterte Agrarpolitik, die gegenwärtig in der Sackgasse steht.

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